{"id":52590,"date":"2018-01-22T11:41:12","date_gmt":"2018-01-22T11:41:12","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=52590"},"modified":"2018-01-26T11:58:48","modified_gmt":"2018-01-26T11:58:48","slug":"f-a-z-exklusiv-ezb-kauft-immer-mehr-anleihen-sudeuropaischer-staaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=52590","title":{"rendered":"F.A.Z. exklusiv: EZB kauft immer mehr Anleihen s\u00fcdeurop\u00e4ischer Staaten"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">EZB-Pr&auml;sident Mario Draghi in Frankfurt am Main<\/div>\n<p class=\"post_description\">Aus der Wissenschaft kommt scharfe Kritik am Anleihekaufprogramm der Europ&auml;ischen Zentralbank. Der F.A.Z. liegt eine Studie vor, nach der zu viele Anleihen aus Staaten mit hohen Schulden gekauft werden.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">D<\/span>ie K&auml;ufe von s&uuml;deurop&auml;ischen Staatsanleihen &uuml;berwiegen immer mehr, besonders von italienischen und spanischen Staatspapieren &ndash; dabei werde immer st&auml;rker vom vorgegebenen Kapitalschl&uuml;ssel der Europ&auml;ischen Zentralbank (EZB) abgewichen. Das zeigt eine Studie des Finanzwissenschaftlers Friedrich Heinemann vom Zentrum f&uuml;r Europ&auml;ische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und der Universit&auml;t Heidelberg, die der Frankfurter Allgemeine Zeitung vorliegt.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">&bdquo;Das Anleihekaufprogramm der EZB wirkt zunehmend asymmetrisch. Immer st&auml;rker kauft die EZB ausgerechnet die Anleihen der hoch verschuldeten Euro-Staaten&ldquo;, sagte Heinemann. &bdquo;Damit verfehlt die EZB von Monat zu Monat in wachsender Weise ihr eigenes Ziel, die K&auml;ufe nach dem EZB-Kapitalschl&uuml;ssel zu steuern.&ldquo;<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die quantitative Untersuchung des ZEW-&Ouml;konomen zeigt die wachsende Abweichung. Im Jahr 2015, als das Kaufprogramm &bdquo;Quantiative Lockerung&ldquo; (QE) begann, hatte die Orientierung an den Kapitalanteilen noch recht gut funktioniert. &bdquo;Inzwischen werden ankaufsf&auml;hige Anleihen aber immer knapper, so dass Europas Zentralbanken dort kaufen m&uuml;ssen, wo noch viel zu holen ist&ldquo;, erkl&auml;rt der Finanzprofessor.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Aus Schulden-Staaten werden zu viele Anleihen gekauft<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Viel zu holen sei bei den hoch verschuldeten Staaten wie Italien und Frankreich, &Ouml;sterreich, Belgien. &bdquo;F&uuml;r diese L&auml;nder lag das Kaufvolumen 2017 schon um die 10 Prozent &uuml;ber dem eigentlich nach Kapitalanteilen zul&auml;ssigen Niveau&ldquo;, kritisierte Heinemann. Auch f&uuml;r Spanien stellt er &uuml;berproportionale K&auml;ufe fest. Aus Deutschland wurden unterproportional viele Anleihen gekauft, aus den baltischen Staaten kaufen die Notenbanken fast gar nichts mehr.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Bis zum Stichtag 31. Dezember 2017 hat die Euro-Notenbanken mit ihrem sogenannten PSPP-Programm f&uuml;r 1931 Milliarden Euro Staatsanleihen oder Anleihen &ouml;ffentlicher Institutionen gekauft.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Heinemann zeigt die wachsende Konzentration der K&auml;ufe auf einige h&ouml;her verschuldete Staaten mit Zahlenbeispielen. &bdquo;Betrug der Anteil von Staatsanleihen aus Spanien, Frankreich, Italien, Belgien und &Ouml;sterreich an den K&auml;ufen des Jahres 2015 noch 59,0 Prozent (von der Summe der PSPP-K&auml;ufe ohne supranationale K&auml;ufe), so ist er 2017 um gut 4 Prozentpunkte auf 63,3 Prozent angestiegen. Dem stehen ein Anteil dieser L&auml;nder am EZB-Kapitalschl&uuml;ssel in H&ouml;he von 58,2 Prozent und ein Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone von 54,4 Prozent gegen&uuml;ber&ldquo;, hei&szlig;t es in der Studie.