{"id":41446,"date":"2012-10-19T08:11:21","date_gmt":"2012-10-19T08:11:21","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=41446"},"modified":"2016-04-14T08:27:10","modified_gmt":"2016-04-14T08:27:10","slug":"leihmutterschaft-unser-baby-made-in-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=41446","title":{"rendered":"Leihmutterschaft: Unser Baby, made in Ukraine"},"content":{"rendered":"<div class=\"row\">\n<div class=\"col-xs-12 col-sm-offset-1 col-sm-10 col-md-offset-2 col-md-8\">\n<div class=\"teaser-text\">\n<p>Von einer Leihmutter ein Kind austragen lassen, das ist illegal \u2013 aber g\u00e4ngige Praxis. Unsere Autorin hat ein Schweizer Paar nach Kiew begleitet. Und berichtet \u00fcber ein boomendes Gesch\u00e4ft, das einige Risiken birgt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"row\">\n<div class=\"col-xs-12 content col-sm-offset-1 col-sm-10 col-md-offset-2 col-md-8\">\n<div class=\"field-name-body\">\n<div class=\"field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden\">\n<div class=\"field-items\">\n<div class=\"field-item even\">\n<p><strong>Eine Zunahme von 1000% von Leihmutterbabys<\/strong><\/p>\n<p>Biotex bietet Bauchattrappen in drei Gr\u00f6ssen an. Die runden Silikonkissen k\u00f6nnen sich Kundinnen aus Westeuropa um die Taille binden. So t\u00e4uschen sie ihren Bekannten eine Schwangerschaft vor, w\u00e4hrend eine Frau im fernen Kiew ihr Kind austr\u00e4gt. Biotex ist eine von mehreren Dutzend Leihmutteragenturen in der Ukraine und eine von Hunderten auf der ganzen Welt. Sie suchen Frauen, die sich gegen Geld die Embryonen eines fremden Paares einpflanzen lassen. Das Gesch\u00e4ft boomt, allein in der Ukraine sind im vergangenen Jahr laut Irtsa, einer anderen Agentur in Kiew, 2000 Leihmutterbabys geboren worden, weltweit wird von einer Zunahme von tausend Prozent in den Jahren 2006 bis 2010 ausgegangen.<\/p>\n<p><strong>Wir begleiten ein Schweizer Paar aus Solothurn<\/strong><\/p>\n<p>Den Bauch einer Frau zu mieten, kostet etwa so viel wie ein Mittelklasseauto, rund 30 000 Franken. Alice und David (Namen ge\u00e4ndert) k\u00f6nnen sich diesen Betrag ohne Probleme leisten. Das Paar wohnt in einem Dorf in der N\u00e4he von Solothurn, hat ein mittleres Einkommen, zwei Autos und ein eigenes Haus. Heute fr\u00fchst\u00fccken die beiden in einer komfortablen Villa am Stadtrand von Kiew: f\u00fcnf Schlaf- und drei Badezimmer, Flachbildschirm, WLAN und ein Hausm\u00e4dchen rund um die Uhr.<\/p>\n<p>Hier und in verschiedenen Wohnungen im Stadtzentrum werden die internationalen Kunden der Agentur Biotex untergebracht. Alice kann keine Kinder bekommen. Sie hatte Krebs, rang mit dem Tod und musste sich Geb\u00e4rmutter und Eierst\u00f6cke entfernen lassen. Im Normalfall werden Ei und Sperma der k\u00fcnftigen Eltern im Reagenzglas zusammengebracht und anschliessend der Leihmutter eingepflanzt. Alice aber ben\u00f6tigte zus\u00e4tzlich zur Leihmutter eine Eizellspenderin, eine blonde Studentin, die sie aus einem Katalog ausw\u00e4hlte.