{"id":45969,"date":"2017-02-06T12:46:55","date_gmt":"2017-02-06T12:46:55","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=45969"},"modified":"2017-02-06T12:46:55","modified_gmt":"2017-02-06T12:46:55","slug":"freakout","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=45969","title":{"rendered":"Freakout"},"content":{"rendered":"<div class=\"image_description\">Einfach mal ausflippen \u2013 wie Donald Duck<\/div>\n<p>Sind Sie kurz vorm Durchdrehen? Das \u201eFreakout-Syndrom\u201c ist im Anmarsch. Die wichtigsten Fakten zur neuen Volkskrankheit, und wie Sie sich am besten sch\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Burnout war gestern. Wir leben in Zeiten des Freakout. Bald werden Menschen, die am Freakout-Syndrom leiden, sich bei der Arbeit krankmelden. Psychologen werden Artikel dar\u00fcber in Fachmagazinen ver\u00f6ffentlichen. Wikipedia-Nutzer werden einen Artikel zum Freakout anlegen: Geschichte, Symptome, Ursachen, Behandlung, volkswirtschaftliche Bedeutung von Freakout.<\/p>\n<p>Der Name kommt aus dem Englischen: \u201eto freak out\u201c, ausflippen, durchdrehen. Ein Freakout ist ein Zustand der totalen Aufregung, ein v\u00f6lliges Entbranntsein. Anders als der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/thema\/burnout-syndrom\">Burnout<\/a>, den es im 19.Jahrhundert schon unter dem Namen Neurasthenie gab, ist der Freakout ein modernes Ph\u00e4nomen. Nat\u00fcrlich haben Menschen sich auch fr\u00fcher schon aufgeregt. Aber sie haben sich auch wieder abgeregt. Den Freakout gibt es erst, seit es soziale Netzwerke und Kommentarforen gibt.<\/p>\n<p>Was geschieht dort? Dazu ein Gedankenexperiment: Man stelle sich einen Topf vor, in dem viele Fr\u00f6sche in lauwarmem Wasser sitzen. Die Wassertemperatur erh\u00f6ht sich, sobald die Sonne auf den Topf scheint. Aber schon wenn sie am Himmel aufgeht, meldet ein Frosch \u201eBald werden wir gekocht\u201c, der n\u00e4chste \u201eIch glaube, ich werde jetzt schon gekocht\u201c, und der n\u00e4chste \u201eBevor ihr gekocht werdet, werde ich gekocht, denn meine Haut ist zarter\u201c. Anders als in vergleichbaren wissenschaftlichen Experimenten sitzen die Fr\u00f6sche hier freiwillig im Topf. Sie k\u00f6nnten auch im Schatten eines k\u00fchlen Blattes der Sonne trotzen, doch im Topf ist mehr los. Mehr Fr\u00f6sche lauschen, aber mehr quaken auch. So viel zur Ausgangslage. Nun zur\u00fcck zum Menschen.<\/p>\n<h2>Anschwellendes Beschw\u00f6ren gr\u00f6\u00dfter Gefahren<\/h2>\n<p>Zum Freakout kommt es, wenn ein Mensch sich dem anschwellenden Beschw\u00f6ren gr\u00f6\u00dfter Gefahren durch eine Gruppe nicht rechtzeitig entziehen kann oder will. Eine Gefahr ist im Prinzip vieles. Manches erscheint Unbeteiligten halb so schlimm. Ein historisches Beispiel mag das belegen. Vor vier Jahren schrieb eine Journalistin im \u201eStern\u201c \u00fcber den FDP-Politiker Rainer Br\u00fcderle. Der Text begann so: \u201eF\u00fcr mich ist es nicht immer angenehm, 29 Jahre alt zu sein, eine Frau und Politikjournalistin. Das liegt an M\u00e4nnern wie Rainer Br\u00fcderle.\u201c Die Frau schilderte den vermeintlichen Sexisten als existentielle Zumutung. Feministinnen erfanden auf <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/twitter\">Twitter<\/a> den Hashtag \u201eAufschrei\u201c und sammelten Aufschreie. Einige Monate sp\u00e4ter kommentierte Bundespr\u00e4sident Gauck die Aff\u00e4re als \u201eTugendfuror\u201c. Feministinnen warfen ihm auf Twitter und brief\u00f6ffentlich vor, Frauenwut abzuwerten. Vor ein paar Monaten blickte die Journalistin, die den Artikel \u00fcber Br\u00fcderle geschrieben hatte, ern\u00fcchtert zur\u00fcck: \u201eDie starke Polarisierung in der Debatte verhinderte, dass sich Menschen mit unterschiedlichen Positionen einfach mal zuh\u00f6rten.\u201c Wissenschaftler werden dereinst erforschen, ob es im Zuge dieses Aufschreis, der kein Furor sein wollte, zur ersten H\u00e4ufung von Freakout-F\u00e4llen bei deutschen Twitter-Nutzern kam. M\u00f6glich w\u00e4r\u2019s.<\/p>\n<p>Doch verbietet sich der Schluss, das Freakout-Syndrom tr\u00e4fe vorwiegend Frauen. Wer aktuelle Freakout-Zust\u00e4nde untersucht, erkennt, dass M\u00e4nner gleicherma\u00dfen betroffen sind. Auch trifft es Linke wie Rechte. Gemeinsam ist allen F\u00e4llen, dass sie sich an politischen Themen entz\u00fcnden. Der Freakout ist ein politisches Syndrom.<\/p>\n<p>Die Symptome sind mit Erregung und verminderter Leistungsf\u00e4higkeit unspezifisch. Im Kern steht das Gef\u00fchl, einer Gefahr ausgeliefert zu sein, deren Gr\u00f6\u00dfe sich daran bemisst, wie laut man sie beschreit. Dies scheint zun\u00e4chst schwer zu begreifen. Und ist es letztlich auch. Zur Veranschaulichung ein aktuelles Beispiel.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/zur-massenhysterie-in-sozialen-netzwerken-14779783.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/zur-massenhysterie-in-sozialen-netzwerken-14779783.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einfach mal ausflippen \u2013 wie Donald Duck Sind Sie kurz vorm Durchdrehen? Das \u201eFreakout-Syndrom\u201c ist im Anmarsch. 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