{"id":55501,"date":"2018-08-16T15:28:04","date_gmt":"2018-08-16T15:28:04","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=55501"},"modified":"2018-09-05T08:35:46","modified_gmt":"2018-09-05T08:35:46","slug":"gesunkene-lebenserwartung-warum-starben-so-viele-fruher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=55501","title":{"rendered":"Gesunkene Lebenserwartung: Warum starben so viele fr\u00fcher?"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Friedhof in Osnabr&uuml;ck: Vor drei Jahren starben viele &Auml;ltere vor allem an den Folgen der Grippe.<\/div>\n<p class=\"post_description\">Ein Warnsignal? Zum ersten Mal ist die Lebenserwartung in einem Jahr  in den reichen L&auml;ndern fast simultan eingebrochen. In Amerika sind es die Suchtopfer, aber das kann kaum die Ursache in Deutschland sein.<\/p>\n<style type=\"text\/css\">#tile4adlabel:after{content:\"\"} #tile4adlabel:before{content:\"anzeige\"}<\/style>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">D<\/span>as hat es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben: In vielen wohlhabenden L&auml;ndern, genauer: in europ&auml;ischen L&auml;ndern und in den Vereinigten Staaten, ist die <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"e5ab41f47d4cbf80b3b16ff01c12e3f1cd544347\" href=\"\/aktuell\/gesellschaft\/thema\/lebenserwartung\">Lebenserwartung<\/a> regelrecht eingeknickt. Lange zeigte die Kurve ungebrochen nach oben, die Menschen wurden immer &auml;lter und jedes Neugeborene hatte blendende, von unvorhersehbaren Epidemien ausgenommen nahezu ungetr&uuml;bte Aussicht, dass es uralt &ndash; heute sogar leicht hundert Jahre &ndash; werden kann. Mit Blick auf die Statistik konnte man in den reichen Staaten die Sektkorken knallen lassen. Pl&ouml;tzlich aber das: da tauchen neue Zahlen auf, die die Fachleute ins Zweifeln bringen. Domantas Jasilionis vom Max-Planck-Institut f&uuml;r demographische Forschung in Rostock spricht von einem &bdquo;Signal, das auf sehr grundlegende Probleme hinweist&ldquo; &ndash; vor allem in der medizinischen Versorgung wohlhabender L&auml;nder.  <\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Das Signal ist eine unerwartete Erh&ouml;hung der Sterblichkeit im Jahr 2015. Jessica Ho von der University of Southern California und Arun Hendi von der <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"8f5b9fb66c55d77618a342f8e14ed2c1cbae248f\" href=\"\/aktuell\/feuilleton\/thema\/princeton-university\">Princeton University<\/a> haben 18 westliche  L&auml;nder miteinander verglichen (siehe Grafiken unten). Anlass waren urspr&uuml;nglich besorgniserregende Berichte der Nationalen Statistikbeh&ouml;rde der Vereinigten Staaten, die zuletzt Ende 2017 mitteilte, dass das Land schon im zweiten Jahr in Folge keinen Zuwachs mehr bei der Lebenserwartung zu verzeichnen hatte. Zwischen 2014 und 2016 ging sie sogar um vier Monate zur&uuml;ck. Ein R&uuml;ckgang , der vor allem bei den Lebensaussichten vergleichsweise jungen M&auml;nnern zu verzeichnen war.<\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Und der Grund war auch bald gefunden: Der massenhafte Missbrauch von Schmerzmitteln und Drogen &ndash; die &bdquo;Opioid-Krise&ldquo; &ndash; und die daraus folgende Suchtwelle mit all ihren medizinischen Konsequenzen, inklusive erh&ouml;hte Selbstmordraten, hatte vor allem bei den Amerikanern mittleren Alters (jedweder Hautfarbe) um die Vierzig eine regelrechte Sterbewelle in Gang gesetzt. Zehntausende Tote in einem Jahr werden seit Beginn der oft ungehemmten, fahrl&auml;ssigen Verschreibung von Fentanyl und anderen hochwirksamen suchterzeugenden Schmerzmitteln registriert. Eine Forschergruppe um Steven Woolf von der Virginia Commonwealth University hat das dieses pharmakologische Drama systematisch analysiert und jetzt im renommierten <a href=\"https:\/\/www.bmj.com\/content\/362\/bmj.k3096\">&bdquo;British Medical Journal&ldquo;<\/a> aufgeschrieben. Kritisch ist das f&uuml;r die amerikanische Gesundheitsversorgung vor allem deshalb, weil man seit Jahren im Anstieg der Lebenserwartung hinterher hinkt.