{"id":59814,"date":"2019-04-13T17:32:40","date_gmt":"2019-04-13T17:32:40","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=59814"},"modified":"2019-04-15T16:59:57","modified_gmt":"2019-04-15T16:59:57","slug":"schwarzes-loch-zwei-jahre-bis-zum-bild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=59814","title":{"rendered":"Schwarzes Loch: Zwei Jahre bis zum Bild"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Das Schwarze Loch befindet sich im Zentrum der Galaxie Messier 87<\/div>\n<p class=\"post_description\">Die Beobachtung mit dem &bdquo;Event Horizon Telescope&ldquo; ist ein internationaler Erfolg. Zum ersten Mal konnten Wissenschaftler ein Schwarzes Loch direkt visuell nachweisen. Doch der Schnappschuss wurde lange Zeit im Voraus geplant.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">D<\/span>as &bdquo;Event Horizon Telescope&ldquo; (EHT) hat das erste Bild des &bdquo;Schattens&ldquo; eines <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/thema\/schwarzes-loch\" title=\"Schwarzes Loch\">Schwarzen Lochs<\/a> aufgenommen. Das Resultat ist aus vielen Gr&uuml;nden bemerkenswert. An seiner Entstehung wirkten acht Observatorien in Nord- und S&uuml;damerika, der Antarktis und Europa mit. Auf europ&auml;ischem Boden nahm das 30-Meter-Teleskop des Instituts f&uuml;r Radioastronomie im Millimeterbereich (Iram) auf dem spanischen Pico Veleta teil, zu dessen Tr&auml;gerorganisationen die <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"020254d9771d0e891c69ba1e75b07245fd3ee808\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/thema\/max-planck-gesellschaft\">Max-Planck-Gesellschaft<\/a> z&auml;hlt.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Nach Jahren der Vorbereitung des internationalen Gro&szlig;projekts wurden im April 2017 die ersten Beobachtungen vorgenommen, die dem nun zwei Jahre sp&auml;ter ver&ouml;ffentlichten Bild zugrunde liegen. Da die empfangene Strahlung bei einer Wellenl&auml;nge von 1,3 Millimetern stark von der Erdatmosph&auml;re und insbesondere von dem dort existierenden Wasserdampf beeinflusst wird, war daf&uuml;r an allen Standorten gleichzeitig exzellentes &ndash; hei&szlig;t: absolut trockenes &ndash; Wetter notwendig.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die angewandte Beobachtungsmethode wird als Interferometrie bezeichnet. Dabei werden die Daten mehrerer Teleskope so miteinander kombiniert, dass ein gro&szlig;es Teleskop mit einem Durchmesser simuliert wird, der dem maximalen Abstand zwischen je zweien der teilnehmenden Einzelteleskope entspricht. Im Fall des EHT resultierte daraus ein virtuelles Teleskop mit einem Durchmesser von rund 8000 Kilometern, fast so gro&szlig; wie die Erde. Die technisch anspruchsvolle Kombination der Daten wurde zu einem gro&szlig;en Teil vom Bonner <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"10832764997c0c93cf94cc22aa1da1d69d948763\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/thema\/max-planck-institut\">Max-Planck-Institut<\/a> f&uuml;r Radioastronomie (MPIfR) &uuml;bernommen.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Das Bild trotz blinder Flecken erkennen<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Aus mindestens zwei Gr&uuml;nden gilt die Methode der Interferometrie als eine der schwierigsten der Astronomie: Zum einen wird das zu beobachtende Bild &ndash; f&uuml;r uns Menschen wenig intuitiv &ndash; in Frequenzen zerlegt: gro&szlig;skalige Details entsprechen dabei niedrigen Frequenzen, feine Details hohen. Jedes Paar von Teleskopen ist empfindlich und zust&auml;ndig f&uuml;r eine dieser Raumfrequenzen. Gleichzeitig, und das ist die eigentliche methodische Herausforderung, k&ouml;nnen von einem Interferometer nicht alle Frequenzen aufgezeichnet werden.