{"id":56008,"date":"2018-10-17T12:30:07","date_gmt":"2018-10-17T12:30:07","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=56008"},"modified":"2018-10-17T12:38:02","modified_gmt":"2018-10-17T12:38:02","slug":"debatte-um-eizellspenden-zwischen-fetozid-und-moderner-medizin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=56008","title":{"rendered":"Debatte um Eizellspenden &#8211; Zwischen &#8222;Fetozid&#8220; und moderner Medizin"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<br \/>\nSollte die Leihmutterschaft in Deutschland erlaubt werden? &#8222;Mein Kopf sagt ja und mein Bauch sagt, es ist schwierig, gut umzusetzen&#8220;, sagt Annika K. Ludwig im heute.de-Interview.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Eizellspende, Embryospende, Leihmutterschaft: Was darf die Medizin in Deutschland? \u00c4rztin Annika Ludwig berichtet im heute.de-Interview von neuen M\u00f6glichkeiten und alten Problemen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>heute.de:<\/strong> Wie haben sich die Patienten ver\u00e4ndert in den letzten 30 Jahren?<\/p>\n<p><strong>Annika K. Ludwig:<\/strong> Sie sind informierter \u00fcber die letzten 15 Jahre. Sie wissen, was im Ausland und was hier m\u00f6glich oder nicht m\u00f6glich ist, weil es \u00fcber das Internet mehr M\u00f6glichkeiten gibt, sich zu informieren &#8211; etwa \u00fcber &#8222;Betroffenen&#8220;-Foren.<\/p>\n<p><strong>heute.de:<\/strong> Was ist heute anders als 1990?<\/p>\n<p><strong>Ludwig:<\/strong> Die Forschung ist weiter. Bisher gab es \u00fcberhaupt keine Studien zur Entwicklung der Kinder und man hatte Bedenken, die mehr einem Bauchgef\u00fchl entsprachen. In England gibt es jedoch inzwischen gute Studien zur Gesundheit der Kinder nach Eizellspenden. Wir wissen, dass es den Kindern langfristig gut geht, dass sie sich genauso gut entwickeln wie andere Kinder, dass sie sich psychologisch genauso entwickeln, die Familienstruktur normal ist und dass diese sich nicht von anderen Familien unterscheiden.<\/p>\n<p><strong>heute.de:<\/strong> Haben die Paare manchmal moralische Bedenken bei der Eizellspende?<\/p>\n<p><strong>Ludwig:<\/strong> Moralische Bedenken haben die, die sagen, das kommt f\u00fcr uns infrage, und dann ins Ausland gehen, nicht. Das empfinden die einfach nur als ungerecht, dass die Samenspende erlaubt ist und die Eizellspende aber nicht &#8211; und, dass sie jetzt zu den Behandlungskosten auch noch Fahrt und Reisekosten tragen m\u00fcssen.<\/p>\n<h3>Da ist Fetozid inklusive, quasi mit im Preis, das geht gar nicht.<\/h3>\n<p><strong>heute.de:<\/strong> Ist anderswo alles besser?<\/p>\n<p><strong>Ludwig:<\/strong> Ganz sicher nicht. Wenn sie in die Ukraine gehen, da haben sie eine hemmungslose Reproduktionsmedizin. Dort bekommen sie die Eizellspende mit dem Versprechen der hundertprozentigen Schwangerschaftschance. Da werden vier Embryonen transferiert. Wenn sie vier Embryonen junger Frauen bekommen, dann ist die Schwangerschaftsrate irrsinnig hoch und dann wird im Nachhinein eine Vierlingsschwangerschaft auf eine Zwillingsschwangerschaft reduziert. Da ist Fetozid inklusive, quasi mit im Preis, das geht gar nicht.<\/p>\n<p><strong>heute.de:<\/strong> In Deutschland gibt es doch ein Recht darauf, die Abstammung zu kennen?<\/p>\n<p><strong>Ludwig:<\/strong> Das ist ein gro\u00dfes Problem, denn die Paare, die ins Ausland gehen, bekommen in aller Regel eine anonyme Eizellspende und damit wird dem Kind hier die Kenntnis seiner Abstammung verwehrt. Wenn wir eine Eizellspende hier erlauben, d\u00fcrfte es hier keine anonymen Eizellspenden geben. Die Paare wissen, es w\u00e4re gut das Kind aufzukl\u00e4ren, doch viele tun sich damit schwer. Hier kann man eine verbindliche psychosoziale Beratung ans Herz legen, die die Patienten darauf vorbereitet, wie wichtig es ist, Kinder aufzukl\u00e4ren, Hilfestellung dazu zu geben.<\/p>\n<p><strong>heute.de:<\/strong> Sollten wir die Leihmutterschaft auch erlauben?<\/p>\n<p><strong>Ludwig:<\/strong> Mein Kopf sagt ja und mein Bauch sagt, es ist schwierig, gut umzusetzen. Wir k\u00f6nnen es nicht erlauben, bevor wir nicht wissen, wie wir es umsetzen wollen. Dazu kommt das schwierige Thema unserer Gesellschaft: Lesbische Paare k\u00f6nnen problemlos schwanger werden, w\u00e4hrend f\u00fcr schwule Paare die Leihmutterschaft der einzige Weg ist &#8211; und das ist f\u00fcr mich ungerecht.<\/p>\n<h3>Der Kopf sagt prinzipiell, es sollte erlaubt sein &#8211; aber erst, wenn wir es richtig regeln k\u00f6nnen.<\/h3>\n<p>Die Schwangerschaft ist aber ein langer Zeitraum, der mit langfristigen Risiken verbunden ist, die die Frau eingeht. Dar\u00fcber muss man die Frau auch aufkl\u00e4ren: Ob sie diese Risiken eingehen will, daf\u00fcr dass sie selbst keinerlei Nutzen hat. Dazu kommt ein Bindungsproblem. Die Frau baut eine Bindung zu dem Kind auf. Juristen sagen, dass die Frau einen Zeitraum haben k\u00f6nnte, in der sie sagen kann, sie gibt das Kind nicht raus und die Wunscheltern dies akzeptieren m\u00fcssen. Der Kopf sagt prinzipiell, es sollte erlaubt sein &#8211; aber erst, wenn wir es richtig regeln k\u00f6nnen. Es wird sehr schwierig sein, dies zu regeln. Das ist vielleicht ein Punkt, wo wir sagen, man kann nicht jeden Wunsch erf\u00fcllen.<\/p>\n<p><em>Das Interview f\u00fchrte Petra Otto.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Quelle:<\/strong><\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute\/interview-fortpflanzungsmedizinerin-ludwig-ueber-eizellspenden-und-leihmutterschaft-100.html\"><em>https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute\/interview-fortpflanzungsmedizinerin-ludwig-ueber-eizellspenden-und-leihmutterschaft-100.html<\/em><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Sollte die Leihmutterschaft in Deutschland erlaubt werden? &#8222;Mein Kopf sagt ja und mein Bauch sagt, es ist schwierig, gut umzusetzen&#8220;, sagt Annika K. 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