{"id":43227,"date":"2016-08-26T09:27:35","date_gmt":"2016-08-26T09:27:35","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=43227"},"modified":"2016-08-26T09:27:35","modified_gmt":"2016-08-26T09:27:35","slug":"wie-aktienruckkaufe-die-kurse-beflugeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=43227","title":{"rendered":"Wie Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe die Kurse befl\u00fcgeln"},"content":{"rendered":"<div class=\"image_description\">Die Rekordhochs der amerikanischen Leitb\u00f6rsen sind auch auf Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/div>\n<p>Viele Unternehmen aus Amerika betreiben \u201eKurspflege\u201c &#8211; indem sie eigene Aktien kaufen und so den Kurs k\u00fcnstlich in die H\u00f6he treiben. Doch ist das legitim?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Bei Olympia war das Thema <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/sport\/thema\/doping\">Doping<\/a> ein Dauerbrenner, doch auch am Finanzmarkt spielt es eine wichtige Rolle. Zahlreiche amerikanische Gro\u00dfkonzerne st\u00fctzen ihren B\u00f6rsenwert, indem sie f\u00fcr Milliarden Dollar eigene Aktien zur\u00fcckkaufen. Das seit Jahren immer st\u00e4rker um sich greifende Ph\u00e4nomen nennt sich schlicht \u201eKurspflege\u201c und ist &#8211; anders als in der Welt des Sports &#8211; v\u00f6llig legal. Doch es gibt triftige Gr\u00fcnde, warum diese Praxis, von der auch deutsche Unternehmen Gebrauch machen, umstritten ist.<\/p>\n<p>Vor wenigen Tagen war es soweit: Erstmals seit 1999 schlossen alle drei amerikanischen Leitb\u00f6rsen &#8211; Dow Jones, S&#038;P 500 und Nasdaq &#8211; mit Rekordhochs. Eigentlich passt das nicht recht ins Marktumfeld, denn die Anleger haben viele Sorgen &#8211; Brexit, Ungewissheit \u00fcber die Geldpolitik, dazu Wahlkampf in den Vereinigten Staaten und eine fragile Weltkonjunktur. Als Hauptgrund daf\u00fcr, dass die Kurse trotzdem steigen, gilt die Flut des billigen Geldes, mit der die Notenbanken f\u00fcr Anlagedruck sorgen. Im Hintergrund wirken aber noch andere Faktoren.<\/p>\n<p>Zum Beispiel Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe. \u201eDas ist Doping &#8211; ganz klar\u201c, sagt Experte Robert Halver von der Baader Bank . Dem Analysehaus Factset zufolge haben amerikanische Unternehmen allein zwischen Februar und April eigene Papiere im Wert von 166,3 Milliarden Dollar (aktuell 147,6 Milliarden Euro) zur\u00fcckgekauft. Das entspricht einem Anstieg von 15 Prozent im Jahresvergleich und dem h\u00f6chsten Quartalswert seit 2007 &#8211; bevor in den Vereinigten Staaten die Kreditblase platzte und die Wirtschaft in eine tiefe Rezession st\u00fcrzte. Das aber scheint lange her, 2014 und 2015 haben amerikanische Unternehmen schon wieder eigene Papiere im Wert von rund einer Billion Dollar zur\u00fcckgekauft.<\/p>\n<h2>Manager treiben das eigene Gehalt durch Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe in die H\u00f6he<\/h2>\n<p>Doch was versprechen sich die Unternehmen \u00fcberhaupt davon? Durch den R\u00fcckkauf von Aktien wird die Nachfrage nach dem Wertpapier erh\u00f6ht, was den Kurs st\u00fctzt. \u201eDamit steigen in der Regel der Gewinn und die Dividende pro Aktie\u201c, hei\u00dft es in einer Studie der Deutschen Bank. So werde \u00fcbersch\u00fcssiges Geld an die Anteilseigner weitergegeben. Inzwischen ist es in den Vereinigten Staaten schon \u00fcblich, dass aufs\u00e4ssige Investoren wie der New Yorker Hedgefonds-Manager <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/thema\/carl-icahn\">Carl Icahn<\/a> \u00f6ffentlich Druck machen und mit Aktion\u00e4rsaufstand drohen, damit Konzerne die Kasse \u00f6ffnen. Allerdings profitieren h\u00e4ufig auch die Vorst\u00e4nde, weil viele von ihnen Aktienoptionen als Boni erhalten.