{"id":56989,"date":"2019-01-09T15:21:40","date_gmt":"2019-01-09T15:21:40","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=56989"},"modified":"2019-01-28T13:08:02","modified_gmt":"2019-01-28T13:08:02","slug":"ereignisse-und-gestalten-wenn-ein-altes-schlachtross","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=56989","title":{"rendered":"Ereignisse und Gestalten: Wenn ein altes Schlachtross . . ."},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Der amerikanische Vizepr&auml;sident Mike Pence hat sich aktiv mit den Geschehnissen in Venezuela befasst<\/div>\n<p class=\"post_description\">1994 wurde Helmut Kohl zum f&uuml;nften Mal in Folge als Bundeskanzler vereidigt. Danach gab es in Bonn nur ein Thema: Wann endet die &Auml;ra Kohl?<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">G<\/span>erade noch einmal gutgegangen war es. Bonn, Bundestag, Mittwoch, 16. November 1994. Tag der Kanzlerwahl. Mit einer Beinahepanne begann die f&uuml;nfte Amtszeit <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"3874c485a8f0bc959181006b55dde1532fbb1878\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/helmut-kohl\">Helmut Kohls<\/a>, von der die meisten glaubten, es werde seine letzte sein. Das &uuml;bliche Ritual wurde vollzogen &ndash; Verlesen der Namen der Abgeordneten, die ihre Stimme abgeben sollten. Von Ulrich Adam (CDU) bis Gerhard Zwerenz von der PDS, der Nachfolgepartei der SED, wie damals regelm&auml;&szlig;ig hinzugef&uuml;gt wurde. Die Schriftf&uuml;hrer waren schon bei dem Buchstaben Z angekommen, als sich voller Aufregung zwei CDU-Abgeordnete ihren Weg zu den Urnen bahnten. Einer f&uuml;hrte &ndash; der Vorsitzende der baden-w&uuml;rttembergischen Landesgruppe, Otto Hauser. Einer wurde gef&uuml;hrt &ndash; Roland Richter. Das Fehlen des Parlamentsneulings aus Pforzheim war der F&uuml;hrung der Unionsfraktion &ndash; bedingt durch widrige Umst&auml;nde &ndash; erst gar nicht und J&uuml;rgen R&uuml;ttgers, dem Ersten Parlamentarischen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer, buchst&auml;blich in letzter Sekunde aufgefallen. Um 10.05 Uhr hatte der Wahlakt begonnen. Um 10.45 Uhr tauchte Richter auf. Er habe in seinem Hotel in K&ouml;nigswinter verschlafen, wurde alsbald glaubhaft kolportiert. &bdquo;Roland Richter ist an einem Tag gelungen, woran andere Abgeordnete ganze Legislaturperioden arbeiten&ldquo;, schrieb Karl Feldmeyer, Korrespondent dieser Zeitung. &bdquo;Sein Name ist seit der Kanzlerwahl jedermann in Bonn bekannt.&ldquo; Roland Richter hat die Bekanntheit wenig geholfen. Seine erste Legislaturperiode sollte auch seine letzte sein. J&uuml;rgen R&uuml;ttgers stieg auf. Der &bdquo;Erste Parlamentarische&ldquo; der Fraktion wurde &ndash; zust&auml;ndig f&uuml;r Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie &ndash; &bdquo;Zukunftsminister&ldquo; in Kohls Kabinett. &Uuml;ber die ganze Wahlperiode aber zog sich ein Thema hin: Wann endet die &Auml;ra Kohl?<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">***<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Jede Stimme wurde gebraucht. Die Mehrheit von CDU, CSU und FDP war bei der Wahl zum 13. Deutschen Bundestag auf ein Minimum geschrumpft. Die Union verlor 2,3 Punkte und kam auf 41,5 Prozent. Die FDP sackte um 4,1 Punkte ab und landete bei 6,9 Prozent. 672 Abgeordnete geh&ouml;rten dem Bundestag an, 341 davon den drei bisherigen und auch neuen Koalitionsparteien. Die im ersten Wahlgang f&uuml;r die Wahl zum Bundeskanzler erforderliche absolute Mehrheit betrug 337 Stimmen. Kohl erhielt 338 Stimmen. Es war kein guter Start. Was in Bonn &uuml;ber Kohl und seinen Fraktionsvorsitzenden <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"8514dcf73464da1eec4ec1beec734d8dba573277\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/wolfgang-schaeuble\">Wolfgang Sch&auml;uble<\/a> so geredet wurde, fasste Claus Gennrich, auch er Korrespondent dieser Zeitung, mit Blick auf R&uuml;ttgers in zwei hintersinnigen S&auml;tzen zusammen: &bdquo;Sch&auml;uble verliert seine st&auml;rkste St&uuml;tze im Bundestag. Sollte Sch&auml;uble aber zu einem absehbaren Zeitpunkt Kanzler werden, f&auml;nde er seinen Helfer mit einer inzwischen gesammelten Regierungserfahrung wieder vor.&ldquo;<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Erz&auml;hlungen in den sogenannten CDU-Kreisen &uuml;ber den &bdquo;absehbaren Zeitpunkt&ldquo; waren deutlicher. Zur Mitte der Legislaturperiode, also im Herbst 1996, werde das Amt des Bundeskanzlers von Kohl auf Sch&auml;uble &uuml;bergehen. Sch&auml;uble-Vertraute wollten von einer Zusage Kohls und einer Absprache zwischen den beiden wissen. Kohl-Kenner bestritten das. Das Thema &bdquo;Amtswechsel&ldquo; sei bei den Gespr&auml;chen zwischen den beiden ein Tabu gewesen. Ob es im Falle des Falles dazu gekommen w&auml;re, stand ohnehin auf einem anderen Blatt. Sch&auml;uble und der CSU-Vorsitzende Theo Waigel, ohne dessen Zustimmung es so nicht h&auml;tte kommen k&ouml;nnen, hatten nicht das beste Verh&auml;ltnis zueinander. Waigel stand fest an der Seite Kohls. In der CSU-Spitze, aber auch in der FDP gab es den Verdacht, Sch&auml;uble strebe ein B&uuml;ndnis mit der SPD an, was die beiden Koalitionspartner der <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"30eb8234582224cf91e66839fb0c63a8cca9d541\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/cdu\">CDU<\/a> ablehnten &ndash; und Kohl auch. Abwegig freilich war der Gedanke nicht. Gerhard Schr&ouml;der, damals Ministerpr&auml;sident in Niedersachsen, hatte am Wahlabend zum Besten gegeben, die SPD solle aktiv und offensiv zur Bildung einer gro&szlig;en Koalition bereit sein. Schr&ouml;der w&auml;re nicht abgeneigt gewesen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/die-gegenwart\/helmut-kohl-wenn-ein-altes-schlachtross-15921194.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/die-gegenwart\/helmut-kohl-wenn-ein-altes-schlachtross-15921194.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1994 wurde Helmut Kohl zum f\u00fcnften Mal in Folge als Bundeskanzler vereidigt. 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