{"id":48863,"date":"2017-05-08T05:00:00","date_gmt":"2017-05-08T05:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=48863"},"modified":"2017-05-08T05:00:00","modified_gmt":"2017-05-08T05:00:00","slug":"die-wahren-totengraber-der-republik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=48863","title":{"rendered":"Die wahren Totengr\u00e4ber der Republik"},"content":{"rendered":"<div class=\"image_description\">Werbeautos des \u201eStahlhelms\u201c, eines Verbunds radikaler Weltkriegsveteranen, demonstrieren in den Stra\u00dfen Berlins 1929 f\u00fcr das Volksbegehren gegen den Young-Plan<\/div>\n<p>Die Weimarer Republik ging nicht wegen Br\u00fcnings Sparpolitik zugrunde. Ihre Schw\u00e4che war vielmehr eine Folge der Kumulation ungel\u00f6ster Probleme, die ab 1929 aus dem Ruder liefen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p id=\"pageIndex_1\">\u00dcber wenige Themen der j\u00fcngeren Geschichte ist so intensiv diskutiert worden wie \u00fcber den Untergang der Weimarer Republik. Galt dabei lange die These von der \u201eRepublik ohne Republikaner\u201c als ausschlaggebend, die in der Krise unter dem Ansturm rechts- und linksradikaler Kr\u00e4fte zusammengebrochen sei, so verschob sich der Fokus sp\u00e4ter auf die Weltwirtschaftskrise und deren Zuspitzung im Sommer 1931. Diese habe auch deshalb zum Untergang der Republik gef\u00fchrt, weil sp\u00e4testens jetzt gro\u00dfe Teile der b\u00fcrgerlichen Eliten von einer vom Parlament unabh\u00e4ngigen Regierung keine Besserung ihrer Situation mehr erwartet h\u00e4tten. Totengr\u00e4ber der Republik war hiernach vor allem Reichskanzler Heinrich Br\u00fcning, der mit seiner Austerit\u00e4tspolitik die Krise dramatisch versch\u00e4rft habe. H\u00e4tte Br\u00fcning eine andere Politik betrieben und die Gro\u00dfindustrie nicht aus egoistischen Gr\u00fcnden den Weimarer Sozialstaat zerst\u00f6rt, so die Annahme, h\u00e4tte das Experiment Weimar keineswegs in der Macht\u00fcbernahme Hitlers enden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das scheint in der Tat f\u00fcr viele bis heute festzustehen: Weimar ist nicht in einer zumindest kurzfristig unbeherrschbar gewordenen Problemlage untergegangen, sondern scheiterte am fehlenden Willen der verantwortlichen Eliten. Deren Fehlverhalten ist im Einzelnen nicht zu bestreiten. Aber waren es nicht gerade die ungel\u00f6sten Probleme der Nachkriegszeit und des Weimarer Sozialstaates, die in der Weltwirtschaftskrise die Politik \u00fcberforderten \u2013 Probleme, f\u00fcr die die Regierung Br\u00fcning wenig konnte, weil sie sie ja von ihren Vorg\u00e4ngerregierungen geerbt hatte?<\/p>\n<p>Offensichtlich gab es eine Kumulation von Problemen, die das politische System der Weimarer Republik l\u00e4ngst vor der Weltwirtschaftskrise schwer belasteten. Die Weltwirtschaftskrise spitzte diese Lage schlie\u00dflich dramatisch zu. Deshalb musste es nicht zwangsl\u00e4ufig zu einer Regierung Hitler kommen. Aber wenn Weimar heute als Menetekel demokratischer Politik gesehen wird, dann wohl eher wegen der schlie\u00dflich kaum mehr beherrschbaren Anh\u00e4ufung von Problemen. Und diese begann nicht erst 1929.<\/p>\n<p>Im Kern der Weimarer Problemkonstellation standen wirtschaftliche und soziale Schwierigkeiten ganz unterschiedlicher Art, vor allem als Folge des Gro\u00dfen Krieges. Dass sich die erste deutsche Republik als Sozialstaat verstand, hatte gleicherma\u00dfen mit der Versorgung der Kriegsopfer wie mit dem Selbstverst\u00e4ndnis einer modernen Demokratie zu tun: die materiellen Interessen vor allem der \u00e4rmeren B\u00fcrger konnten nicht l\u00e4nger ignoriert oder bestenfalls wohlwollend-patriarchalisch behandelt werden. Konkret hie\u00df das: Eine verarmte Republik hatte einen sehr viel aufwendigeren Staat zu finanzieren. Der Staatsanteil an der wirtschaftlichen Gesamtleistung, der vor 1914 bei etwa 15 Prozent gelegen hatte, musste deutlich steigen.<\/p>\n<p>Die Erzbergersche Steuerreform, mit der 1919\/20 ein modernes Steuersystem geschaffen wurde, war vor allem eine massive Steuererh\u00f6hung. Das fiel anfangs nicht sonderlich auf. Denn Reichsregierung und Reichsbank setzten zur Stabilisierung der Republik zun\u00e4chst weiter auf die Notenpresse. Das gelang, doch lief die Inflation sp\u00e4testens mit der Zuspitzung des Reparationskonflikts 1921 aus dem Ruder. Nach der Ruhrbesetzung 1923 kam es zur Hyperinflation. Als die W\u00e4hrung im Herbst 1923 saniert wurde, waren die vorhandenen Bargeldbest\u00e4nde und entsprechenden Papiere schlie\u00dflich wertlos. Die Inflation war nichts anderes als eine Enteignung der Bev\u00f6lkerung, der die Kriegslasten aufgeb\u00fcrdet wurden- f\u00fcr die Akzeptanz der Republik in breiten Kreisen des ehedem wohlhabenden B\u00fcrgertums war das ein schwerer Schlag.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/die-gegenwart\/weimarer-verhaeltnisse-2-die-wahren-totengraeber-der-republik-15001381.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/die-gegenwart\/weimarer-verhaeltnisse-2-die-wahren-totengraeber-der-republik-15001381.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werbeautos des \u201eStahlhelms\u201c, eines Verbunds radikaler Weltkriegsveteranen, demonstrieren in den Stra\u00dfen Berlins 1929 f\u00fcr das Volksbegehren gegen den Young-Plan Die Weimarer Republik ging nicht wegen Br\u00fcnings Sparpolitik zugrunde. 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