{"id":56626,"date":"2018-10-22T12:48:20","date_gmt":"2018-10-22T12:48:20","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=56626"},"modified":"2018-12-22T17:14:29","modified_gmt":"2018-12-22T17:14:29","slug":"1968-die-ressource-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=56626","title":{"rendered":"1968: Die Ressource Mensch"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Ein Lokf&uuml;hrer f&auml;hrt im F&uuml;hrerstand eines ICE zwischen Erfurt und Bamberg.<\/div>\n<p class=\"post_description\">F&uuml;r die Unternehmen war &bdquo;1968&ldquo; eine mediale und politische Provokation. Zun&auml;chst reagierten sie mit k&auml;mpferischer Rhetorik nach au&szlig;en, zunehmend aber auch mit Dialogbereitschaft, professionalisierter &Ouml;ffentlichkeitsarbeit und schlie&szlig;lich mit Absorption von Kritik und Reformbereitschaft.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">A<\/span>uch f&uuml;nf Jahrzehnte nach der Studentenrevolte &uuml;bt das magische Jahr 1968 eine gro&szlig;e Faszination aus. W&auml;hrend in den Feuilletons und Talkshows die sattsam bekannte Geschichte von langhaarigen Revoluzzern und pr&uuml;gelnden Polizisten wiederholt wird, bietet die zeithistorische Forschung ein sehr vielschichtigeres Bild. Schon l&auml;nger betonen Historikerinnen und Historiker die transnationale Dimension der Ereignisse, also die unterschiedlichen politisch-kulturellen Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen globalen Zentren des Protestes. Neuerdings wird aber auch das &bdquo;andere 1968&ldquo; erforscht: Die angefeindeten Gegner vom <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"91e047a86822e3246942c67a51aa3972f5912d17\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/rcds\">RCDS<\/a> und ihre ebenso tiefgreifenden politisch-generationellen Pr&auml;gungen r&uuml;cken ins Rampenlicht (Anna von der Goltz). Die Rolle der Frauen, der Provinz und der Eltern der 1968er vervollst&auml;ndigen die immer umfassendere &bdquo;Gesellschaftsgeschichte einer Revolte&ldquo; (Christina von Hodenberg).<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Bei der Gesamtbeurteilung geht es dann meist um die &bdquo;Leistung&ldquo; der 1968er, also um die Frage, inwiefern die Studentenrevolte einen gesellschaftlichen Umbruch hin zu mehr Freiheit und Selbstbestimmung eingeleitet hat. Die Antworten auf diese Frage werden &uuml;blicherweise im Bereich des Politischen, der Bildung oder in der Sph&auml;re des Privaten gegeben. Viel weniger beobachtet wird bei dieser Historisierung die Wirtschafts- und Arbeitswelt. Wenn aber &bdquo;1968&ldquo; im Kern eine Revolte gegen traditionelle Autorit&auml;t und Hierarchie war und es letztlich darum ging, individuelle Freiheitspielr&auml;ume zu erk&auml;mpfen und neue Lebensstile zu erproben, dann liegt es auf der Hand, auch nach den Auswirkungen der Revolte auf die Unternehmen oder &ndash; allgemeiner gesagt &ndash; auf die westdeutsche Wirtschaft zu fragen. Allgemein gefragt: Mit welchen Strategien gelang es dem westdeutschen Kapitalismus, die Akzeptanz des Ordnungsmodells &bdquo;Soziale Marktwirtschaft&ldquo; aufrechtzuerhalten?<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">In den 1960er Jahren konnten sich die westdeutschen Wirtschaftsf&uuml;hrer noch lange im eigenen Erfolg sonnen. Sie hatten Vollbesch&auml;ftigung und Massenwohlstand in die junge Bundesrepublik gebracht und erwarteten daf&uuml;r die entsprechende Dankbarkeit. Die bekamen sie auch: Mussten sich die Unternehmer in den ersten Jahren nach dem <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"affc14679eec7bfac0ce6f1e589c0936f2124f54\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/zweiter-weltkrieg\">Zweiten Weltkrieg<\/a> noch den Vorwurf gefallen lassen, Handlanger des NS-Systems gewesen zu sein, waren sie zu Beginn der 1950er Jahre schon bald unersetzbare Garanten f&uuml;r Prosperit&auml;t und Stabilit&auml;t. Geschickt inszenierten sie sich als &bdquo;Kapit&auml;ne des Wirtschaftswunders&ldquo;, als &bdquo;geborene Unternehmer&ldquo;, die dank harter Arbeit und einer geh&ouml;rigen Spur Genialit&auml;t den Wiederaufbau nach dem Krieg erfolgreich gesteuert hatten. Von Schuld war keine Rede mehr, und auch die politisch-&ouml;konomischen Ordnungsvorstellungen der Unternehmer hatten sich durchgesetzt: Marktwirtschaft und Konsumgesellschaft nach westlichem Vorbild wurden von einem Gro&szlig;teil der Bev&ouml;lkerung bef&uuml;rwortet. Zum Ende der 1960er Jahre wichen aber Selbstgewissheit und Zuversicht ersten Zweifeln und schlie&szlig;lich einer wachsenden Unsicherheit. Die Wirtschaftskrise von 1966\/67 hatte gezeigt, dass das kontinuierliche und ungebremste Wachstum vorbei war. Auch wenn sich die Wirtschaft schnell erholte, war ein Ende des &bdquo;goldenen Zeitalters&ldquo; ein m&ouml;gliches Szenario geworden.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/die-gegenwart\/1968-die-ressource-mensch-15837685.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/die-gegenwart\/1968-die-ressource-mensch-15837685.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Unternehmen war \u201e1968\u201c eine mediale und politische Provokation. 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