{"id":48676,"date":"2017-04-20T18:38:29","date_gmt":"2017-04-20T18:38:29","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=48676"},"modified":"2017-04-20T18:38:29","modified_gmt":"2017-04-20T18:38:29","slug":"warum-kleine-staaten-einfach-besser-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=48676","title":{"rendered":"Warum kleine Staaten einfach besser sind"},"content":{"rendered":"<div class=\"image_description\">In der Hanse haben kleine Staaten \u00fcber Jahrhunderte erfolgreich zusammengearbeitet &#8211; die Altstadt von L\u00fcbeck mit dem Holstentor im Vordergrund.<\/div>\n<p>Mehr Zentralisierung und noch mehr Vergemeinschaftung in der EU sind nicht die L\u00f6sung, sondern Teil des Problems. Sind eigenst\u00e4ndige kleine Staaten \u00f6konomisch vorteilhafter? Ein Gastbeitrag.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Jean-Claude Juncker behauptete vor kurzem, Europa ginge mit \u201emilit\u00e4rischer Kleinstaaterei\u201c unter. Die Europ\u00e4ische Union steht nach dem Brexit-Entscheid am Scheideweg. Soll es mehr Zentralisierung geben, oder liegt die Zukunft im Wettbewerb kleiner Staaten? Der Harvard-\u00d6konom Alberto Alesina argumentiert in seiner Theorie \u00fcber die optimale Staatengr\u00f6\u00dfe, dass ein gro\u00dfer Staat sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringe. Er nennt f\u00fcnf Hauptvorteile von Gr\u00f6\u00dfe. Erstens s\u00e4nken mit der Anzahl der Steuerzahler auch die Kosten pro Kopf vieler \u00f6ffentlicher G\u00fcter.<\/p>\n<p>Zweitens verf\u00fcgten gr\u00f6\u00dfere Staaten \u00fcber gr\u00f6\u00dfere M\u00e4rkte, wodurch Produktivit\u00e4tsvorteile entst\u00fcnden. Drittens k\u00f6nnten gr\u00f6\u00dfere Staaten ihre B\u00fcrger besser sch\u00fctzen. Viertens w\u00fcrden gro\u00dfe L\u00e4nder ihren Regionen eine \u201eVersicherung\u201c bieten. K\u00e4me es in Katalonien zu einer Naturkatastrophe, so w\u00fcrde es vom \u00fcbrigen Spanien mehr Hilfen bekommen, als es als unabh\u00e4ngiger Staat aufbringen k\u00f6nnte. F\u00fcnftens k\u00f6nnten externe Effekte in gro\u00dfen Staaten besser internalisiert werden.<\/p>\n<h2>Die Hanse als Vorbild<\/h2>\n<p>Aber gr\u00f6\u00dfer ist nach Alesina nicht automatisch besser. Schlie\u00dflich stiegen die Kosten f\u00fcr Verwaltung und \u00dcberf\u00fcllung mit der Staatsgr\u00f6\u00dfe. Noch wichtiger sei eine wachsende Unzufriedenheit mit der Politik. Je kleiner die Staaten, desto homogener sind tendenziell die Pr\u00e4ferenzen der Bev\u00f6lkerung. Ein Kleinstaat kann den Pr\u00e4ferenzen besser gerecht werden, womit es weniger Konfliktpotential in der Bev\u00f6lkerung gibt im Vergleich zu heterogeneren Gro\u00dfstaaten. Nach Alesina ist die Frage der optimalen Staatsgr\u00f6\u00dfe daher eine Abw\u00e4gung. Eine weitere Zentralisierung in der EU w\u00e4re nicht automatisch besser. Zun\u00e4chst m\u00fcsste festgestellt werden, ob die Vorteile die Nachteile \u00fcberw\u00f6gen.<\/p>\n<p>Obwohl Alesina zuzustimmen ist, dass gro\u00df nicht automatisch besser ist, muss man seiner Argumentation noch einiges hinzuf\u00fcgen. Die angef\u00fchrten Vorteile von Gro\u00dfstaaten \u00fcberzeugen uns nicht, und viele Nachteile von Gro\u00dfstaaten werden unterschlagen. \u00d6ffentliche G\u00fcter k\u00f6nnen nicht nur innerhalb eines Staates, sondern auch in einer Kooperation unabh\u00e4ngiger Staaten bereitgestellt werden. Nichts hindert ein unabh\u00e4ngiges Friesland und die Niederlande daran, eine durchg\u00e4ngige Deichlinie zum Schutz der K\u00fcste zu bauen. Auch Verteidigungsb\u00fcndnisse sind m\u00f6glich, wie die Hanse \u00fcber Jahrhunderte erfolgreich vormachte. Es spricht einiges daf\u00fcr, dass die kooperative Bereitstellung von \u00f6ffentlichen G\u00fctern der optimalen Menge dieser G\u00fcter n\u00e4her kommt als die monopolistische Bereitstellung im Gro\u00dfstaat.<\/p>\n<h2>Zwei Argumente entkr\u00e4ftet<\/h2>\n<p>Zudem ist die Gr\u00f6\u00dfe eines Marktes nicht an Staatsgrenzen gebunden. Freihandel vergr\u00f6\u00dfert den Markt und erm\u00f6glicht Produktivit\u00e4tsgewinne. Nun sind aber gerade Kleinstaaten dem Freihandel gewogener als Gro\u00dfstaaten. Es ist viel wahrscheinlicher, dass sich die Vereinigten Staaten abschotten und eine Mauer zum Nachbarstaat bauen, als dass Liechtenstein dies t\u00e4te. Die Kosten der Autarkie sind f\u00fcr Liechtenstein viel gr\u00f6\u00dfer. W\u00e4hrend die Vereinigten Staaten viele G\u00fcter im eigenen Land herstellen k\u00f6nnen, ist Freihandel f\u00fcr Kleinstaaten \u00fcberlebenswichtig. Sie sind auf ungehinderte Importe angewiesen, daher sind sie friedlicher. Sie k\u00f6nnen sich keinen Krieg leisten. Gro\u00dfstaaten k\u00f6nnen es eher wagen, aggressiv zu sein und Weltpolitik zu betreiben. Sie verf\u00fcgen \u00fcber die notwendigen Ressourcen und k\u00f6nnen kriegsbedingte Handelsst\u00f6rungen \u00fcberstehen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/welche-vorteile-bieten-kleine-staatsgebiete-14975422.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/welche-vorteile-bieten-kleine-staatsgebiete-14975422.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Hanse haben kleine Staaten \u00fcber Jahrhunderte erfolgreich zusammengearbeitet &#8211; die Altstadt von L\u00fcbeck mit dem Holstentor im Vordergrund. Mehr Zentralisierung und noch mehr Vergemeinschaftung in der EU sind nicht die L\u00f6sung, sondern Teil des Problems. Sind eigenst\u00e4ndige kleine Staaten \u00f6konomisch vorteilhafter? 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