{"id":46886,"date":"2017-02-22T14:29:16","date_gmt":"2017-02-22T14:29:16","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=46886"},"modified":"2017-02-22T14:29:16","modified_gmt":"2017-02-22T14:29:16","slug":"abb-manager-verschwindet-mit-100-millionen-dollar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=46886","title":{"rendered":"ABB-Manager verschwindet mit 100 Millionen Dollar"},"content":{"rendered":"<div class=\"image_description\">Muss sich gerade unangenehme Fragen gefallen lassen: ABB-Chef Ulrich Spiesshofer<\/div>\n<p>Die Geschichte klingt wie ein Krimi: Ein Manager des Schweizer Industriekonzerns ABB veruntreut in S\u00fcdkorea 100 Millionen Dollar. Jetzt ist er abgetaucht und Interpol ermittelt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es liest sich wie das Drehbuch f\u00fcr eine Vorabend-Krimiserie auf RTL2: Ein unscheinbarer Finanzangestellter in einer Industriefirma werkelt jahrelang brav vor sich hin. Doch hinter der Maske des unbescholtenen Familienvaters verbirgt sich kriminelle Energie. Geschickt umgeht er alle Kontrollen und zweigt Millionenbetr\u00e4ge aus dem Betrieb auf eigene Konten ab. Die Vorgesetzten merken nichts &#8211; bis zu dem Tag, an dem der Mann spurlos verschwindet. Die Suche beginnt. Und schon bald schwant den Ermittlern: Sie haben es mit einem ausgebufften Betr\u00fcger zu tun. Der Schaden ist gewaltig. Dieser Plot ist vermutlich zu simpel, um es jemals auf den Bildschirm zu schaffen. Aber f\u00fcr den Schweizer Industriekonzern ABB ist er so \u00e4hnlich gerade zur Realit\u00e4t geworden.<\/p>\n<p>\u201eABB hat in ihrer s\u00fcdkoreanischen Niederlassung kriminelle Handlungen in Verbindung mit Unterschlagung und Veruntreuung von Geldern erheblichen Ausma\u00dfes aufgedeckt\u201c, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Konkret geht es um Oh Myung-se, den bisherigen Schatzmeister der ABB-Tochtergesellschaft in Seoul. In seiner Funktion als Kassenwart, der als sogenannter Vice-President im Rang nur eine Stufe unterhalb des lokalen Finanzchefs angesiedelt ist, soll er auf betr\u00fcgerische Art rund 100 Millionen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/dollar\">Dollar<\/a> veruntreut haben.<\/p>\n<p>Oh Myung-se steht im Verdacht, systematisch Unterlagen und Bankdokumente gef\u00e4lscht und dabei auch mit Dritten zusammengearbeitet zu haben. Dem Vernehmen nach ging es dabei offenbar \u201enur\u201c um pers\u00f6nliche Bereicherung. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass Gelder abgezweigt wurden, um Politiker oder Auftraggeber zu bestechen und zu schmieren.<\/p>\n<h2>Massenweise Bankbelege und Bankausz\u00fcge fingiert?<\/h2>\n<p>ABB hat die \u00f6rtliche Polizei sowie Interpol eingeschaltet. Der Konzern \u00e4u\u00dfert sich nicht zu den Details des Betrugs. Aber nach den Informationen aus der Pressemitteilung und aus verschiedenen Quellen in Seoul l\u00e4sst sich folgender Hergang erkennen: Der Schatzmeister, ein S\u00fcdkoreaner, der schon seit 20 Jahren in Diensten von ABB steht, hat zun\u00e4chst im Kleinen angefangen, Geld beiseite zu schaffen. Als er damit nicht auffiel, wurden die Betr\u00e4ge langsam gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Offenbar hat Oh Myung-se massenweise Bankbelege und Bankausz\u00fcge fingiert. Dabei ging er nicht nur \u00fcberaus akribisch vor. F\u00fcr einen Betrug dieses Ausma\u00dfes muss er Verb\u00fcndete gehabt haben. Vermutlich sa\u00dfen externe Bankmitarbeiter mit im Boot. Ob es auch intern Komplizen gegeben hat, ist noch unklar und Gegenstand der Ermittlungen. Aufgeflogen ist der Schatzmeister offenbar nicht, weil interne Kontrollen gegriffen h\u00e4tten. Seine Vorgesetzten sch\u00f6pften erst Verdacht, als ihr Kassenwart pl\u00f6tzlich nicht mehr zur Arbeit erschien. Das war am 7. Februar.