<\/p>\n<p><strong>Warum nicht einfach ein Baby adoptieren?<\/strong><\/p>\n<p>Sie und David sind ein sympathisches Paar, offen und unkompliziert. Man f\u00fchlt mit ihnen, wenn sie von ihrer schrecklichen Krankengeschichte und dem jahrelang unerf\u00fcllten Kinderwunsch erz\u00e4hlen. Bloss, weshalb adoptieren sie kein Kind? \u00abWir haben uns f\u00fcr eine Adoption angemeldet, dann aber umentschieden\u00bb, sagt sie. \u00abDavid will seine Gene weitergeben. Und mir war es wichtig, das Kind von Geburt an bei mir zu haben. Wir m\u00f6chten kein wom\u00f6glich traumatisiertes Baby.\u00bb<\/p>\n<p><strong>In der Schweiz Leihmutterschaft illegal &#8211; es wird aber nicht gen\u00fcgend \u00fcberpr\u00fcft<\/strong><\/p>\n<p>Alice und David sind l\u00e4ngst nicht die einzigen Schweizer, die sich auf diese Weise ihren Kinderwunsch erf\u00fcllen. Zwar ist es in der Schweiz illegal, eine Leihmuttervereinbarung einzugehen, egal, ob im In- oder Ausland. Im Gesetz, das die Fortpflanzungsmedizin regelt, ist von Menschenw\u00fcrde die Rede. Ein Kind soll nicht wie eine Ware in Auftrag gegeben und gehandelt werden. Recherchen zeigen aber, dass dies trotzdem immer wieder gemacht wird. annabelle hat Kenntnis von gut dreissig Schweizer Kindern, von denen die Beh\u00f6rden wissen oder aufgrund von Indizien stark vermuten, dass sie von einer Leihmutter ausgetragen worden sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Neun Monate sp\u00e4ter: Ein Paar im zeugungsf\u00e4higen Alter weckt bei der Einreise keinen Verdacht.<\/em><\/p>\n<p>Und das ist bloss die Spitze des Eisbergs. Denn eine Erfassung aller Leihmutterkinder ist schlicht unm\u00f6glich, weil niemand genau hinschaut. Das Verbot wird nicht konsequent angewendet, Auslandgeburten werden nur oberfl\u00e4chlich gepr\u00fcft. Diese Laisser-faire-Politik der offiziellen Schweiz beg\u00fcnstigt im Ausland einen Babyhandel, der weitgehend unreglementiert und anf\u00e4llig auf Missbrauch ist. Denn das boomende Gesch\u00e4ft birgt Risiken: L\u00e4uft nicht alles reibungslos, endet das Ganze nicht selten in einem menschlichen Drama. Es kommt vor, dass die Leihmutter das Neugeborene behalten will oder Paare ihr bestelltes Baby nicht abholen.<\/p>\n<p>Man kann sich also fragen, ob es \u00fcberhaupt sinnvoll ist, Leihmutterschaften zu verbieten. Schliesslich ist man in einigen Bundesstaaten der USA der Meinung, ein solcher Deal sei eine Win-win-Situation f\u00fcr alle Beteiligten: Die Leihmutter macht ein kinderloses Paar gl\u00fccklich und bekommt im Gegenzug eine faire Entl\u00f6hnung. Auch Sarah Jessica Parker, Nicole Kidman und Elton John liessen ihre Kinder von einer fremden Frau austragen.