{"id":55841,"date":"2018-09-15T08:28:59","date_gmt":"2018-09-15T08:28:59","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=55841"},"modified":"2018-10-01T16:35:24","modified_gmt":"2018-10-01T16:35:24","slug":"10-jahre-finanzkrise-lehman-und-die-krise-des-westens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=55841","title":{"rendered":"10 Jahre Finanzkrise: Lehman und die Krise des Westens"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Ein Bild der Krise: Ein Aktienh&auml;ndler reibt sich Mitte September 2008 in der B&ouml;rse von New York die Augen<\/div>\n<p class=\"post_description\">Die gr&ouml;&szlig;te Finanz- und Weltwirtschaftskrise seit einhundert Jahren ist nicht ausgestanden. Denn auch sie ist eine Vertrauenskrise. Und ihre finanziellen und politischen Kosten sind gewaltig.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">D<\/span>ie Weltwirtschaft brummt, Deutschland sonnt sich im Boom, Berlin gibt Mehreinnahmen mit beiden H&auml;nden aus, in New York eilen Technologieaktien von einem Rekord zum n&auml;chsten, und Amerikas Banken sind m&auml;chtiger denn je. Zehn Jahre nach dem Untergang von <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"a1b1737943422b95d254ab18d371a01a1c2a41b7\" href=\"\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/lehman-brothers\">Lehman Brothers<\/a>, einer nur mittelgro&szlig;en Investmentbank, scheint alles wieder im Lot. Die gro&szlig;e Ausnahme ist die Europ&auml;ische Zentralbank, die noch immer eine Geldpolitik betreibt, als bef&auml;nde sich die Eurozone auf dem H&ouml;hepunkt der Krise.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Ist die gr&ouml;&szlig;te Finanz- und Weltwirtschaftskrise seit einhundert Jahren ausgestanden? Nein. Denn auch diese Finanzkrise ist eine Vertrauenskrise. Die Sorgen um den Wert des Geldes zusammen mit den gigantischen Rettungskosten, f&uuml;r die der Steuerzahler aufkommen musste, ersch&uuml;tterten das Grundvertrauen in Staat, Politiker und Institutionen. Politisch l&auml;sst sich eine Linie von der Finanzkrise bis zum Brexit und der Wahl von <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"4c2d461052e4493568027a1f701a31d1ee4b8779\" href=\"\/aktuell\/politik\/thema\/donald-trump\">Donald Trump<\/a> in Amerika ziehen. F&uuml;r die meisten steht heute fest: Marktversagen, Deregulierung und Neoliberale sind schuld an allem. Dabei stand am Anfang der Wunsch von Pr&auml;sident Clinton, alle Amerikaner zu Hausbesitzern zu machen. Deshalb finanzierten halbstaatliche Hypothekenbanken den Hauskauf f&uuml;r alle, Kredit bekam auch, wer ohne Einkommen war. Die Kredite wurden geb&uuml;ndelt und an Banken verkauft. Als die Zinsen stiegen, platzte die Immobilienblase, an den B&ouml;rsen st&uuml;rzten die Kurse, niemand wusste, wer die pl&ouml;tzlich wertlosen Kreditpakete in der Bilanz hatte, keine Bank traute einer anderen.<\/p>\n<p>&#8211;&gt;<\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Politiker und Notenbanker reagierten richtig, schnell und entschlossen. Nach dem Fall von Lehman wurden Banken und Versicherungen in Serie gerettet, mit Staatshilfen und auch, indem die Zentralbanken die Zinsen auf null dr&uuml;ckten und die Kapitalm&auml;rkte mit Liquidit&auml;t fluteten. In Berlin gab es einen historischen Moment. Als die Stimmung von nerv&ouml;s zu panisch zu kippen drohte, trat <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"075578cc1efb7cc55f229a886d99c0cfd4bb8f88\" href=\"\/aktuell\/politik\/thema\/angela-merkel\">Bundeskanzlerin Merkel<\/a> mit ihrem damaligen Finanzminister Steinbr&uuml;ck vor die Kameras: &bdquo;Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch daf&uuml;r steht die Bundesregierung ein.