{"id":57761,"date":"2019-02-10T19:54:22","date_gmt":"2019-02-10T19:54:22","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=57761"},"modified":"2019-03-04T09:57:26","modified_gmt":"2019-03-04T09:57:26","slug":"monogamie-im-tierreich-treue-ist-die-eine-option","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=57761","title":{"rendered":"Monogamie im Tierreich: Treue ist die eine Option"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">V&ouml;gel bilden eine absolute Ausnahme im Tierreich &ndash; 90 Prozent der Arten gehen monogame Beziehungen ein.<\/div>\n<p class=\"post_description\">Monogamie im Tierreich ist selten &ndash; denn in Sachen Fortpflanzung ist sie nicht zielf&uuml;hrend. Doch warum findet sie sich &uuml;berhaupt bei so vielen Arten? Offenbar spielen zwei Dutzend Gene eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">D<\/span>ie Paarungsstrategien im Tierreich sind vielf&auml;ltig: Die einen bevorzugen wechselnde Partner, die anderen binden sich f&uuml;rs Leben oder zumindest f&uuml;r eine Brutsaison. Die Monogamie ist im Laufe der Evolution viele Male entstanden, so lassen sich auf jedem Ast des Wirbeltier-Stammbaums, der 450 Millionen Jahre umspannt, entsprechende Arten finden. Die Einehe ist insgesamt betrachtet aber selten und evolutionsbiologisch auch nicht einfach zu erkl&auml;ren.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Biologen der Universit&auml;t Texas in Austin sind nun den genetischen Grundlagen des komplexen Bindungsverhaltens etwas genauer auf die Spur gekommen. Das Forscherteam untersuchte insgesamt zehn Wirbeltierarten. Sie w&auml;hlten f&uuml;nf monogam lebende Arten und je eine nahverwandte, aber polygame Art aus. Die f&uuml;nf Artenpaare setzten sich zusammen aus einer treuen Buntbarschart aus dem Tanganjikasee in Afrika, bei der beide Eltern Maulbrutpflege betreiben, sowie Baumsteigerfrosch, Bergpiper, kalifornische Maus und Pr&auml;riew&uuml;hlmaus plus folgende untreue Gegenspieler: Buntbarsch, Erdbeerfr&ouml;schchen, Heckenbraunelle, Hirschmaus und Wiesenw&uuml;hlmaus.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Der Blick auf die Gene<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">F&uuml;r ihre Studie, die k&uuml;rzlich<a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/content\/116\/4\/1331\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> in den &bdquo;Proceedings&ldquo; der amerikanischen Nationalen <\/a><a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"11990c89e5c4b912b702f394e36fa8f45812d90e\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/thema\/akademie-der-wissenschaften\">Akademie der Wissenschaften<\/a><a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/content\/116\/4\/1331\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> <\/a>erschienen ist, definierten die Autoren eine Art als sozial monogam, wenn sie f&uuml;r mindestens eine Fortpflanzungssaison zusammenblieben, ihre Jungen gemeinsam gro&szlig;zogen und verteidigten. Monogamie bedeutet in der Biologie im &Uuml;brigen nicht absolute Treue.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">&bdquo;In fast allen untersuchten monogamen Arten, den Menschen eingeschlossen, kommen Seitenspr&uuml;nge vor&ldquo;, erkl&auml;rt der Studienleiter Hans Hofmann. Die Biologen entnahmen jeweils drei M&auml;nnchen einer Art das Gehirn und untersuchten die Genaktivit&auml;t des Gewebes. Das Ergebnis &uuml;berraschte auch die Forscher: Von Fisch bis Maus fanden sie 24 Gene, die nach einem sehr speziellen Muster entweder herauf- oder herunterreguliert waren. &bdquo;Bei monogamen Arten gibt es ein gemeinsames Muster der Genaktivit&auml;t&ldquo;, sagt Studienautorin Rebecca Young, &bdquo;und es wurde in 450 Millionen Jahren wieder und wieder genutzt.