{"id":55037,"date":"2018-07-10T13:56:56","date_gmt":"2018-07-10T13:56:56","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=55037"},"modified":"2018-07-30T13:46:21","modified_gmt":"2018-07-30T13:46:21","slug":"verhandlung-vor-dem-eugh-die-bundesregierung-verteidigt-den-ezb-staatsanleihekauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=55037","title":{"rendered":"Verhandlung vor dem EuGH: Die Bundesregierung verteidigt den EZB-Staatsanleihekauf"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Hat ihren Sitz in Frankfurt: die Europ&auml;ische Zentralbank<\/div>\n<p class=\"post_description\">Der Europ&auml;ische Gerichtshof verhandelt, ob die EZB so viele Staatsanleihen kaufen darf, wie sie das tut. Kl&auml;ger aus Deutschland sagen:&#8230;&#8230;<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">D<\/span>ie Bundesregierung hat in der m&uuml;ndlichen Verhandlung am Europ&auml;ischen Gerichtshof die Staatsanleihek&auml;ufe der <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"336282934f8e902b1bd5c2564a1a9376f25c66fb\" href=\"\/aktuell\/finanzen\/thema\/ezb\">Europ&auml;ischen Zentralbank<\/a> (EZB) verteidigt. Der Beschluss und die Ausf&uuml;hrung des Programms seien &bdquo;derzeit noch mit den Vertr&auml;gen vereinbar&ldquo;, sagte der Verfassungsrechtler Ulrich H&auml;de an diesem Dienstag f&uuml;r die Bundesregierung. Die Zentralbanker seien ihrer Begr&uuml;ndungspflicht f&uuml;r die K&auml;ufe ausreichend nachgekommen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Das Bundesverfassungsgericht hatte zuvor &bdquo;gewichtige Gr&uuml;nde&ldquo; daf&uuml;r gesehen, dass die Staatsanleihek&auml;ufe gegen das Verbot der monet&auml;ren Staatsfinanzierung durch die Notenbank verstie&szlig;en und die EZB ihr Mandat &uuml;berschreite. Die Richter hatten deshalb die Richter in Luxemburg angerufen. Einer der Kl&auml;ger, der CSU-Politiker und Wirtschaftsanwalt Peter Gauweiler, warf der <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"6ce2210e9644b40d16fe355faf3787c9bd01d78c\" href=\"\/aktuell\/politik\/thema\/bundesregierung\">Bundesregierung<\/a> nun vor, sie sei dem eigenen Verfassungsgericht &bdquo;in den R&uuml;cken gefallen&ldquo;. Sie h&auml;tte darauf dringen m&uuml;ssen, dass EU-Organe ihre Kompetenzen nicht &uuml;berschritten. Der Juraprofessor Hans-Detlef Horn, Anwalt des Kl&auml;gers Bernd Lucke (ehemals AfD, jetzt LKR Die Eurokritiker), monierte, die EZB habe ihre Entscheidungen schlecht begr&uuml;ndet. Die Begr&uuml;ndungspflicht diene jedoch der gerichtlichen &Uuml;berpr&uuml;fung und der demokratischen Kontrolle.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Verfassungsbeschwerden hatten das Karlsruher Gericht schon im Jahr 2015 erreicht, zu Beginn des EZB-Kaufprogramms. Es klagen vier Gruppen: ein Kreis um Heinrich Weiss, ehemals Pr&auml;sident des Industrieverbands BDI, mehrere Europaabgeordnete um Lucke und Joachim Starbatty, <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"02701ac38d0f9251c0abbfc3afd0cfe71bf70f66\" href=\"\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/peter-gauweiler\">Gauweiler<\/a> und als viertes eine Gruppe um den Wirtschaftswissenschaftler Johann Heinrich von Stein.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">&bdquo;&Uuml;berschwemmungen sind ausgeblieben&ldquo;<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Karen Kaiser von der EZB-Rechtsabteilung betonte die Rechtm&auml;&szlig;igkeit und Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit der EZB-K&auml;ufe. Sie konterte die Vorw&uuml;rfe der Kl&auml;ger bildhaft: &bdquo;Die Geldpolitik unter den gegebenen Umst&auml;nden l&auml;sst sich mit der T&auml;tigkeit eines Schleusenw&auml;rters vergleichen, der durch das &Ouml;ffnen und Schlie&szlig;en der Wehre bestimmen kann, wie viel Wasser durch die Schleuse flie&szlig;t und so den Wasserstand in seinem Bereich kontrolliert&ldquo;, f&uuml;hrte sie aus. Die EZB stehe an der Schleuse f&uuml;r die Geldzufuhr im Euroraum. Seit Beginn der Finanzkrise 2008 habe die Zentralbank die Wehre ge&ouml;ffnet, &bdquo;um im Interesse aller entgegenzusteuern&ldquo;.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Ma&szlig;nahmen h&auml;tten gewirkt: Die Inflation n&auml;here sich dem Zielwert an, erkl&auml;rte Kaiser. Die Wirtschaft wachse und die Arbeitslosigkeit sinke. &bdquo;Die &Uuml;berschwemmungen, die mancher bef&uuml;rchtet hatte, sind hingegen ausgeblieben&ldquo;, betonte sie.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Bislang hat die EZB mit dem Programm schon f&uuml;r 2000 Milliarden Euro Staatsanleihen erworben. Aktuell kauft sie f&uuml;r monatlich rund 30 Milliarden Euro Wertpapiere, &uuml;berwiegend Staatstitel. Der EZB-Rat hat beschlossen, sofern die Inflationsentwicklung daf&uuml;r spricht, von Ende dieses Jahres an keine neuen Anleihen zu kaufen. F&uuml;r auslaufende Anleihen werden aber Ersatzk&auml;ufe get&auml;tigt.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Der Finanzwissenschaftler Friedrich Heinemann vom Zentrum f&uuml;r Europ&auml;ische Wirtschaftsforschung warf der EZB vor, ihr Anleihekaufprogramm werde immer deutlicher eine monet&auml;re Staatsfinanzierung. Das Kaufprogramm habe 2 Billionen Euro und damit 19 Prozent der gesamten Euro-Staatsverschuldung erreicht. Au&szlig;erdem weiche die EZB bei den K&auml;ufen vom beschlossenen Kapitalschl&uuml;ssel immer st&auml;rker ab. Die K&auml;ufe von Papieren aus Frankreich, Italien und Spanien und anderen L&auml;ndern &uuml;berstiegen deren EZB-Kapitalquoten um rund 4 bis 5 Prozent.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">In einigen Monaten wird ein Votum des EuGH-Generalanwalts erwartet. Diesem folgt der Gerichtshof meist, aber nicht immer. Im Anschluss entscheidet noch einmal das <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"98a77067226069e563290973588d91632f631b51\" href=\"\/aktuell\/politik\/thema\/bundesverfassungsgericht\">Bundesverfassungsgericht<\/a>.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/die-bundesregierung-verteidigt-den-ezb-staatsanleihekauf-15684205.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/die-bundesregierung-verteidigt-den-ezb-staatsanleihekauf-15684205.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Europ\u00e4ische Gerichtshof verhandelt, ob die EZB so viele Staatsanleihen kaufen darf, wie sie das tut. 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