{"id":44149,"date":"2016-10-07T11:23:07","date_gmt":"2016-10-07T11:23:07","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=44149"},"modified":"2016-10-07T11:23:07","modified_gmt":"2016-10-07T11:23:07","slug":"ein-packchen-hoffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=44149","title":{"rendered":"Ein P\u00e4ckchen Hoffnung"},"content":{"rendered":"<div class=\"image_description\">Ein Radiologe deutet auf eine Auff\u00e4lligkeit in einer weiblichen Brust hin.<\/div>\n<p>Ein neuer Dienst will Brustkrebspatientinnen mit Medikamenten versorgen, die bisher in Deutschland nicht zugelassenen sind. Ist das \u00fcberhaupt m\u00f6glich?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>CDK4 und CDK6 hei\u00dfen die zwei Enzyme, die den <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/thema\/brustkrebs\">Brustkrebs<\/a> n\u00e4hren, und \u201ePalbociclib\u201c hei\u00dft das Mittel, das sie ausschaltet. 21 Tabletten sind in einer Packung. Das reicht f\u00fcr einen Monat, kostet 7590 Euro und verdoppelt Lebenszeit. Als der Hersteller des Medikaments das im Februar 2014 nachwies, jubilierte die Fachwelt. Heute wartet sie immer noch, und mit ihr die Patienten.<\/p>\n<p>Zumindest in Europa. Schon anderthalb Jahre ist es her, dass das Medikament mit dem Handelsnamen \u201eIbrance\u201c in Amerika zugelassen worden ist. Entscheidend war eine Studie mit 521 Frauen, die an bereits metastasiertem Brustkrebs litten und bei denen die \u00fcbliche Hormontherapie nicht mehr half. Mit \u201ePalbociclib\u201c lebten die Patientinnen im Vergleich zu denen, die nur das Hormon bekamen, durchschnittlich doppelt so lange, bis ihr Krebs sich verschlimmerte. Bei einigen gingen die Tumore sogar zur\u00fcck. Inzwischen wird das Medikament in den Vereinigten Staaten regul\u00e4r eingesetzt.<\/p>\n<p>Vor ein paar Wochen erst hat der europ\u00e4ische Ausschuss f\u00fcr Humanarzneimittel das Mittel zur Zulassung empfohlen. Noch zwei, vielleicht drei Monate wird es dauern, bis \u201ePalbociclib\u201c in Deutschland verf\u00fcgbar ist. Eine lange Zeit f\u00fcr Patientinnen, f\u00fcr manche zu lang. \u201eWir warten dringend auf das Medikament\u201c, schreiben Betroffene auf Fachseiten.<\/p>\n<p>The Social Medwork, ein Unternehmen mit Sitz in Amsterdam, will den Kranken helfen. Der Beschaffungsdienst vermittelt \u201ePalbociclib\u201c schon anderthalb Jahre lang in mehrere L\u00e4nder &#8211; und seit gestern auch nach Deutschland. \u201eDie Beschaffung von Medikamenten aus dem Ausland kann Leben retten\u201c, sagt Sjaak Vink, Gr\u00fcnder und CEO von The Social Medwork.<\/p>\n<h2>Zulassungsvorschriften nach Contergan-Katastrophe versch\u00e4rft<\/h2>\n<p>In Deutschland nicht zugelassene Medikamente an Schwerstkranke verkaufen: Darf man das? Und wenn sich damit, wie beim Krebsmedikament \u201ePalbociclib\u201c, so viel Hoffnung auf mehr Leben verbindet: Muss man das dann nicht d\u00fcrfen?<\/p>\n<p>Das deutsche Arzneimittelgesetz ist da vorsichtig. Nach der Contergan-Katastrophe Anfang der sechziger Jahre, als ungeborene Kinder Fehlbildungen erlitten, weil ihre M\u00fctter guten Gewissens ein zugelassenes Beruhigungsmittel schluckten, sind die Zulassungskriterien versch\u00e4rft geworden. Grunds\u00e4tzlich d\u00fcrfen in Deutschland nicht zugelassene Medikamente weder verkauft noch verschrieben werden. Es gibt aber Ausnahmen, gerade und vor allem f\u00fcr Patienten mit schweren Krankheiten &#8211; also f\u00fcr alle, f\u00fcr die die Chance auf Leben so viel mehr z\u00e4hlt als das Risiko einer unerprobten Therapie. Ein Risiko, das in lebensbedrohlichen Situationen ohnehin eingeschrumpft erscheint.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Patienten gibt es im Prinzip drei M\u00f6glichkeiten. Sie k\u00f6nnen an einer Zulassungsstudie des passenden Medikaments teilnehmen, sofern es die gerade gibt. Die Pl\u00e4tze sind aber begrenzt, 90 Prozent der Anfragen erfolglos. Zweite M\u00f6glichkeit sind H\u00e4rtefallprogramme, die das Bundesinstitut f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte organisiert. Dort werden nach dem Prinzip des \u201ecompassionate use\u201c, was so viel hei\u00dft wie Anwendung aus Mitgef\u00fchl, nicht zugelassene Medikamente f\u00fcr eine bestimmte Patientengruppe kostenlos von den Herstellern herausgegeben. Neun solcher eng auf ein bestimmtes Krankheitsbild zugeschnittenen Programme gibt es in Deutschland derzeit.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/medikamente-gegen-brustkrebs-14462862.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/medikamente-gegen-brustkrebs-14462862.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Radiologe deutet auf eine Auff\u00e4lligkeit in einer weiblichen Brust hin. Ein neuer Dienst will Brustkrebspatientinnen mit Medikamenten versorgen, die bisher in Deutschland nicht zugelassenen sind. 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