{"id":47650,"date":"2017-03-14T12:16:23","date_gmt":"2017-03-14T12:16:23","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=47650"},"modified":"2017-03-14T12:16:23","modified_gmt":"2017-03-14T12:16:23","slug":"warnung-sie-werden-nicht-gewarnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=47650","title":{"rendered":"Warnung: Sie werden nicht gewarnt"},"content":{"rendered":"<div class=\"image_description\">Nina muss noch viel lernen, Katwarn bleibt oft stumm und Amber Alert alarmiert in Amerika<\/div>\n<p>Warn-Apps sollen die Bev\u00f6lkerung vor Katastrophen und Gefahren warnen. Das h\u00f6rt sich gut an, ist aber nur gut gemeint.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es gab 100.000 Sirenen in Deutschland, zweimal j\u00e4hrlich wurden sie mit einem Probealarm getestet. Er fand stets an einem Mittwoch im M\u00e4rz und September gegen 10 Uhr statt. W\u00e4hrend dieses Probealarms wurde zuerst ein einmin\u00fctiger Dauerton ausgestrahlt und dann Luftalarm, bestehend aus zwei Sirenen-Heulperioden von einer Gesamtdauer von acht Sekunden. Wer sich an die Sirenen und diese Alarmt\u00f6ne erinnert, ist etwas \u00e4lter. Denn das nach dem <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/zweiter-weltkrieg\">Zweiten Weltkrieg<\/a> fl\u00e4chendeckend ausgebaute Alarmierungssystem mit Sirenen wurde nach dem Ende des Kalten Kriegs in den neunziger Jahren wieder ausged\u00fcnnt. Die Warn\u00e4mter des Zivilschutzes wurden Geschichte. Die St\u00e4dte \u00fcbernahmen die Sirenen vom Bund und mussten fortan deren Unterhalt finanzieren. In vielen Gemeinden dienen sie noch der Feuerwehr-Alarmierung, aber es existiert kein fl\u00e4chendeckendes System der Alarmierung der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Warnung bei Ungl\u00fccksf\u00e4llen und Katastrophen sind die Bundesl\u00e4nder zust\u00e4ndig. Heute gibt es noch rund 15 000 Sirenen und ein Bev\u00f6lkerungswarnsignal, ein einmin\u00fctiger Heulton. Warnsignale und Probealarme sind jedoch nicht bundesweit einheitlich geregelt. Im Fall eines Krieges w\u00e4re der Bund zust\u00e4ndig f\u00fcr die Erfassung der Gefahren, und die L\u00e4nder m\u00fcssten im Auftrag des Bundes mit den vorhandenen Warnmitteln die Bev\u00f6lkerung informieren.<\/p>\n<h2>Das Ganze glitt in den Bereich des Skurrilen ab<\/h2>\n<p>Seit 1997 nutzen Bund und L\u00e4nder Rundfunk und Fernsehen zur Ausstrahlung amtlicher Gefahrendurchsagen. Zur Jahrtausendwende wurde ein satellitengest\u00fctztes Warnsystem (Satwas) mit der Idee aufgebaut, dass der Bund die Rundfunkanstalten in k\u00fcrzester Zeit mit Warndurchsagen versorgen k\u00f6nne. 2011 wurde daraus ein modulares Warnsystem namens Mowas. Das Ganze glitt in den Bereich des Skurrilen ab. Nicht nur, dass man damals schon lange tote Pagerdienste in die Warnkette einbeziehen wollte, man dachte auch ernsthaft dar\u00fcber nach, als Signalgeber die Hupen von Autos aus der Ferne auszul\u00f6sen, um einen Weckeffekt in der Bev\u00f6lkerung hervorzurufen. Andere Ideen bestanden darin, Funkwecker und Telefone f\u00fcr Gefahrenmeldungen zu nutzen.<\/p>\n<p>Heute fokussiert sich das Interesse auf den Mobilfunk. Warn-Apps sind in Mode, nicht nur f\u00fcr Unwetter, sondern auch f\u00fcr allgemeine Gefahrenlagen. Wer gewarnt werden will, ben\u00f6tigt also ein Smartphone mitsamt funktionierender Internetverbindung, muss selbst aktiv werden und die Software laden. Der Vorteil einer Smartphone-App besteht darin, dass dank Ortung der Ger\u00e4te gezielt rund um den eigenen Standort informiert und gewarnt werden kann.<\/p>\n<h2>Man wolle die Warnungen selbst in der Hand haben<\/h2>\n<p>Zwei Apps sind popul\u00e4r: Nina wird vom Bundesamt f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe betrieben, eine zweite namens Katwarn wird von einem Unternehmen namens Combirisk und dem Fraunhofer-Institut Fokus entwickelt. Combirisk ist ein Gemeinschaftsunternehmen von zwei Versicherern. Gemeinsam ist beiden Apps, dass sie umstritten sind. Katwarn wurde von den St\u00e4dten Frankfurt und Wiesbaden getestet, beide entschieden sich gegen die App. Man wolle die Warnungen selbst in der Hand haben, hie\u00df es einerseits und andererseits: Die Verbindung von Sirenen-Netz, Radio und Internetdiensten wie <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/twitter\">Twitter<\/a> und Facebook sei ausreichend.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Amoklaufs in M\u00fcnchen vom Juli 2016 funktionierte Katwarn wegen \u00fcberlasteter Server nur begrenzt \u2013 und viel zu sp\u00e4t. Um 17.50 Uhr wurde der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/polizei\">Polizei<\/a> eine Schie\u00dferei im Olympia-Einkaufszentrum gemeldet. Um 18.16 Uhr gab es die erste Warnung im Bayerischen Rundfunk. Um 19.08 Uhr riet die Polizei auf Twitter, die Umgebung um das Einkaufszentrum zu meiden. Und erst um 20.03 Uhr versuchte sich Katwarn an einer ersten Push-Meldung auf dem Smartphone. W\u00e4hrend des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 blieb Katwarn sogar stumm: Es gab nicht eine einzige Warnung. Der Berliner Polizeipr\u00e4sident sagte w\u00e4hrend einer Pressekonferenz, man brauche Katwarn nicht, die vorhandenen Wege der Kommunikation gen\u00fcgten. Katwarn muss von den Beh\u00f6rden bezahlt werden.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/computer-internet\/apps-katwarn-und-nina-warnung-sie-werden-nicht-gewarnt-14920409.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/computer-internet\/apps-katwarn-und-nina-warnung-sie-werden-nicht-gewarnt-14920409.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nina muss noch viel lernen, Katwarn bleibt oft stumm und Amber Alert alarmiert in Amerika Warn-Apps sollen die Bev\u00f6lkerung vor Katastrophen und Gefahren warnen. 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