{"id":44503,"date":"2016-10-30T13:56:09","date_gmt":"2016-10-30T13:56:09","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=44503"},"modified":"2016-10-30T13:56:09","modified_gmt":"2016-10-30T13:56:09","slug":"jeder-schritt-zahlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=44503","title":{"rendered":"Jeder Schritt z\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"<div class=\"image_description\">Das Smartphone ist st\u00e4ndig dabei. Heimlich werden viele Daten protokolliert.<\/div>\n<p>Was die Datenkraken interessiert: nicht die Adressen, nicht die E-Mails. Zu wissen, wie wir uns in der Welt bewegen, das ist die neue Digitalw\u00e4hrung der Netzspione.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Cui bono? Wem nutzt es? So konnte man mit Cicero seit der Antike fragen, wenn es darum ging, verd\u00e4chtige Sachverhalte zu erhellen. Im Zeitalter des Internets m\u00fcssen kluge Fragen weiter vorn ansetzen, denn das Dunkel ist schw\u00e4rzer denn je. In den Debatten um Datenschutz und Privatsph\u00e4re ermittle man, was sie wissen wollen. Sie, diejenigen, die das Leben des Einzelnen zu einem Big-Data-Profil formen wollen, die Familie und Freunde erfassen, aber auch geheime Liebschaften und verborgene Gel\u00fcste. Was wollen sie aussp\u00e4hen, die Datenkraken, die Werbeunternehmen, die Internetgiganten? Die Frage l\u00e4sst sich auf ganz unterschiedlichen Wegen beantworten. Aber verbl\u00fcffenderweise kommt man stets zu ein und demselben Ziel.<\/p>\n<p>Im Kriminalroman verfolgt der Kommissar den Verd\u00e4chtigen auf Schritt und Tritt. Generationen von Detektiven verbringen Jahre ihres Lebens wartend und observierend im Auto. Warum dieser Aufwand? Sie k\u00f6nnten ja in Terminkalendern und Adressb\u00fcchern st\u00f6bern oder das Telefon abh\u00f6ren. Anscheinend sind jedoch die verifizierbaren Aufenthaltsorte der Person viel wichtiger als Informationen, die sich aus anderen Quellen absch\u00f6pfen lassen. Was tats\u00e4chlich passiert, wo jemand wirklich ist, das z\u00e4hlt. Geographisches Tatverhalten ist eine eigene Forschungsdisziplin der wissenschaftlichen Kriminologie.<\/p>\n<h2>Der wichtigste Datenspeicher<\/h2>\n<p>So wundert es kaum, dass auch in der Welt des Digitalen die Aussp\u00e4hung des Standorts und der Bewegungsmuster allerh\u00f6chste Priorit\u00e4t genie\u00dft. Zum Beispiel auf dem Smartphone mit dem dominierenden Betriebssystem Android. Nachdem der arglose Besitzer sein Handy beiseitegelegt hat, baut es Datenverbindungen im Hintergrund zu Dritten auf. Das Smartphone ist f\u00fcr die meisten Menschen der wichtigste Datenspeicher. Auf ihm befinden sich E-Mails, Adressen, Telefonnummern, es enth\u00e4lt s\u00e4mtliche Kommunikation, den Kalender, die Fotos und eine Historie der Standorte. Bereits durch die Verkn\u00fcpfung weniger Informationen lassen sich detaillierte Profile seines Besitzers erstellen.<\/p>\n<p>Franz\u00f6sische Sicherheitsforscher haben 2000 Apps f\u00fcr Android aus 25 verschiedenen Kategorien im Google Play Store geladen und auf einem Smartphone ausgef\u00fchrt. Der Netzwerkverkehr der Apps nach au\u00dfen wurde abgefangen und analysiert. Demnach steuerten die Programme heimlich insgesamt 250.000 verschiedene Web-Adressen an und gaben Daten weiter. Hinweise auf diese Spionage im Nebenjob gibt es nicht, auch nicht vom Shop-Betreiber Google. Das wundert kaum, denn, wie die Forscher weiter ermittelten, werden die am h\u00e4ufigsten kontaktierten Adressen unter anderem von Google betrieben, es sind Werbenetzwerke sowie Analysedienste, und die App-Programmierer erhalten h\u00f6here Einnahmen, je mehr Daten sie \u00fcber ihre Nutzer verraten.<\/p>\n<h2>Blackberry-Androiden geben einen Hinweis<\/h2>\n<p>Hat das Smartphone ein Berechtigungssystem f\u00fcr Apps, l\u00e4sst sich in den Tiefen der Men\u00fcs kontrollieren, welches Programm welche Rechte anfordert, zum Beispiel den Zugriff auf den Kalender oder eben den Standort. Und dieser ist mithin am h\u00e4ufigsten nachgefragt. Ger\u00e4te wie die Blackberry-Androiden geben mit ihrer Dtek genannten Software einen Hinweis, wie oft welche App die Standortdaten aussp\u00e4ht. In unserer nicht repr\u00e4sentativen Auswertung war es Facebook, das gleichsam im Minutentakt den eigenen Aufenthaltsort nach Amerika sendet.<\/p>\n<p>Wer nun denkt, dass man mit einem Berechtigungssystem, wie es Android 6 und 7 bieten, die Datenspione der Reihe nach abschaltet, irrt gewaltig. Denn Google hat ihnen und sich zwei Hintert\u00fcrchen gelassen: Zum einen, dies verschweigt Google geflissentlich, hat jede App, die aus dem Play Store geladen wird, uneingeschr\u00e4nkten Internetzugriff. Sie darf st\u00e4ndig senden und empfangen. Es fehlt also eine diesbez\u00fcgliche Berechtigungsstufe.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/computer-internet\/datenschutz-und-privatsphaere-jeder-schritt-zaehlt-14494871.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/computer-internet\/datenschutz-und-privatsphaere-jeder-schritt-zaehlt-14494871.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Smartphone ist st\u00e4ndig dabei. Heimlich werden viele Daten protokolliert. Was die Datenkraken interessiert: nicht die Adressen, nicht die E-Mails. 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