{"id":55431,"date":"2018-08-02T08:39:38","date_gmt":"2018-08-02T08:39:38","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=55431"},"modified":"2018-09-05T08:34:29","modified_gmt":"2018-09-05T08:34:29","slug":"politik-und-populismus-verteidigung-der-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=55431","title":{"rendered":"Politik und Populismus: Verteidigung der Politik"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Als Idiot tituliert?: Donald Trump im Oval Office<\/div>\n<p class=\"post_description\">Den diskursiven, von Kompromissen gekennzeichneten Modus der Politik zu verteidigen hei&szlig;t nicht, ihm alles zuzutrauen. Mit Wertkonflikten tut er sich schwer, mit Identit&auml;tskonflikten noch schwerer. Ohne sich wirklich Rechenschaft dar&uuml;ber abgelegt zu haben, was es tat, hat sich Deutschland durch die Migrationspolitik betr&auml;chtliche Risiken aufgeladen. Sie geben dem Thema &bdquo;Verteidigung der Politik&ldquo; eine ganz neue Dimension.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">I<\/span>m Jahr 1962 ver&ouml;ffentlichte der englische Politikwissenschaftler Bernhard Crick, &bdquo;occasioned&ldquo;, wie er &ndash; Thomas Hobbes zitierend &ndash; im Vorwort mitteilt, &bdquo;by the disorders of the present time&ldquo;, einen brillanten Essay mit dem Titel &bdquo;In Defense of Politics&ldquo;. Welche Unordnungen Crick genau im Sinn hatte, ist nicht &uuml;berliefert. Ein gutes halbes Jahrhundert sp&auml;ter ist die Verteidigung der Politik wieder einmal dringlich geworden. Und diesmal ist offensichtlich, warum Politik verteidigt werden muss. Sie wird weithin verachtet.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Meinungsumfragen wie Wahlergebnisse zeigen, dass die Politikverachtung oder Politikerverachtung &ndash; da ist kein gro&szlig;er Unterschied &ndash; einen Grad erreicht hat, der sie f&uuml;r die Demokratie gef&auml;hrlich macht. Das, was wir <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"0c84c74b91631a7378d37093bdd5913853c2e0c0\" href=\"\/aktuell\/politik\/thema\/populismus\">Populismus<\/a> zu nennen uns angew&ouml;hnt haben, lebt zu einem guten Teil von der Politikverachtung. Und betreibt das Ver&auml;chtlich-Machen der Politik denn auch mit Eifer.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Aber was verteidigen wir eigentlich, wenn wir &bdquo;die Politik&ldquo; gegen ihre Ver&auml;chter verteidigen? Offenbar nicht das, was die Alltagssprache mit einem v&ouml;llig entgrenzten, alles herrschaftliche Handeln bis hin zum m&ouml;rderischen Treiben eines Hitler oder eines Assad einschlie&szlig;enden Begriff Politik nennt. Was Crick im Sinn hatte, als er zur &bdquo;Verteidigung der Politik&ldquo; die Feder ergriff, war ein besonderer, hochzivilisierter Umgang mit den &ouml;ffentlichen Angelegenheiten, der am einfachsten und treffendsten als Modus der Freiheit gekennzeichnet werden kann. Genau darum geht es auch heute.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Um diesen Modus genauer zu bestimmen, muss man scheinbar weit ausholen, aber eigentlich doch nur elementar Selbstverst&auml;ndliches in Erinnerung rufen. Bei <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"09b9a6acceecffc74096baa95c6d408d56daf0bb\" href=\"\/aktuell\/feuilleton\/thema\/aristoteles\">Aristoteles<\/a> findet sich, am Beginn des zweiten Buches seiner &bdquo;Politik&ldquo;, als erste und grundlegende Bestimmung des Wesens des Staates die &ndash; gegen Platon gerichtete &ndash; Aussage: &bdquo;Seiner Natur nach ist der Staat eine Vielheit.&ldquo; Der Satz kommt schlicht daher, aber er spricht etwas Elementares aus. F&uuml;r den Leser von heute w&auml;re die aristotelische Einsicht etwa so zu formulieren: Wo Menschen in gr&ouml;&szlig;eren Gemeinschaften zusammenleben, treffen unhintergehbar Weltsichten, Lebenslagen, &Uuml;berzeugungen sowie Interessen in gro&szlig;er Vielfalt und Verschiedenartigkeit aufeinander. In einem wohlgeordneten Gemeinwesen wird diese Vielfalt nicht unterdr&uuml;ckt, vielmehr verst&auml;ndigen sich die vielen Verschiedenen auf Regeln, nach denen sie als Verschiedene zusammenleben k&ouml;nnen. Etwas anders formuliert: Ein wohlgeordnetes Gemeinwesen steht vor der Aufgabe, die F&auml;higkeit zu gemeinsamem Handeln aus der Vielfalt heraus und in Bejahung der Vielfalt immer wieder neu zu entwickeln.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Politik ist der Prozess, in dem die vielen Verschiedenen, alle mit den gleichen Rechten auf Teilhabe ausgestattet, in Respekt voreinander zu allgemeinverbindlichen Entscheidungen in den alle betreffenden Angelegenheiten gelangen. So Bernhard Crick. So aber auch schon Aristoteles: Er unterscheidet die Kunst der Selbstregierung, wie sie von Freien und Gleichen ge&uuml;bt wird, als &bdquo;politische Regierungsweise&ldquo; von der &bdquo;despotischen&ldquo;, der herrschaftlichen Regierungsweise.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/die-gegenwart\/populismus-verteidigung-der-politik-15669095.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/die-gegenwart\/populismus-verteidigung-der-politik-15669095.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den diskursiven, von Kompromissen gekennzeichneten Modus der Politik zu verteidigen hei\u00dft nicht, ihm alles zuzutrauen. Mit Wertkonflikten tut er sich schwer, mit Identit\u00e4tskonflikten noch schwerer. Ohne sich wirklich Rechenschaft dar\u00fcber abgelegt zu haben, was es tat, hat sich Deutschland durch die Migrationspolitik betr\u00e4chtliche Risiken aufgeladen. 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