{"id":54985,"date":"2018-07-25T13:37:10","date_gmt":"2018-07-25T13:37:10","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=54985"},"modified":"2018-07-26T09:02:35","modified_gmt":"2018-07-26T09:02:35","slug":"als-kunstliche-befruchtung-noch-teufelswerk-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=54985","title":{"rendered":"Als k\u00fcnstliche Befruchtung noch \u201eTeufelswerk\u201c war"},"content":{"rendered":"<p>Louise Brown unmittelbar nach ihrer Geburt am 25. Juli 1978. Foto: iStock<\/p>\n<p>Vor genau 40 Jahren kam Louise Brown in England als erstes \u201eRetortenbaby\u201c dank In-vitro-Fertilisation zur Welt. Damals war es eine Sensation \u2013 heute ist das Verfahren millionenfach Routine.<\/p>\n<p>Vor genau 40 Jahren kam Louise Brown in England als erstes \u201eRetortenbaby\u201c dank In-vitro-Fertilisation zur Welt. Damals war es eine Sensation \u2013 heute ist das Verfahren millionenfach Routine.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick sieht das kugelf\u00f6rmige Gef\u00e4\u00df in der Vitrine aus wie ein Bonbonglas. In Wahrheit ist es ein Exsikkator, in dem das wohl ber\u00fchmteste Embryo der Welt vor mehr als 40 Jahren nach seiner Zeugung aufbewahrt worden war. Louise Joy Brown, das erste \u201eRetortenbaby\u201c der Welt.<\/p>\n<p>Das bereits lange erwachsene Kind hei\u00dft mittlerweile Mrs. Mullinder, ist selbst Mutter von zwei auf nat\u00fcrlichem Weg gezeugten S\u00f6hnen und steht l\u00e4chelnd neben dem Ausstellungsst\u00fcck. \u201eMeine Eltern wollten einfach nur ein Baby haben. Und sie vertrauten ihren \u00c4rzten\u201c, erkl\u00e4rt sie den Anfang einer medizinischen Revolution.<\/p>\n<p>Mindestens 6,5 Millionen Kinder kamen seither dank In-vitro-Fertilisation zur Welt. Die Behandlung von Unfruchtbarkeit geh\u00f6rt heute zu den Routinedisziplinen der Medizin. Am 25. Juli 1978 aber war Louise\u2019 Geburt nicht nur eine weltweite Sensation, sondern f\u00fcr die Eltern und das Klinikpersonal ein nervenaufreibendes Experiment.<\/p>\n<p>\u201eDrei Wochen verbrachte meine Mutter f\u00fcr die Befruchtung in der Klinik. Ich kam schlie\u00dflich per geplantem Kaiserschnitt zur Welt und wurde ihr sofort f\u00fcr Untersuchungen weggenommen. Meine Mutter war v\u00f6llig aufgel\u00f6st, als sie mich endlich in den Arm nehmen durfte. Auch, weil meine H\u00e4nde ganz schwarz waren.\u201c<\/p>\n<p>Die \u00c4rzte hatten dem Neugeborenen Fingerabdr\u00fccke abgenommen. Bis heute wisse sie nicht, was der Zweck desselben war, gesteht Mullinder.<\/p>\n<p><em><strong>Was, wenn sie krank zur Welt gekommen w\u00e4re?\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die nun 40-J\u00e4hrige ist den medialen Rummel zu jedem Jahrestag gewohnt. Voller Elan spaziert sie durch die Sonderausstellung des Londoner Science Museum, die unter dem Titel \u201eIVF \u2013 6 Million Babies Later\u201c kurz und knapp dieses Kapitel der Reproduktionsmedizin erkl\u00e4rt. Nicht nur f\u00fcr Mullinders Eltern, die neun Jahre vergeblich auf eine Schwangerschaft gehofft hatten, war die Methode die letzte Chance. Auch ihre \u00c4rzte in Oldham bei Manchester hatten jahrelang erfolglos experimentiert.<\/p>\n<p>Patrick Steptoe und Robert Edwards hatten fast keine Forschungsgelder mehr, als Lesley Brown Ende 1977 schwanger wurde. Aber die erfolgreich erzielte Schwangerschaft war nur die erste gro\u00dfe H\u00fcrde. Was, wenn das au\u00dferhalb des Mutterleibs gezeugte Kind krank zur Welt k\u00e4me? Es h\u00e4tte das Aus f\u00fcr die Forschungsarbeit der beiden Mediziner bedeutet.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcnf Sekunden nach ihrer Geburt stie\u00df das Baby den lautesten Schrei aus, den man je von einem Neugeborenen geh\u00f6rt hatte. Patrick rief sofort: ,Genau das will ich h\u00f6ren, gut entwickelte Lungen!\u2018\u201c, erinnerte sich Edwards einmal, der 2010 f\u00fcr seine Verdienste den Medizin-Nobelpreis bekommen sollte.