<\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Der Grund liegt anschaulich darin, dass die Fl&auml;che des simulierten Riesenteleskops nur sehr sparsam mit realen Teleskopen bedeckt ist und damit Information verlorengeht. Es ist, als w&uuml;rde man ein Lied auf einem Klavier mit zahlreichen defekten Tasten spielen. Die Aufzeichnung der Beobachtungsdaten ist daher Grundlage einer aufwendigen Datenbearbeitung, die zum Ziel hat, die fehlende Information zu rekonstruieren &ndash; in der Analogie: das Lied trotz der fehlenden T&ouml;ne zu erkennen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Diese Aufgabe, dasjenige Bild zu ermitteln, das angesichts der vorliegenden unvollst&auml;ndigen Beobachtungsdaten am wahrscheinlichsten die zugrunde liegende Quelle abbildet, wird von komplexen Algorithmen &uuml;bernommen. Um die hierbei auftretenden Unsicherheiten zu verstehen, hat das aus dreizehn Partnerorganisationen bestehende EHT-Konsortium viele verschiedene Varianten der Bilderzeugung durchgespielt: Vier verschiedene Gruppen von Astronomen leiteten voneinander unabh&auml;ngig aus den Rohdaten das resultierende Bild ab, au&szlig;erdem erstellte eine automatisierte Prozedur eine gro&szlig;e Zahl von Bildern mit Hilfe verschiedener Software-Pakete und leicht voneinander abweichender Einstellungen. Das Resultat: Der beobachtete asymmetrische Ring ist weitgehend unabh&auml;ngig von Details der Datenbearbeitung. Das Bild des Schattens erscheint somit zuverl&auml;ssig.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">6,5 Milliarden Mal so schwer wie unsere Sonne<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Bei der Interpretation des Bildes kommt schlie&szlig;lich komplexe theoretische Modellierung zum Einsatz. Sie zeigt, wie sich verschiedene Eigenschaften des supermassereichen Schwarzen Lochs jeweils auf seine beobachtbare Erscheinung auswirken. Eine Vielzahl solcher Modelle wurden unter Leitung von Luciano Rezzolla an der Goethe-Universit&auml;t Frankfurt entwickelt. Er und sein Team sind Teil des Projektes &bdquo;BlackHoleCam&ldquo;, das durch den Europ&auml;ischen Forschungsrat gef&ouml;rdert wird und als weitere Partner die Radboud University Nijmegen und das MPIfR umfasst.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Der Vergleich der Beobachtung mit Simulationen wie denen aus Frankfurt erm&ouml;glichte es, die Eigenschaften des Schwarzen Lochs im Zentrum der elliptischen Galaxie M87 abzuleiten: Von der Erde aus gesehen, rotiert es demnach im Uhrzeigersinn und besitzt eine Masse von rund 6,5 Milliarden Sonnenmassen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die &Uuml;bereinstimmung zwischen der Beobachtung und den theoretischen Vorhersagen sei verbl&uuml;ffend, berichtet MPIfR-Direktor Anton Zensus. Das Frankfurter Simulations-Projekt stellt au&szlig;erdem Modelle bereit, mit denen ausgeschlossen werden soll, dass etwas anderes als ein Schwarzes Loch &ndash; ein anderes kompaktes Objekt wie beispielsweise ein exotischer Bosonenstern &ndash; der Beobachtung zugrunde liegen k&ouml;nnte.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die M&ouml;glichkeit, Schwarze L&ouml;cher im Zentrum von Galaxien direkt zu beobachten, &ouml;ffnet der Astronomie nun ein neues Fenster f&uuml;r das Studium dieser extremen Objekte, das sich komplement&auml;r zu bestehenden Methoden verh&auml;lt. Unser Verst&auml;ndnis Schwarzer L&ouml;cher wird davon massiv profitieren.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/weltraum\/schwarzes-loch-zwei-jahre-bis-zum-ersten-bild-16134544.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/weltraum\/schwarzes-loch-zwei-jahre-bis-zum-ersten-bild-16134544.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Beobachtung mit dem \u201eEvent Horizon Telescope\u201c ist ein internationaler Erfolg. Zum ersten Mal konnten Wissenschaftler ein Schwarzes Loch direkt visuell nachweisen. 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