{"id":52355,"date":"2018-01-04T16:29:56","date_gmt":"2018-01-04T16:29:56","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=52355"},"modified":"2018-01-12T14:21:49","modified_gmt":"2018-01-12T14:21:49","slug":"vereinigte-staaten-auf-einen-drink-in-new-yorks-kleinster-bar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=52355","title":{"rendered":"Vereinigte Staaten: Auf einen Drink in New Yorks kleinster Bar"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"image_description\">Der Barkeeper Nathan Austin steht im Hof des stillgelegten Restaurants im New Yorker Bezirk Brooklyn, in dem sich die zur Bar umfunktionierte Kammer befindet.<\/div>\n<p class=\"post_description\">Im &bdquo;Threesome Tollbooth&ldquo; in Brooklyn serviert ein Unternehmer auf engstem Raum erstklassige Cocktails. In einer umfunktionierten Kammer eines stillgelegten Restaurants befindet sich die Bar mit Platz f&uuml;r nur zwei G&auml;ste.<\/p>\n<p class=\"First atc-TextParagraph\" id=\"pageIndex_1\"><span class=\"atc-TextFirstLetter\">D<\/span>ie Einladung kommt per E-Mail. &bdquo;Sei heute Abend um punkt 21 Uhr mit deiner Begleitung an der schweren Metallt&uuml;r&ldquo;, hei&szlig;t es. Dazu hat der Barkeeper eine Adresse in Brooklyn samt seiner Handynummer geschickt und bittet um eine SMS bei Ankunft. Bis auf Graffiti markiert nichts diese T&uuml;r oder verr&auml;t, dass irgendwo dahinter die &bdquo;Threesome Tollbooth&ldquo; liegt &ndash; die wohl kleinste und exklusivste Bar in New York. Die SMS ist raus, die T&uuml;r &ouml;ffnet sich.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Nathan <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"4f56ccac7a134b3a88ff80844647ff3b3654b67c\" href=\"\/aktuell\/sport\/thema\/austin\">Austin<\/a>, den alle nur N.D. nennen, ist ein Meister besonderer Erlebnisse und Bars der anderen Art. Fast 20 sogenannte &bdquo;Speakeasies&ldquo; hat er weltweit schon betrieben, geheime oder versteckte Kneipen in Brasilien und Island, in Italien und Gro&szlig;britannien. Illegal waren sie alle. Eine Kneipe in Kairo habe er wie ein Caf&eacute; wirken lassen, Flaschen sah man nicht. &bdquo;Wenn die Bullen kamen, wollte man es einfach so aussehen lassen, als ob alle Tee trinken&ldquo;, sagt er.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Ebenso grenzwertig war der &bdquo;Night Heron&ldquo;, bei dem Austin und seine fr&uuml;here Partnerin Ida Benedetto einen leeren Wasserturm auf einem Dach in Manhattan sechs Wochen lang in eine Bar verwandelten. Erst durch dunkle G&auml;nge und Hintert&uuml;ren, &uuml;ber eine Feuertreppe und eine Ausziehleiter kamen G&auml;ste in den h&ouml;lzernen Speicher. Wer hier trank, machte sich strafbar &ndash; und wer f&uuml;r 80 Dollar (etwa 67 Euro) eine Taschenuhr kaufte, verschaffte damit zwei neuen G&auml;sten Zutritt. Austin und Benedetto konnten sich vor Anfragen bald kaum retten.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Bei all diesen Abenteuern verwundert es fast, dass Austin f&uuml;r die &bdquo;Tollbooth&ldquo; eine Schanklizenz eingeholt hat und so seine erste legale Bar betreibt. Ein bisschen konspirativ wirkt es trotzdem, wenn er durch die enge Abstellkammer eines stillgelegten Restaurants an den Ort f&uuml;hrt, von dem er seit Jahren tr&auml;umt: ein winzige Bar f&uuml;r nur zwei G&auml;ste, etwa so gro&szlig; wie eine Telefonzelle oder eine &bdquo;Tollbooth&ldquo; eben, das kleine H&auml;uschen an einer Mautstelle.