<\/p>\n<p>Als er auch am n\u00e4chsten Tag unentschuldigt fehlte und telefonisch nicht erreichbar war, l\u00e4uteten die Alarmglocken. Oh Myung-se ist abgetaucht, hat seine Ehefrau mit den zwei Kindern sitzen lassen. Vermutlich ahnte er, dass die Sache bald auffliegen w\u00fcrde. Vielleicht gab es eine ihn belastende Forderung einer Bank, von der der Schatzmeister wusste, dass er sie nicht verschleiern w\u00fcrde k\u00f6nnen. Die Ermittler haben seine Spur aufgenommen &#8211; bisher allerdings ohne Erfolg.<\/p>\n<h2>Ver\u00f6ffentlichung des Gesch\u00e4ftsberichts muss verschoben werden<\/h2>\n<p>ABB selbst hat eine ganze Heerschar von Spezialisten eingesetzt, um den illegalen Strom der veruntreuten Gelder nachvollziehen zu k\u00f6nnen &#8211; nat\u00fcrlich auch in der Hoffnung, wenigstens einen Teil davon wieder zur\u00fcckzuholen. Zugleich pr\u00fcft das Unternehmen, ob Dritte f\u00fcr den Schaden in Anspruch genommen werden k\u00f6nnen. Dazu d\u00fcrften wohl auch die Wirtschaftspr\u00fcfer z\u00e4hlen. Einstweilen wird der Vorfall allerdings die Ertragsrechnung sp\u00fcrbar belasten. Wegen der laufenden Untersuchung verschiebt der Konzern die Ver\u00f6ffentlichung des Gesch\u00e4ftsberichts auf den 16. M\u00e4rz. Bisher hatte der Vorstand nur untestierte Zahlen vorgelegt.<\/p>\n<p>Demnach betrug der Gewinn im vergangenen Jahr 1,96 Milliarden Dollar. Nun werden es wohl rund 100 Millionen Dollar weniger sein. Nach Aussage von ABB handelt es sich um einen Einzelfall: Man habe sofort die Bankkontost\u00e4nde in aller Welt \u00fcberpr\u00fcft und festgestellt, dass der Missstand ausschlie\u00dflich S\u00fcdkorea betreffe. ABB verfolge eine Nulltoleranzstrategie in Bezug auf unethisches Verhalten. Trotzdem oder gerade deshalb stellt sich nun auch die Frage nach personellen Konsequenzen.<\/p>\n<p>Diese richtet sich nicht nur an das ABB-Management in S\u00fcdkorea, sondern auch an jenes im Hauptquartier in Z\u00fcrich. F\u00fcr das Controlling im Konzern ist naturgem\u00e4\u00df der Finanzvorstand Eric Elzvik zust\u00e4ndig. Nach dessen R\u00fccktritt muss allerdings niemand mehr rufen: Wie bereits im Oktober angek\u00fcndigt, wird Elzvik den Konzern in K\u00fcrze verlassen. Seinen Posten \u00fcbernimmt Anfang April der bisherige Nokia-Finanzchef Timo Ihamuotila. ABB kommt in S\u00fcdkorea auf einen Umsatz von weniger als 1 Milliarde Dollar. Auch in dieser Relation ist der veruntreute Betrag von 100 Millionen Dollar stattlich, selbst wenn er sich \u00fcber viele Jahre aufsummiert hat. In Seoul besch\u00e4ftigt der Konzern rund 800 Mitarbeiter.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/betrugsfall-in-suedkorea-abb-manager-verschwindet-mit-100-millionen-dollar-14890369.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/betrugsfall-in-suedkorea-abb-manager-verschwindet-mit-100-millionen-dollar-14890369.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Muss sich gerade unangenehme Fragen gefallen lassen: ABB-Chef Ulrich Spiesshofer Die Geschichte klingt wie ein Krimi: Ein Manager des Schweizer Industriekonzerns ABB veruntreut in S\u00fcdkorea 100 Millionen Dollar. 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