<\/p>\n<p><strong>Eine von hunderten Agenturen: Biotex in Kiew<\/strong><\/p>\n<p>In der Villa von Biotex sitzt Sophia auf dem Ledersofa und schaut eine Sportsendung. Sie ist hochschwanger, ihre F\u00fcsse sind stark geschwollen, nur die Zehenspitzen passen noch durch die Riemchen der Sandalen. Eine Leihmutter? Sie nickt, hebt zwei Finger und sagt \u00abitalian\u00bb \u2013 sie trage f\u00fcr ein italienisches Ehepaar Zwillinge aus. Einen Stock h\u00f6her wohnt ein deutsches Ehepaar mit einem Neugeborenen, das eine Leihmutter f\u00fcr sie zur Welt gebracht hat, und ein weiteres Schweizer Paar ist vor ein paar Tagen mit Baby nachhause gereist. In der K\u00fcche trinken Alice und David den Kaffee aus, w\u00e4hrend das Hausm\u00e4dchen den Tisch abr\u00e4umt. Sie m\u00fcssen los, in einer halben Stunde werden sie ihre Leihmutter zum ersten Mal treffen und zum Ultraschall begleiten. Sie ist jetzt im f\u00fcnften Monat schwanger.<\/p>\n<p>So feudal die Villa, so modern die Klinik, in die Alice und David gefahren werden. Sie liegt auf einem gr\u00fcnen H\u00fcgel im Zentrum von Kiew. Mit ihren T\u00fcrmchen und Erkern erinnert sie an ein russisches M\u00e4rchenschloss. In der Ukraine sind Leihmutterschaften legal, und es wird offensichtlich viel Geld damit gemacht.<\/p>\n<p>Biotex-Direktor Kopkow Valeriy Semyonowich, ein kleiner Mann mit Schnauz, zeigt die neusten Apparaturen f\u00fcr die In-vitro-Fertilisation. Seine Assistentin \u00fcbersetzt: Pro Monat werden zwischen 10 und 18 Leihm\u00fctter befruchtet. 33 700 Franken kostet das All-inclusive-Paket, darin sind auch Eizellspenden enthalten. Aufgerechnet auf die 2000 Leihmutterbabys des vergangenen Jahres, wurden in der Ukraine mit dem Leihmuttergesch\u00e4ft 2011 rund 67 Millionen Franken umgesetzt.<\/p>\n<p>Biotex schliesst mit den Kunden einen detaillierten Vertrag ab, der 17 klein bedruckte Seiten umfasst. Die Leihm\u00fctter m\u00fcssen Bluttests machen, um zu beweisen, dass sie weder Alkohol noch Drogen konsumieren und sich gesund ern\u00e4hren. Sie stehen unter st\u00e4ndiger Kontrolle, die Agentur erkundigt sich t\u00e4glich, wie es ihnen geht. Auch die Paare d\u00fcrfen ihre Leihmutter jederzeit anrufen und bekommen alle paar Wochen aktuelle Ultraschallbilder zugeschickt. Die Assistentin sagt, das Team um Semyonowich sei zun\u00e4chst im Adoptionswesen t\u00e4tig gewesen, habe dann auf Leihmutterschaften umgesattelt und 2009 die Klinik gebaut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie viele Schweizer holen sich Babys in der Ukraine?<\/strong><\/p>\n<p>Wie vielen Schweizer Kunden hat Biotex ein Baby vermittelt? Valeriy Semyonowich schliesst einen Aktenschrank auf und zeigt auf rund f\u00fcnfzig Dossiers. \u00abAll denen hier.\u00bb Eine Krankenschwester wird sp\u00e4ter sagen: \u00abBestimmt \u00fcber dreissig.\u00bb<\/p>\n<p>La Vita Felice, eine Agentur in der ostukrainischen Stadt Charkow, schreibt, sie habe \u00abmehrere Dutzend Schweizer Kunden\u00bb betreut. Zwar kann man diese Angaben wegen der medizinischen Schweigepflicht nicht nachpr\u00fcfen, dennoch erstaunt es, wenn Konsul Jean-Daniel Glauser von der Schweizer Botschaft in Kiew sagt: Man habe bei der Ausreise von Paaren mit Baby bisher erst dreimal eine Leihmutterschaft vermutet, letztmals 2011.