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">&bdquo;Ich habe diese Bar so gemacht, wie ich mir eine Bar w&uuml;nschen w&uuml;rde&ldquo;, sagt Austin. In der holzvert&auml;felten Kammer, in der vorher nur ein &bdquo;Wassererhitzer und kleine Besen&ldquo; standen, nehmen die beiden G&auml;ste nebeneinander auf einer schmalen Bank Platz. &bdquo;Wenn du in einen Sitz im Flugzeug passt, passt du in die &bdquo;booth&ldquo;&ldquo;, sagt Austin. <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"c9c689fb561917bb5ad2d7cd99bebee2bc1490af\" href=\"\/aktuell\/feuilleton\/thema\/tom-waits\">Tom Waits<\/a> murmelt im Hintergrund, als Austin den ersten Drink einschenkt. Der einst&uuml;ndige Besuch kostet pro Person umgerechnet etwa 100 Euro, alle Getr&auml;nke sind inklusive. Fotos &ndash; und Handys generell &ndash; sind tabu.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Eine Karte gibt es nicht, stattdessen wird die Wahl des n&auml;chsten Drinks zum Dialog: lieber in die herzhafte Richtung, oder eher scharf? Etwas Kaffee-artiges, oder eher etwas mit Whiskey oder Gin? &bdquo;Es ist ein vorgefertigtes Men&uuml;, aber ich w&auml;hle den Weg hindurch.&ldquo; So r&uuml;hren und sch&uuml;tteln Austin und vertretungsweise sein Partner Jesse je nach Geschmack ganz verschiedene Kreationen an. Mal verbindet er rauchigen Mezcal mit Himbeeressig und Ingwerlik&ouml;r, mal serviert er Karottenschnaps mit Brandy, Basilikum- und Thymiansirup.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Sitzung mit Austin ist nicht nur deshalb einzigartig, weil er auf kleinstem Raum mit antikem Geschirr erstklassige Getr&auml;nke mixt. Er ist auch ein interessanter Gespr&auml;chspartner, was einen guten Barkeeper seiner Meinung nach von einem schlechten trennt: &bdquo;Jeder kann ein Rezept befolgen, jeder kann einen sehr soliden Drink machen. Die gr&ouml;&szlig;ere Herausforderung ist das menschliche Wesen.&ldquo; Auch auf Konflikte seiner G&auml;ste ist Austin daher vorbereitet: &bdquo;Stell dir vor, einer von euch ist total aufgeregt, hier zu sein, und der andere nicht? Oder vielleicht hattet ihr gerade einen Streit und hasst einander?&ldquo;<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">So verfliegt die Stunde mit dem Mann aus Alaska, der &bdquo;im Busch, in der Wildnis, auf einer Insel vor der K&uuml;ste&ldquo; aufgewachsen und entfernt verwandt sei mit dem Namensgeber der Gro&szlig;stadt Austin in Texas. Denkt man an seine anderen Projekte, bei denen er etwa eine Foto-Safari durch eine stillgelegte Zuckerfabrik organisierte oder Paare in einem verlassenen Hochzeits-Resort mit einer Blaskapelle &uuml;berraschte, folgt der n&auml;chste Streich inner- oder au&szlig;erhalb der Gastronomie bestimmt.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">&bdquo;Erlebnis-Designer&ldquo; nennt Austin sich selbst, besondere Erfahrungen versteht er als Auftragsarbeit. Die &bdquo;Tollbooth&ldquo; will er noch so lange betreiben, wie er daran w&auml;chst und lernt. Als er zum Ende des Besuchs durch die Abstellkammer nach drau&szlig;en gef&uuml;hrt hat und die T&uuml;r zu einer der faszinierendsten Kneipen der Millionenstadt schlie&szlig;t, bleibt ein Satz von ihm h&auml;ngen: &bdquo;Das hier mache ich nur zum Spa&szlig;.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/stil\/essen-trinken\/threesome-tollbooth-new-yorks-kleinste-bar-15373238.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/stil\/essen-trinken\/threesome-tollbooth-new-yorks-kleinste-bar-15373238.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im \u201eThreesome Tollbooth\u201c in Brooklyn serviert ein Unternehmer auf engstem Raum erstklassige Cocktails. 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