&ldquo;<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">&bdquo;Diese Untersuchung bringt uns einen Schritt nach vorn&ldquo;, best&auml;tigt die Evolutionsbiologin Anna Lindholm von der Universit&auml;t Z&uuml;rich, die nicht an der Studie beteiligt war, &bdquo;denn wir wissen wenig &uuml;ber die Entstehung von Monogamie.&ldquo; Tats&auml;chlich ist monogames Verhalten auf den ersten Blick nicht zielf&uuml;hrend. Schon wegen der unterschiedlichen Zahl der Keimzellen kommt es zu einem Interessenkonflikt: M&auml;nnchen produzieren zahlreiche Spermien, Weibchen nur wenige Eier.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Die besonders treuen Arten<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Folglich kann ein M&auml;nnchen viel mehr Jungen haben, wenn es die Eier vieler Weibchen besamt. Und Nachkommen sind &ndash; aus evolutionsbiologischer Perspektive &ndash; schlie&szlig;lich das Ziel. So konkurrieren M&auml;nnchen tats&auml;chlich oft um den Zugang zu m&ouml;glichst vielen Weibchen, w&auml;hrend diese ihrerseits w&auml;hlerisch sind. Nur drei Prozent der S&auml;ugetiere gehen eine Paarbindung ein und bei Fischen, Amphibien und Reptilien sind es noch weniger. Eine Ausnahme sind V&ouml;gel, bei denen sich 90 Prozent zumindest eine Brutsaison lang die Treue halten.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Unter bestimmten Bedingungen zahlt sich eine feste Partnerschaft also aus: Wenn Partner rar sind oder die Nachkommen nur mit der F&uuml;rsorge beider Eltern erfolgreich gro&szlig; werden. Es ist sogar noch komplizierter. Es gibt Arten, etwa M&auml;use oder Eidechsen, die ein flexibles Paarungsverhalten zeigen &ndash; wo Treue und Untreue nebeneinander gelebt werden, so Lindholm. Denn beide Varianten haben Vor- und Nachteile. So zeugen untreue M&auml;nnchen mehr Nachwuchs. Daf&uuml;r k&ouml;nnen sich die Treuen, die ihre Familie umsorgen, sicherer sein, dass die Jungen wirklich von ihnen stammen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Als Fisch, Frosch und Maus monogames Verhalten entwickelten, griffen sie offenbar auf den gleichen Satz an Genen zur&uuml;ck, der sich im Erbgut aller Wirbeltiere findet. Die Gene sind keine Unbekannten, sie sind an Lern- und Ged&auml;chtnisvorg&auml;ngen beteiligt.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">&bdquo;Wir haben nicht gezeigt, dass diese Gene Monogamie verursachen&ldquo;, betont Hofmann. Aber ihr Zusammenspiel k&ouml;nnte grundlegende Aspekte des Sozialverhaltens steuern, etwa das Tolerieren von Artgenossen oder das Wiedererkennen des Partners, und so den Weg zur Monogamie ebnen. Die Forscher wollen weitere Arten testen, auch an Schimpanse und Mensch sei gedacht. &bdquo;Ich w&uuml;rde erwarten, dass sich bei uns ein &auml;hnliches Genaktivit&auml;tsmuster finden l&auml;sst&ldquo;, sagt Hofmann, &bdquo;denn auch wir sind ein Produkt der Evolution.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/leben-gene\/monogamie-im-tierreich-liegt-die-treue-in-den-genen-16024625.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/leben-gene\/monogamie-im-tierreich-liegt-die-treue-in-den-genen-16024625.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monogamie im Tierreich ist selten \u2013 denn in Sachen Fortpflanzung ist sie nicht zielf\u00fchrend. Doch warum findet sie sich \u00fcberhaupt bei so vielen Arten? 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