<\/p>\n<p>Dass Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe vom Management genutzt werden k\u00f6nnen, um den Gewinn pro Aktie und damit die eigene Verg\u00fctung zu steigern, sorgt immer wieder f\u00fcr Kritik. Unter \u00d6konomen wird zudem schon lange diskutiert, ob die immensen Ausgaben f\u00fcr R\u00fcckk\u00e4ufe zulasten langfristiger Investitionen gehen. So fordert etwa die amerikanische Pr\u00e4sidentschaftskandidatin <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/hillary-clinton\">Hillary Clinton<\/a> von den Unternehmen, sich von der \u201eTyrannei\u201c der Kurzfristigkeit zu l\u00f6sen. Ob die milliardenteure Kurspflege aber wirklich den Zukunftsinvestitionen schadet, ist umstritten. Laut Tim Koller von der Unternehmensberatung McKinsey gibt es daf\u00fcr keine Belege.<\/p>\n<p>Zwar seien die Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe in den letzten Jahrzehnten rasant gestiegen. Negative Folgen f\u00fcr die Investitionsbereitschaft seien jedoch nicht auszumachen. Zudem liege der Anteil an den Gewinnen, den die amerikanischen Unternehmen an ihre Investoren aussch\u00fctteten, seit Anfang der 1990er Jahren stabil bei etwa 85 Prozent. Es habe einfach eine starke Verschiebung von Dividenden zu Aktienr\u00fcckk\u00e4ufen gegeben. Die gro\u00dfe Beliebtheit ergibt sich vor allem aus dem Steuerrecht &#8211; w\u00e4hrend der amerikanische Fiskus bei Dividenden mit 40 Prozent zuschl\u00e4gt, sind es bei Kursgewinnen lediglich 20 Prozent.<\/p>\n<h2>Deutsche Unternehmen kaufen selten bis nie Aktien zur\u00fcck<\/h2>\n<p>So erkl\u00e4rt sich auch der grundlegende Unterschied zu Deutschland und Europa, wo beide Einkommensarten steuerlich gleich behandelt werden. Zwar gibt es auch hierzulande Konzerne, die eigene Papiere zur\u00fcckkaufen &#8211; wie etwa Siemens, Osram oder der R\u00fcckversicherer Munich Re. Doch sie sind die Ausnahme und fallen im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz kaum ins Gewicht. \u201eDeutsche Unternehmen kaufen selten bis nie Aktien zur\u00fcck\u201c, sagt Philipp Immenk\u00f6tter, Analyst beim K\u00f6lner Verm\u00f6gensverwalter Flossbach von Storch. Ein weiterer Grund sei, dass Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe in Deutschland bis 1998 nur unter hohen Auflagen m\u00f6glich gewesen seien.<\/p>\n<p>\u201eIn Deutschland konnte sich nie eine R\u00fcckkaufkultur entwickeln\u201c, sagt Immenk\u00f6tter. Beim Timing der R\u00fcckk\u00e4ufe haben sich deutsche Firmen zudem die Finger verbrannt. Kurz vor der Finanzkrise 2008 erwarben Dax- und M-Dax -Konzerne eigene Papiere in vergleichsweise gro\u00dfen Mengen. Als wenig sp\u00e4ter die Kurse abst\u00fcrzten, machte die Mehrzahl der Unternehmen Verluste. Hiesige Firmen h\u00e4tten daraus Konsequenzen gezogen, meint Immenk\u00f6tter. \u201eNach der Finanzkrise sind H\u00e4ufigkeit und Volumen der R\u00fcckk\u00e4ufe deutlich zur\u00fcckgegangen.\u201c<\/p>\n<p>Peter Barkow, Gr\u00fcnder der Finanzberatung Barkow Consult, macht ferner ein typisch deutsches Ph\u00e4nomen f\u00fcr den Mangel von Aktienr\u00fcckk\u00e4ufen verantwortlich: den gro\u00dfen Einfluss von Familienunternehmen. Selbst bei Gro\u00dfkonzernen wie Merck, Beiersdorf, Henkel, Continental, BMW oder VW hielten Familien- und Gr\u00fcnderaktion\u00e4re gro\u00dfe Anteile. Sie schienen eine gr\u00f6\u00dfere Pr\u00e4ferenz f\u00fcr Barmitttel zu haben, sagt Barkow. \u201eSelbst der Dax ist letztlich ein Club der Familienunternehmen.\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/aktien\/wie-aktienrueckkaeufe-die-kurse-befluegeln-14406631.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/aktien\/wie-aktienrueckkaeufe-die-kurse-befluegeln-14406631.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rekordhochs der amerikanischen Leitb\u00f6rsen sind auch auf Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe zur\u00fcckzuf\u00fchren. Viele Unternehmen aus Amerika betreiben \u201eKurspflege\u201c &#8211; indem sie eigene Aktien kaufen und so den Kurs k\u00fcnstlich in die H\u00f6he treiben. 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