{"id":46575,"date":"2017-02-14T16:59:10","date_gmt":"2017-02-14T16:59:10","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=46575"},"modified":"2017-02-14T16:59:10","modified_gmt":"2017-02-14T16:59:10","slug":"des-lowen-magere-beute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=46575","title":{"rendered":"Des L\u00f6wen magere Beute"},"content":{"rendered":"<div class=\"image_description\">Opel-Angestellte arbeiten in Eisenach an einem, \u201eAdam\u201c.<\/div>\n<p>Opel kommt Peugeot gerade recht. Doch vieles spricht daf\u00fcr, dass der Verkauf auf weniger Fabriken, weniger H\u00e4ndler, weniger Zulieferer, weniger Eigenst\u00e4ndigkeit hinausl\u00e4uft. Der Versuch der gemeinsamen Genesung wird schmerzhaft.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist eine kleine Runde, die sich an diesem Wintertag zu sp\u00e4ter Stunde im Fahrerlager versammelt. In dem einen Zelt schrauben die Mechaniker von Citro\u00ebn an ihren Rennautos, die im Morgengrauen die Rallye Monte-Carlo gewinnen sollen. Im anderen steht Carlos Tavares, Rennsportfan, Jeans, dicke Jacke, es ist nicht nur drau\u00dfen kalt. Der Automobilindustrie weht eisiger Wind entgegen, und der ehrgeizige Vorstandsvorsitzende von <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/psa-konzern\">PSA<\/a> Peugeot-Citro\u00ebn ist ein Mann n\u00fcchterner Rechnungen und klarer Worte. \u201eEgal, was die Branche erkl\u00e4rt, niemand glaubt ihr mehr\u201c, sagt er, erregt \u00fcber das, was Volkswagen mit seinem Betrug der gesamten Industrie angetan hat. Dass der, geht es um gesundheitssch\u00e4dliche Partikel, gef\u00e4hrlichste Ort in Paris nicht die von Dieseln bev\u00f6lkerte Stra\u00dfe sei, sondern die U-Bahn mit ihrem Bremsenabrieb \u2013 wer wolle das noch wissen? Oder dass es die Politik bis heute nicht geschafft habe, saubere Luft zu definieren. Stattdessen werde die Branche in Sippenhaft genommen.<\/p>\n<p>Seine Sorgen sind wohl begr\u00fcndet. Niemand soll die Augen davor verschlie\u00dfen, was die wirklichen Ziele sind. Die Kundschaft ist zutiefst verunsichert, aber noch schlimmer ist der Aktionismus der Politik, mithin des Gesetzgebers. Einigen in Br\u00fcssel oder der Verwaltung von Paris, und das ist nur eine Chiffre, geht es nicht darum, den Diesel aus der Stadt zu verbannen. Das ist nur der Kampf im Schaufenster. Im Kern geht es darum, das Auto an sich zu vertreiben. Nach dem Diesel wird der Benziner an den Pranger gestellt werden, und wenn endlich alle elektrisch fahren, wird die Frage nach der Stromerzeugung gestellt und wie die Batterien recycelt werden sollen. Tavares sieht das so: Am Ende hat die Metropole die klare Luft und eine Gemeinde auf dem Land den radioaktiven Abfall. Das wird nicht ohne soziale Spannungen abgehen. Es gebe keinen Markt der offenen Entscheidungen mehr, sagt er und spricht von brutalen Disruptionen, weil Kaufentscheidungen durch unbedachte politische \u00e4u\u00dferungen beeinflusst seien.<\/p>\n<h2>Tausende Arbeitspl\u00e4tze k\u00f6nnten wegfallen<\/h2>\n<p>Man kann die Ausf\u00fchrungen als \u00fcbertriebene Wetterei eines f\u00fcrstlich entlohnten Unternehmenslenkers abtun. Oder sie als ernsthafte Bedrohung der Industrie nehmen. F\u00fcr letzteres spricht, dass der Chef der L\u00f6wenmarke <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/psa-konzern\">Peugeot<\/a> und des Avantgardisten Citro\u00ebn wei\u00df, wie sich eine nur durch Staatshilfe vermiedene Insolvenz anf\u00fchlt und dass er mit seiner Analyse nicht allein steht. In der europ\u00e4ischen Autoindustrie entstehen Kosten, die mit Ertr\u00e4gen aus Massenware nicht mehr zu decken sind. Nicht erst seit der VW-Aff\u00e4re m\u00fcssen Dieselmotoren mit enormem Aufwand gereinigt werden, und die Grenzwerte sinken immer weiter. Das w\u00e4re ohnehin so gekommen, doch die VW-Aff\u00e4re wirkt nochmal wie ein Booster.<\/p>\n<p><video id=\"fazVideo211886768_contentElement\"  style=\"display:none\"><\/p>\n<p >To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/adam-opel\">Opel<\/a> als Partner gerade recht. Man kennt einander. Offenbar hat Opels Muttergesellschaft General Motors trotz Treueschw\u00fcren nach den desastr\u00f6s gef\u00fchrten und abgebrochenen Verkaufsverhandlungen mit Fiat oder Magna nun doch genug vom hessischen Dauerpatienten. In R\u00fcsselsheim fallen Wahrnehmung und Ergebnis auseinander, dem steigenden Ansehen unter seinem umtriebigen Vorsitzenden Karl-Thomas Neumann stehen weiter bittere Verluste und unterausgelastete Werke entgegen. Mal ist es Russland, mal der Brexit, das Gesch\u00e4ft kommt einfach nicht auf die Beine. Fette Beute sieht anders aus.<\/p>\n<p>Nun soll die Zusammenlegung gleicher Gesch\u00e4fte die Rettung bringen. Die Modellpaletten von PSA und Opel sind bei den Personenwagen wie bei den Nutzfahrzeugen weitgehend deckungsgleich. Einige Fahrzeuge wie die j\u00fcngsten SUV haben sie sogar gemeinsam entwickelt und vertreiben sie unter ihren jeweiligen Markennamen, sie kannibalisieren sich im Zweifel gegenseitig. Beide Hersteller beliefern abgesehen vom nur durch PSA bedienten Wachstumsmarkt China dieselbe Region, n\u00e4mlich Europa. Die Vereinigten Staaten w\u00e4ren f\u00fcr beide mangels bisheriger Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit eine Option, doch die H\u00fcrden in Trumps Amerika werden eher h\u00f6her.<\/p>\n<p>Wohin also wird der Weg f\u00fchren? Die Konzernf\u00fchrungen werden sich bem\u00fchen, aus Synergien eine Wachstumsgeschichte zu stricken. Das w\u00e4re den Mitarbeitern zu w\u00fcnschen, allein, es spricht vieles f\u00fcr das Gegenteil: weniger Fabriken, weniger H\u00e4ndler, weniger Zulieferer, weniger Eigenst\u00e4ndigkeit. Der Versuch der gemeinsamen Genesung wird schmerzhaft.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/moeglicher-opel-verkauf-es-wird-schmerzhaft-14878036.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/moeglicher-opel-verkauf-es-wird-schmerzhaft-14878036.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Opel-Angestellte arbeiten in Eisenach an einem, \u201eAdam\u201c. Opel kommt Peugeot gerade recht. Doch vieles spricht daf\u00fcr, dass der Verkauf auf weniger Fabriken, weniger H\u00e4ndler, weniger Zulieferer, weniger Eigenst\u00e4ndigkeit hinausl\u00e4uft. 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