<\/p>\n<p>In der Schweiz gibt es statistische Erhebungen dar\u00fcber, wie viele Feldhasen jedes Jahr von Z\u00fcgen \u00fcberfahren werden, aber \u00fcber die H\u00e4ufigkeit von Leihmutterschaften gibt es keine Zahlen. Auf Bundesebene ist man offensichtlich noch nicht auf das Thema sensibilisiert. Auch die \u00d6ffentlichkeit kennt erst einen einzigen Fall von Leihmutterschaft in der Schweiz, \u00fcber den das Schweizer Fernsehen vor zwei Jahren berichtete. Also fragten wir direkt bei denjenigen Stellen nach, die f\u00fcr Auslandgeburten zust\u00e4ndig sind: die Zivilstands\u00e4mter und die Botschaften.<\/p>\n<p><strong>Von Kanton zu Kanton variiert die Anzahl F\u00e4lle stark<\/strong><\/p>\n<p>Die Botschaften bearbeiteten 21 F\u00e4lle, die kantonalen Beh\u00f6rden \u00fcber 30. Bemerkenswert ist, dass die Zahlen von Kanton zu Kanton stark schwanken. W\u00e4hrend Z\u00fcrich sich noch nie mit einem Verdacht auf Leihmutterschaft befasste, waren es im halb so bev\u00f6lkerungsreichen Kanton Waadt bereits rund ein Dutzend F\u00e4lle. Dort verl\u00e4sst man sich nicht nur auf die Angaben der Schweizer Botschaft, sondern fordert von den Eltern zus\u00e4tzliche Informationen, wenn sie etwa von einer Indienreise mit einem Baby zur\u00fcckkommen.<\/p>\n<p>Auch der Kanton Bern bearbeitete rund 15 F\u00e4lle. Doch sie w\u00fcrden l\u00e4ngst nicht alle Leihmutterkinder erfassen, sagt Karin Schifferle, Leiterin des Zivilstandsdiensts im Kanton Bern. \u00abWenn zwei M\u00e4nner mit einem Neugeborenen einreisen oder die angebliche Mutter f\u00fcnfzig Jahre alt ist, gehen wir von einer Leihmutterschaft aus. Nicht aber bei j\u00fcngeren heterosexuellen Paaren. Es ist uns bewusst, dass die Dunkelziffer hoch ist.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Das erste Treffen mit der Leihmutter<\/strong><\/p>\n<p>Alice und David sind beide im zeugungsf\u00e4higen Alter. Daher wird sehr wahrscheinlich niemand misstrauisch werden, wenn sie demn\u00e4chst ihr Baby in die Schweiz mitnehmen. Aber noch denken sie nicht an die Heimreise.<\/p>\n<p>In der Lobby von Biotex in Kiew winkt Alice mit dem Ultraschallbild: \u00abEs ist ein M\u00e4dchen!\u00bb David strahlt. Die Leihmutter sei sympathisch, sie habe erz\u00e4hlt, dass sie die Bewegungen des Kindes sp\u00fcre. Trotzdem hat sich Alice pl\u00f6tzlich gesch\u00e4mt: \u00abSie ist 22 Jahre alt und hat bereits ein zweij\u00e4hriges Kind. Ich mache mir keine Illusionen. Das M\u00e4dchen ist arm und tut es wegen des Geldes.\u00bb<\/p>\n<p>Bei Biotex heisst es, die Leihmutter bekomme f\u00fcr ein Baby 6000 Franken. So viel verdienen andere Frauen nicht einmal in zwei Jahren. Das durchschnittliche Monatsgehalt in der Ukraine betr\u00e4gt 300 Franken.<\/p>\n<p><strong>Leihmutterschaft = Ausnutzung einer wirtschaftlichen Notlage?<\/strong><\/p>\n<p>Ob ein Leihmutterschaftsdeal die Ausnutzung einer wirtschaftlichen Notlage ist, wird vor allem in Frankreich und den USA kontrovers diskutiert. Kritiker sagen, die Frauen w\u00fcrden zu Produktionsmaschinen degradiert, man spricht von \u00abbaby farming\u00bb. Die psychischen Folgen f\u00fcr die meist jungen M\u00fctter seien nicht absehbar. Bef\u00fcrworter hingegen begr\u00fcssen, dass dank der Leihmutterschaft unfruchtbare oder homosexuelle Paare das Kindergl\u00fcck erleben d\u00fcrfen und die Leihm\u00fctter nicht nur finanziell, sondern auch emotional profitieren.