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">In derselben Ausgabe des Medizinjournals legen <a href=\"https:\/\/www.bmj.com\/content\/362\/bmj.k2562\">Ho und Hendi ihren L&auml;ndervergleich<\/a> vor. Die meisten L&auml;nder, genauer: 12 von 18 vorwiegend europ&auml;ischen Staaten, erlebten 2015 ebenfalls einen abrupten R&uuml;ckgang. Spekuliert wurde dar&uuml;ber schon l&auml;nger. Das Jahr 2015 war ein starkes Grippejahr, viele &auml;ltere Menschen &uuml;ber 65 Jahren starben viel zu fr&uuml;h, weil das Influenza-Virus  aggressiver war, und auch die Grippe-Impfungen damals oft nicht wie erhofft wirkten. Der Impfvirusstamm stimmte genetisch nur schlecht mit den Infektionserregern &uuml;berein, was dazu f&uuml;hrte, dass die Impfung insbesondere bei immunologisch geschw&auml;chten Menschen und medizinisch unterversorgten Menschen eher versagten. Tats&auml;chlich war die Sterblichkeit nicht wie in den Vereinigten Staaten bei j&uuml;ngeren, sondern bei &auml;lteren Menschen erh&ouml;ht. Doch konnte die Grippe allein der Grund sein, dass die Lebenserwartung statistisch gesehen im Schnitt um 0,21 Jahre bei Frauen und 0,18 Jahren bei M&auml;nnern zur&uuml;ckging, wo es davor &ndash; zwischen 2010 und 2016 beispielsweise &ndash; kontinuierlich und am Ende um 0,88 Jahren bei Frauen und 1,38 Jahren bei M&auml;nnern vorw&auml;rts ging? Konnte es in so unterschiedlichen L&auml;ndern auf der  &bdquo;Verliererseite&ldquo; wie Italien, Deutschland und Schweden nicht auch noch andere Gr&uuml;nde geben?<\/p>\n<div data-gdpr-embedding data-gdpr-id=\"11\" data-gdpr-embedding-no-placeholder><!----><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Wissenschaftler hakten in den Statistiken der L&auml;nder nach. Und sie wurden f&uuml;ndig: Die erh&ouml;hten Sterberaten kamen offenbar durch weitere, oft auch unterschiedliche Ursachen zustande. Zusammen genommen waren es an erster Stelle vor allem Erkrankungen der Atemwege (auch sie grippebedingt verst&auml;rkt) und  Herzkreislaufleiden, aber auch Demenzen wie Alzheimer und andere neurodegenerative Kranken. In Deutschland, das hinter Italien im vorderen Spitzenfeld der zw&ouml;lf &bdquo;Verlierernationen&ldquo; auftaucht, sollen daneben auch andere &bdquo;externe Gr&uuml;nde&ldquo; &ndash; unter anderem Schmerzmittel- bzw. Medikamentenmissbrauch &ndash; eine Rolle gespielt haben. In Zahlen: War die Lebenserwartung bei der Geburt im Jahr 2014 hierzulande bis auf 78,44 Jahre f&uuml;r M&auml;nner und 83,33 f&uuml;r Frauen geklettert, fiel sie 2015 auf 78,13 Jahre beziehungsweise 82,98 Jahre. <\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Das ist nicht sehr viel, k&ouml;nnte man einwenden, vor allem vor dem Hintergrund, dass ein Jahr sp&auml;ter &ndash; 2016 &ndash; schon wieder ein deutlicher Anstieg der Lebenserwartung registriert wurde. Die Experten freilich sehen das offenbar alles andere als entspannt. Ho und Hendi sehen den pl&ouml;tzlichen Einbruch als m&ouml;gliches erstes Indiz f&uuml;r die Probleme, die auch vermeintlich fortgeschrittene Gesundheitssysteme in einer &auml;lter werdenden Populationen verst&auml;rkt auftauchen k&ouml;nnen. &bdquo;Die gro&szlig;e Ungleichheit der Medizinversorgung in vielen L&auml;ndern&ldquo;, so Ho und Hendi, mache die Systeme anf&auml;lliger. Die sozial Schwachen, alle vom medizinischen Fortschritt Ausgegrenzten und die &ldquo;Verzweifelten&ldquo; seien besonders verletzlich in Krisenzeiten. Auch Max-Planck-Forscher Jasilionis warnt: &bdquo;Die Lebenserwartung ist eine Schl&uuml;sselcharakteristik der gesellschaftlichen Entwicklung und Einbu&szlig;en in derselben m&uuml;ssen ernst genommen werden. Die Geschichte hat gezeigt, dass das auch Warnsignale sein k&ouml;nnen f&uuml;r lange anhaltende Krisen in der Gesundheitsversorgung.&ldquo;   <\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin-ernaehrung\/der-grund-fuer-die-gesunkene-lebenserwartung-in-westlichen-laendern-15741064.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin-ernaehrung\/der-grund-fuer-die-gesunkene-lebenserwartung-in-westlichen-laendern-15741064.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Warnsignal? Zum ersten Mal ist die Lebenserwartung in einem Jahr  in den reichen L\u00e4ndern fast simultan eingebrochen. 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