&ldquo;<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Die Rettung deutscher Banken d&uuml;rfte etwa 70 Milliarden Euro kosten<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Von zentraler Bedeutung war neben den beiden Konjunkturpaketen in H&ouml;he von jeweils 50 Milliarden Euro die Verl&auml;ngerung des Kurzarbeitergeldes als Br&uuml;cke f&uuml;r die Besch&auml;ftigung. So wurden Massenentlassungen vermieden &ndash; und als dem Konjunktureinbruch ein Aufschwung folgte, konnten deutsche Unternehmen mit ihrer Stammbelegschaft durchstarten.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die finanziellen Kosten der Krise sind gewaltig &ndash; die politischen ebenso. Die Rettung deutscher Banken d&uuml;rfte etwa 70 Milliarden Euro kosten. Weil der Banken- die Euro-Krise folgte, sind die Kosten nat&uuml;rlich viel h&ouml;her. Allein an Griechenland wurden 288 Milliarden Euro Hilfskredite ausbezahlt. Die Rettung koste kein Geld, Hellas habe keine Transfers erhalten, behaupten Politiker bis heute. Doch das stimmt nicht. Das Bundesfinanzministerium beziffert die deutschen Kosten f&uuml;r die Stundung der Zinszahlung auf 34 Milliarden Euro. Ob Griechenland im Jahr 2060 seine letzte Kredittranche zur&uuml;ckzahlen wird, wei&szlig; kein Mensch. Sicher ist nur, dass bis dahin kein Verantwortlicher mehr im Amt sein wird.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Zehn Jahre nach Lehman scheint das globale Finanzsystem stabiler, Banken und M&auml;rkte sind mit einem dichten Regulierungsnetz &uuml;berzogen, die Aufsicht ist zupackender, und die Banken verf&uuml;gen &uuml;ber etwas mehr Eigenkapital, um Schocks abfedern zu k&ouml;nnen. Ein Jammer jedoch ist, dass aus wichtigen Erkenntnissen nicht die richtigen Lehren gezogen wurden. Das zentrale marktwirtschaftliche Prinzip, wonach Chance und Risiko, also Entscheidung und Haftung, in eine Hand geh&ouml;ren, wird durch den Euro-Krisenfonds, das EZB-Zahlungssystem und die Vergemeinschaftung der Einlagensicherung immer weiter unterh&ouml;hlt. Auch die Lektionen, dass der Kauf von Staatsanleihen f&uuml;r eine Bank ein Risiko ist und Banken nicht zu gro&szlig; werden d&uuml;rfen, weil eine Gro&szlig;bank ohne Staatshilfe nicht abgewickelt werden kann, wurden leider nicht gelernt.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Das Vertrauen in demokratische Entscheidungsprozesse hat gelitten<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Nie wieder Lehman! Diese Lehre zogen geschockte Politiker. Doch die Methode, multiple Schuldenkrisen mit noch mehr Schulden zu bek&auml;mpfen, hat Konsequenzen. Der staatliche und private globale Schuldenberg ist sprunghaft gewachsen, auf unvorstellbare 169 Billionen Dollar. Die Autorit&auml;t der Eliten ist untergraben, weil der Finanz- und Euro-Krise schmerzhafte Sparma&szlig;nahmen folgten. Das Vertrauen in die Rationalit&auml;t demokratischer Entscheidungsprozesse litt auch darunter, dass der Souver&auml;n nicht gefragt wurde, ob mit Merkels &bdquo;Willkommenspolitik&ldquo; Millionen Migranten in die EU gelockt werden sollen. Dass man angeblich Grenzen nicht sch&uuml;tzen und der Staat nicht dar&uuml;ber entscheiden k&ouml;nne, wer ins Land kommt, zerst&ouml;rte bei vielen den Rest an Vertrauen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Aufgrund der Vertrauenserosion ist auch die Europa spaltende Fl&uuml;chtlingspolitik eine Nachwirkung von Lehman. Ein wachsender Teil der W&auml;hler macht das Kreuz bei Protestparteien, weshalb man inzwischen von einer Krise der liberalen Demokratien des Westens sprechen muss. Kommt vielleicht die n&auml;chste gro&szlig;e Krise gar nicht vom Finanzmarkt, sondern aus dem Herzen der Demokratie?<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/lehman-und-die-krise-des-westens-15788651.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/lehman-und-die-krise-des-westens-15788651.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gr\u00f6\u00dfte Finanz- und Weltwirtschaftskrise seit einhundert Jahren ist nicht ausgestanden. Denn auch sie ist eine Vertrauenskrise. 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