<\/p>\n<p>In amerikanischen Talkshows erz\u00e4hlen gl\u00fcckliche Leihm\u00fctter, dass sie einzig aus N\u00e4chstenliebe f\u00fcr eine andere Frau ein Baby austragen und auch noch nach der Geburt einen engen Kontakt zu den Kindern pflegen. Seit Hollywoodstars ihre Kinder von Leihm\u00fcttern geb\u00e4ren lassen, ist das \u00abbaby business\u00bb in den USA weitgehend salonf\u00e4hig. Man geht davon aus, dass es heute gegen 500 Agenturen im Land gibt.<\/p>\n<p>Fakt ist jedoch auch, dass in den meisten F\u00e4llen ein grosses \u00f6konomisches Gef\u00e4lle besteht zwischen Auftraggeber und Leihmutter. Befragungen in verschiedenen US-Bundesstaaten haben ergeben, dass Leihm\u00fctter h\u00e4ufig in bescheidenen Verh\u00e4ltnissen leben und schlecht ausgebildet sind \u2013 Hispanics, Soldaten-Gattinnen oder Working Poor. Zudem ist das Leihmuttergesch\u00e4ft kaum reguliert. Immer wieder kommt es zu Gerichtsf\u00e4llen, weil Leihm\u00fctter bei der hormonellen Fruchtbarkeitsbehandlung oder w\u00e4hrend der Schwangerschaft krank werden, oder weil sie die ausgetragenen Kinder behalten wollen oder das versprochene Geld nie erhalten.<\/p>\n<p><strong>Das Verfahren ist nicht Risikofrei &#8211;\u00a0<\/strong><strong>Betrug kommt nicht selten vor<\/strong><\/p>\n<p>Die Haager Konferenz f\u00fcr Internationales Privatrecht listet in einem aktuellen Bericht weltweite Missbrauchsf\u00e4lle auf: Leihmutterschaften, die zu Menschenhandel und Kinderpornografie f\u00fchrten; ein Geschwisterpaar aus Frankreich, beide \u00fcber 60, das ein Leihmutterkind bestellte, um seine Erbschaft zu sichern; oder eine Israelin mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium, die ein Kind in Auftrag gab und kurz vor der Geburt starb. In den USA berichteten die Medien von der Besitzerin der Leihmutteragentur Surro Genesis, die mit dem Geld ihrer Kunden untertauchte, ohne Arztkosten oder Leihm\u00fctter bezahlt zu haben. Eine Leihmutter liess daraufhin das Kind abtreiben.<br \/>\nAuch Alice und David hatten zun\u00e4chst Pech. Bevor sie nach Kiew kamen, versuchten sie in Charkow, \u00fcber die bereits erw\u00e4hnte Agentur La Vita Felice ein Kind zu bekommen. Zweimal wurden ihrer Leihmutter angeblich mehrere befruchtete Eizellen eingepflanzt, doch sie soll alle nach wenigen Tagen oder Wochen wieder verloren haben. Das zumindest hat man dem Paar erz\u00e4hlt. \u00abVielleicht sind wir aber auch betrogen worden. Soll ja h\u00e4ufig vorkommen\u00bb, sagt David. Die meisten Agenturen zahlt man ratenweise. Alice und David hatten fast 15 000 Franken an La Vita Felice \u00fcberwiesen, wissen aber nicht mit Bestimmtheit, ob \u00fcberhaupt je eine Frau f\u00fcr sie befruchtet worden ist.