<\/p>\n<p>Nur Monate zuvor hatte er Lesley Brown in einem Brief mitgeteilt, \u201edass unsere Bluttests ergeben, dass Sie sich in der Fr\u00fchphase einer Schwangerschaft befinden\u201c, wie die Schreibmaschinenschrift in einem Ausstellungskasten verr\u00e4t. Ihr Mann sei bei der Nachricht ausgeflippt. \u201eJohn drehte v\u00f6llig durch. Wir k\u00fcssten und umarmten uns\u201c, erz\u00e4hlte die Mutter sp\u00e4ter, die noch eine zweite Tochter dank IVF bekommen sollte. Sie habe vom ersten Moment an nie Zweifel am Erfolg gehabt. \u201eSobald sie mir das befruchtete Ei eingesetzt hatten, habe ich mich schwanger gef\u00fchlt.\u201c John Brown verstarb 2006, seine Frau 2012.<\/p>\n<p><em><strong>\u201eIch wusste fr\u00fch, dass ich besonders bin\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Weil neben den Tausenden Gl\u00fcckw\u00fcnschen aus aller Welt auch b\u00f6sartige Kommentare \u00fcber ihr \u201eTeufelswerk\u201c kamen, gingen die Browns mit Baby Louise auf eine Art PR-Tour durch Radio- und Fernsehshows und machten ihre Geschichte und ihr Kind weltbekannt. Ein mutiger Schritt, um anderen Paaren die Angst und der \u00d6ffentlichkeit m\u00f6gliche Vorurteile zu nehmen.<\/p>\n<p>Als Louise vier Jahre alt war und zur Schule kommen sollte, zeigten ihr die Eltern erstmals Filmausschnitte ihrer Geburt. \u201eIch wusste deshalb fr\u00fch, dass ich irgendwie besonders bin. Aber ob ich mich besonders f\u00fchle? Nein, ich bin ja nur geboren worden\u201c, sagt sie lachend. Sie liebe es, andere IVF-Kinder zu treffen und das gl\u00fcckselige Lachen von deren Eltern zu erleben.<\/p>\n<p>\u201eIVF sollte jedem Paar offenstehen, das sich ein Kind w\u00fcnscht und es auf nat\u00fcrlichem Weg nicht bekommen kann. Es geht ja nicht nur um das Paar. Es geht um eine k\u00fcnftige Familie. Es geht um die Zukunft.\u201c<\/p>\n<p><em><strong>Die Quelle:<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article179900342\/Louise-Brown-das-erste-Retortenbaby-der-Welt-wird-40.html\">https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article179900342\/Louise-Brown-das-erste-Retortenbaby-der-Welt-wird-40.html<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Louise Brown unmittelbar nach ihrer Geburt am 25. Juli 1978. Foto: iStock Vor genau 40 Jahren kam Louise Brown in England als erstes \u201eRetortenbaby\u201c dank In-vitro-Fertilisation zur Welt. Damals war es eine Sensation \u2013 heute ist das Verfahren millionenfach Routine. Vor genau 40 Jahren kam Louise Brown in England als erstes \u201eRetortenbaby\u201c dank In-vitro-Fertilisation zur Welt. Damals war es eine Sensation \u2013 heute ist das Verfahren millionenfach Routine. Auf den ersten Blick sieht das kugelf\u00f6rmige Gef\u00e4\u00df in der Vitrine aus [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":54990,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[511,361,372,525,532,429],"tags":[6081,6132,6058,12232,12227,12228,12083,5406,12229,12230,12231],"class_list":["post-54985","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-familie","category-gesellschaft","category-gesundheit","category-medizin","category-mensch-gene","category-wissen","tag-ivf","tag-kinderwunsch","tag-kinderwunschbehandlung","tag-lesleybrown","tag-louise-brown","tag-louisebrown","tag-reagenzglas","tag-reproduktionsmedizin","tag-retortenbaby","tag-wunschbaby","tag-wunschkind"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/54985","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=54985"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/54985\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":54989,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/54985\/revisions\/54989"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/54990"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=54985"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=54985"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=54985"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}