{"id":59233,"date":"2019-03-29T17:51:12","date_gmt":"2019-03-29T17:51:12","guid":{"rendered":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=59233"},"modified":"2019-04-01T10:55:01","modified_gmt":"2019-04-01T10:55:01","slug":"amphibiensterben-eine-beispiellose-katastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=59233","title":{"rendered":"Amphibiensterben: Eine beispiellose Katastrophe"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Ein Goldfr&ouml;schchen aus Panama.  Im &bdquo;El Nispero Zoo&ldquo; in El Valle werden seit Jahren Dutzende Froscharten vermehrt, weil ihre Best&auml;nde in der Wildnis rapide geschrumpft sind.<\/div>\n<p class=\"post_description\">Eine Seuche, wie sie zuvor noch nie dokumentiert wurde: Der Chytridpilz hat weltweit schon neunzig Amphibien-Arten ausgerottet, Hunderte sind extrem bedroht. Die erste globale Bilanz des Schreckens.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">E<\/span>ine Seuche, die wie ein stiller Zyklon &uuml;ber den Planeten fegt, die Art um Art ausl&ouml;scht und innerhalb k&uuml;rzester Zeit eine ganze Gro&szlig;gruppe von Tieren ins Verderben st&uuml;rzt, noch dazu eine der stammesgeschichtlich &auml;ltesten und faszinierendsten Gruppen &ndash; ein solcher Killer ist ausgerechnet in unserer Zeit unterwegs, in der Klimawandel, Lebensraumverluste und Umweltverschmutzung die Lebensvielfalt ohnehin massiv bedrohen. Die Opfer sind Amphibien, der Ausl&ouml;ser ist ein Pilz, der sogenannte Chytridpilz, und der dringenden Mitt&auml;terschaft beschuldigt wird, wie sollte es anders sein: der Mensch. Denn der aus Asien stammende Pilz (genauer: die beiden Tr&ouml;pfchenpilzarten Batrachochytrium dendrobatitis und Batrachochytrium salamandrivorans) reitet auf der Globalisierungswelle rund um den Globus.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">In den achtziger Jahren waren die ersten kollabierenden Amphibienpopulationen beobachtet worden. Inzwischen sind nicht weniger als 501 Frosch- und Schwanzlurch-Arten Opfer des Pilzerregers geworden &ndash; inklusive der 90 Arten, die in dieser Zeit v&ouml;llig verschwunden sind und bis auf Weiteres als ausgestorben gelten m&uuml;ssen. Lediglich von den Kaninchen ist etwas &auml;hnliches, wenn auch mit Blick auf Artenverluste l&auml;ngst noch nicht so verheerendes, bekannt geworden: die Myxomatose hat weltweit etwa vierhundert Kaninchenspezies erfasst.<\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">In Europa hat in den vergangenen Jahren vor allem der &bdquo;Salamanderfresser&ldquo; &ndash; Batrachochytrium salamandrivorans (kurz Bsal) &ndash;  von sich reden gemacht. Der Feuersalamander, eine Charaktertierart hierzulande und einer der geheimnisvollsten Waldbewohner, wird seit einigen Jahren immer st&auml;rker durch die Verschleppung der Pilzsporen bedroht (unsere Multimedia-Dokumentation <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/der-horror-im-deutschen-wald-15517534.html\">dazu hie<\/a>r).  Dabei ist Europa ohnehin nicht mit einer gro&szlig;en Amphibienvielfalt gesegnet. Das hat damit zu tun, dass viele Regionen wegen der langen, ausgedehnten Eiszeiten erst sp&auml;t von Amphibien wieder besiedelt wurde und die Artenzahl deshalb auch sehr klein ist verglichen mit den Tropen und Subtropen. <\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Der Schwerpunkt der weltweiten Chytridenpidemie liegt eindeutig in S&uuml;d- und Zentralamerika sowie in Australien. Hier kam es bereits in den achtziger Jahren zum ersten H&ouml;hepunkt des Massensterbens. Eine internationale Forschergruppe um Ben Scheele von der National University im australischen Canberra und dem belgischen Chytridenspezialisten Frank Pasmans hat in<a href=\"http:\/\/science.sciencemag.org\/cgi\/doi\/10.1126\/science.aax0002\"> &bdquo;Science&ldquo;<\/a> zum ersten Mal die globale Dimension der Pilzseuche aufgearbeitet. Sie zeigen darin vor allem: Die Seuche setzt sich praktisch unvermindert fort. Zwar hat man in den vergangenen Jahren immer wieder lokale oder regionale Erholungen registriert, was die Hoffnung gen&auml;hrt hat, dass die folgenden Lurchen-Generationen Resistenzen entwickeln k&ouml;nnen. Doch die Realit&auml;t ist eine andere: oft sind es nur einzelne Populationen einer Art, denen der Pilz eine Atempause g&ouml;nnt. Das ist allerdings durchaus bemerkenswert, denn der Erreger ist extrem infekti&ouml;s. Die Tiere infizieren sich oft schon vor der Metamorphose zum ausgewachsenen Tier, meist schon beim ersten Kontakt. Die extrem robusten Sporen verbreiten sich schnell, sie kleben an Schuhsohlen, &uuml;berdauern im Boden und werden mutma&szlig;lich durch Wasserv&ouml;gel oder durch infizierte Terrarien- und Teichtiere verschleppt.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Der infekti&ouml;se Pilz dringt in die Haut und zerst&ouml;rt sie gro&szlig;fl&auml;chig. Wie der Pilz au&szlig;erdem die inneren Organe sch&auml;digt ist noch nicht vollst&auml;ndig gekl&auml;rt, doch klar ist: einmal infiziert, gibt es f&uuml;r die Amphibien kaum ein Entrinnen &ndash; jedenfalls f&uuml;r die Arten, die nicht wie der afrikanische Krallenfrosch v&ouml;llig widerstandsf&auml;hig sind.<\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Neben den neunzig dokumentierten Arten, die als ausgestorben gelten, sind ann&auml;hernd zweihundert Froscharten bekannt, f&uuml;r die gilt: Tendenz weiter fallend. Und f&uuml;r 124 Arten gibt es besonders schlechte Nachrichten: Ihre Best&auml;nde schrumpfen scheinbar unaufhaltsam, sie haben mehr als neunzig Prozent ihrer Individuen verloren. Das betrifft vor allem Tiere, die h&ouml;her gelegene Feuchtgebiete bewohnen und schmale &ouml;kologische Nischen besetzen. Ihre Chance, als eigene Art die n&auml;chsten Jahre zu &uuml;berstehen, beziffern die Forscher auf weniger als eins zu zehn.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Der Terrarienhandel ist in den Augen der Wissenschaftler besonders in der Verantwortung. &bdquo;Der Handel muss sofort stark reduziert werden, und Ma&szlig;nahmen zur Eind&auml;mmung der Seuche in betroffenen Gebieten sind dringend n&ouml;tig&ldquo;, schreiben die Science-Autoren.<\/p>\n<p>&#8211;&gt;<\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/leben-gene\/eine-beispiellose-katastrophe-16114457.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/leben-gene\/eine-beispiellose-katastrophe-16114457.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Seuche, wie sie zuvor noch nie dokumentiert wurde: Der Chytridpilz hat weltweit schon neunzig Amphibien-Arten ausgerottet, Hunderte sind extrem bedroht. 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