<\/p>\n<p>Selbst wenn die Babys auf der Welt sind, kann es zu Schwierigkeiten kommen. Denn nicht nur in der Schweiz, auch in zahlreichen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern sind Leihmutterschaften verboten, unter anderem in s\u00e4mtlichen Nachbarstaaten sowie in Norwegen und Schweden. Immer wieder werden Paare an der Grenze gestoppt und d\u00fcrfen mit ihren Leihmutterkindern nicht in die Heimat reisen. Vor zwei Jahren wurde ein Schweizer Paar an der Ausreise aus Georgien gehindert. Das Schweizer Fernsehen hatte den Fall publik gemacht.<\/p>\n<p><strong>Die Schweiz muss sich endlich dem Problem stellen<\/strong><\/p>\n<p>Nationalr\u00e4tin Jacqueline Fehr w\u00e4re froh, es g\u00e4be die M\u00f6glichkeit der Leihmutterschaft erst gar nicht. \u00abDieses Thema \u00fcberfordert uns ethisch, sozial und gesellschaftlich.\u00bb Trotzdem m\u00fcsse sich die Schweiz nun endlich dem Problem stellen. Jacqueline Fehr hat Ende September ein Postulat im Nationalrat eingereicht, das den Bundesrat auffordert, einen umfangreichen Bericht zu verfassen.<\/p>\n<p>Marl\u00e8ne Hofstetter geht noch weiter. Sie will Leihmutterschaften legalisieren, denn: \u00abVerhindern kann man sie sowieso nicht mehr.\u00bb Marl\u00e8ne Hofstetter ist verantwortlich f\u00fcr den Bereich Adoption der Stiftung Terre des Hommes und fordert nun auch internationale Regeln f\u00fcr Leihmutterschaften. Nur so k\u00f6nnten Leihm\u00fctter, Kinder und Eltern gesch\u00fctzt werden. Die momentane Situation in der Schweiz sei unbefriedigend. Das Verbot werde st\u00e4ndig umgangen.<\/p>\n<p><strong>Die Legalisierung hat viele F\u00fcr- und Widersprecher<\/strong><\/p>\n<p>In Artikel 31 des Schweizer Bundesgesetzes \u00fcber die medizinisch unterst\u00fctzte Fortpflanzung steht geschrieben: \u00abWer bei einer Leihmutter ein Fortpflanzungsverfahren anwendet, wird mit Gef\u00e4ngnis oder mit Busse bestraft. Ebenso wird bestraft, wer Leihmutterschaften vermittelt.\u00bb Der Reproduktionsmediziner Peter Fehr kennt den Artikel 31. Trotzdem hat er schon einige Paare an Leihmutterkliniken in den USA \u00fcberwiesen. In seiner Praxis in Schaffhausen behandelt er mehrere Patientinnen, deren einzige M\u00f6glichkeit, ein Kind zu bekommen, eine Leihmutterschaft ist. \u00abIch kenne das grosse Leid dieser Paare. Selbstverst\u00e4ndlich helfe ich ihnen\u00bb, sagt er. Auch Peter Fehr will Leihmutterschaften legalisieren.<\/p>\n<p>Unter Fach\u00e4rzten gehen die Meinungen aber auseinander. Brida von Castelberg, Co-Chef\u00e4rztin der Frauenklinik Triemli in Z\u00fcrich, weiss von einer Schweizerin, die nicht aus medizinischen, sondern aus \u00e4sthetischen Gr\u00fcnden eine Leihmutter engagiert hat: \u00abDamit ihr K\u00f6rper straff bleibt und sie weiterhin Tennis spielen kann.\u00bb Die Frauen\u00e4rztin hat eine klare Haltung zu solchen Wellness-Leihmutterschaften: \u00abDekadent.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Alice und David packen ihre Koffer<\/strong><\/p>\n<p>Sie werden ihren Eltern, Geschwistern und besten Freunden vom ersten Ultraschall erz\u00e4hlen. Aber an die grosse Glocke h\u00e4ngen sie ihre ungew\u00f6hnliche Schwangerschaft bestimmt nicht. \u00abDas ist unsere ganz pers\u00f6nliche Geschichte.