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">&bdquo;Wasser auf die M&uuml;hlen der Kl&auml;ger&ldquo;<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Der ZEW-&Ouml;konom h&auml;lt diese Entwicklung f&uuml;r kritisch in mehrfacher Hinsicht: &bdquo;Im Hinblick auf das laufende Verfahren vor dem Europ&auml;ischen Gerichtshof ist die Konzentration der K&auml;ufe auf die Hochschulden-Staaten Wasser auf die M&uuml;hlen der Kl&auml;ger&ldquo;, sagt er. &bdquo;Eine rein geldpolitisch motivierte Ma&szlig;nahme darf bei den Wertpapierk&auml;ufen kein Land privilegieren.&ldquo; Mit jedem weiteren Monat des Kaufprogramms versch&auml;rfe sich nun aber die sichtbare Privilegierung der Schulden-Staaten weiter. &bdquo;Damit wachsen auch die Zweifel an der Vereinbarkeit des Programms mit dem Verbot der monet&auml;ren Staatsfinanzierung&ldquo;, sagt Heinemann.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Das Bundesverfassungsgericht hatte im vergangenen Jahr mehrere Verfassungsbeschwerden an den EuGH zur Pr&uuml;fung &uuml;berwiesen. Die Karlsruher Richter sahen &bdquo;gewichtige Gr&uuml;nde&ldquo; daf&uuml;r, dass das EZB-Kaufprogramm das Verbot einer monet&auml;ren Staatsfinanzierung &ndash; also quasi &uuml;ber die Notenpresse &ndash; verletze.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Italien ist von den K&auml;ufen abh&auml;ngig geworden<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Heinemann betont die Bedeutung des Falls Italiens: &bdquo;F&uuml;r Italien deuten die Ergebnisse auf ein wirkliches Risikoszenario hin. Italien ist mit knapp 20 Prozent des BIP besonders stark durch die Anleihek&auml;ufe beg&uuml;nstigt und damit in seiner Finanzierung auch besonders davon abh&auml;ngig geworden.&ldquo; 2018 k&ouml;nnte f&uuml;r das Land einen &bdquo;Doppelschlag&ldquo; bringen, wenn die Wahl im M&auml;rz zu instabilen politischen Verh&auml;ltnissen f&uuml;hre und gleichzeitig die EZB ein Ende der Anleihek&auml;ufe einl&auml;ute, warnt Heinemann.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">&bdquo;Insgesamt wird die Zwickm&uuml;hle deutlich, in welche sich die EZB man&ouml;vriert hat: Die Abh&auml;ngigkeit einzelner L&auml;nder von den Anleihek&auml;ufen ist inzwischen sehr hoch. Dies spricht gegen einen raschen Ausstieg. Geht das Programm aber weiter, dann wird sich diese Abh&auml;ngigkeit noch weiter versch&auml;rfen.&ldquo;<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">An diesem Donnerstag trifft sich der EZB-Rat und ber&auml;t &uuml;ber den Fortgang der Geldpolitik. Vor drei Monaten hatte der EZB-Rat beschlossen, die Anleihek&auml;ufe 2018 mit einem monatlichen Volumen von 30 Milliarden Euro bis &bdquo;mindestens September 2018&ldquo; fortzuf&uuml;hren. Danach wird es wohl nur schrittweise auslaufen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Bundesbank-Pr&auml;sident Jens Weidmann war daf&uuml;r, ein klares Enddatum zu setzen. Doch konnte er sich mit seiner Position nicht durchsetzen. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/bundesbank-chef-jens-weidmann-im-gespraech-15401992.html\">Im Interview mit der F.A.Z.<\/a> hat Weidmann in der vergangenen Woche nochmals seine Skepsis gegen&uuml;ber dem Anleihekaufprogramm betont. Anleihek&auml;ufe seien nur als ein Notfallinstrument zul&auml;ssig, um eine Deflation abzuwenden. Davon k&ouml;nne derzeit keine Rede mehr sein.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/faz-exklusiv-ezb-kauft-mehr-anleihen-aus-suedeuropa-15409642.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/faz-exklusiv-ezb-kauft-mehr-anleihen-aus-suedeuropa-15409642.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Wissenschaft kommt scharfe Kritik am Anleihekaufprogramm der Europ\u00e4ischen Zentralbank. 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