\u00bb<\/p>\n<p>Wenn sie das n\u00e4chste Mal nach Kiew fliegen, wird ihre Leihmutter bereits in den Wehen liegen. Sind sie rechtzeitig bei ihr im Spital, d\u00fcrfen sie bei der Geburt dabei sein. Das Neugeborene wird ihnen sogleich \u00fcbergeben, zusammen mit einer staatlichen Urkunde, auf der sie als rechtliche Eltern eingetragen sind. Vielleicht kann die Leihmutter das Baby noch kurz anschauen oder sogar in die Arme nehmen. Es ist aber schon nicht mehr ihr Kind.<\/p>\n<p><strong>Die Rolle der Schweizer Beh\u00f6rden<\/strong><br \/>\nWer mit einem Neugeborenen in die Schweiz einreisen will, muss bei der Schweizer Botschaft eine Geburtsurkunde f\u00fcr sein Baby vorlegen und einen Eintrag ins Personenstandsregister beantragen. Der Antrag wird via Eidgen\u00f6ssisches Departement f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten zum Amt f\u00fcr das Zivilstandswesen weitergeleitet und dann an die kantonale Zivilstandsbeh\u00f6rde des Heimatorts des Vaters. Ein administrativer Vorgang, der ein paar Tage in Anspruch nimmt, bei dem die Elternschaft aber normalerweise nicht hinterfragt wird.<\/p>\n<p>Einzig bei offensichtlichen F\u00e4llen von Leihmutterschaft, wenn die Mutter \u00fcber 45 ist oder zwei M\u00e4nner als Eltern in der Geburtsurkunde eingetragen sind, stellt die Botschaft oder das Zivilstandsamt Nachforschungen an.<\/p>\n<p>Schweizer, die eine Leihmutter suchen, reisen in die USA und die Ukraine, nach Indien, Thailand, Russland oder Georgien. Denn in diesen sechs L\u00e4ndern sind Leihmutterschaften legal und werden weitgehend kommerziell betrieben, mit wenigen Klicks findet man viele Agenturen im Internet.<\/p>\n<p>Zumindest aus rechtlicher Sicht w\u00e4re es konsequent, wenn die Beh\u00f6rden Paare, die aus einem dieser L\u00e4ndern mit einem Baby zur\u00fcckkommen, kontrollierten. Aber Mario Massa, Leiter des Eidgen\u00f6ssischen Amts f\u00fcr das Zivilstandswesen, sagt, diese Schweizer Touristen seien nicht per se verd\u00e4chtig. \u00abWir sind mobil, machen Gesch\u00e4fts- oder Ferienreisen, besuchen Verwandte auf der ganzen Welt.\u00bb Da k\u00f6nne es auch vorkommen, dass ein Kind in Russland geboren werde.<\/p>\n<p>Quelle: http:\/\/www.annabelle.ch\/liebe\/familie\/leihmutterschaft-unser-baby-made-ukraine-25949<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von einer Leihmutter ein Kind austragen lassen, das ist illegal \u2013 aber g\u00e4ngige Praxis. Unsere Autorin hat ein Schweizer Paar nach Kiew begleitet. Und berichtet \u00fcber ein boomendes Gesch\u00e4ft, das einige Risiken birgt. Eine Zunahme von 1000% von Leihmutterbabys Biotex bietet Bauchattrappen in drei Gr\u00f6ssen an. Die runden Silikonkissen k\u00f6nnen sich Kundinnen aus Westeuropa um die Taille binden. So t\u00e4uschen sie ihren Bekannten eine Schwangerschaft vor, w\u00e4hrend eine Frau im fernen Kiew ihr Kind austr\u00e4gt. 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