{"id":41431,"date":"2015-04-15T12:01:09","date_gmt":"2015-04-15T12:01:09","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=41431"},"modified":"2016-04-12T12:11:32","modified_gmt":"2016-04-12T12:11:32","slug":"die-schwangere-65-jahrige-und-das-geschaft-mit-den-eizellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=41431","title":{"rendered":"Die schwangere 65-J\u00e4hrige und das Gesch\u00e4ft mit den Eizellen"},"content":{"rendered":"<p><em>Wie Annegret Raunigk reisen viele Frauen f\u00fcr eine k\u00fcnstliche Befruchtung in die Ukraine. Dort gibt es keine gesetzliche Altersgrenze. Kliniken und Privatpraxen werben im Internet um deutsche Kunden.<\/em><\/p>\n<p class=\"p_1\">Wozu Frauen mit einem Kinderwunsch bereit sind, daf\u00fcr liefert die Berlinerin Annegret Raunigk derzeit ein aufsehenerregendes Beispiel \u2013 und ganz Deutschland diskutiert dar\u00fcber. Denn Raunigk ist 65 Jahre alt und im f\u00fcnften Monat schwanger. Sie erwartet Vierlinge. Das RTL-Magazin &#8222;Extra&#8220; hatte am Montagabend \u00fcber den brisanten Fall berichtet.<\/p>\n<p class=\"p_2\">Die Schwangerschaft der fr\u00fcheren Grundschullehrerin ist das Ergebnis einer k\u00fcnstlichen Befruchtung, bei der sowohl der Samen als auch die Eizelle von Spendern stammen. In ihrem Alter war Raunigk, die bereits Mutter von 13 Kindern im Alter zwischen neun und 44 Jahren ist, nicht mehr in der Lage, auf nat\u00fcrlichem Wege schwanger zu werden. Weil jedoch die Eizellspende in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz verboten ist, reiste Raunigk f\u00fcr diese Methode in die Ukraine. Wie die Recherchen von Morgenpost-Reporter Vitali Bahdanau ergeben haben, existiert dort ein florierender Zweig f\u00fcr Reproduktionsmedizin, der sich vor allem auf Kundinnen aus Deutschland spezialisiert hat.<\/p>\n<h2>Kliniken werben offensiv<\/h2>\n<p class=\"p_3\">Der Bericht \u00fcber die au\u00dfergew\u00f6hnliche Risikoschwangerschaft wirft dabei auch ein Schlaglicht auf den florierenden Zweig der Reproduktionsmedizin in der Ukraine, der sich vor allem auf deutsche Kundinnen spezialisiert hat. Denn dort ist erlaubt, was in Deutschland undenkbar ist, wie die Recherchen des russischsprachigen Morgenpost-Reporters Vitali Bahdanau ergeben haben.<\/p>\n<p class=\"p_4\">Vor eineinhalb Jahren hatte sich die Grundschullehrerin Raunigk, bereits Mutter von 13 Kindern im Alter von neun bis 44 Jahren, erneut f\u00fcr eine Schwangerschaft entschieden. Weil die 65-J\u00e4hrige jedoch l\u00e4ngst nicht mehr fruchtbar war, reiste sie f\u00fcr Eizellenspenden, k\u00fcnstliche Befruchtungen und Hormontherapien in das osteurop\u00e4ische Land. In Deutschland w\u00e4re ein solcher Eingriff nicht m\u00f6glich gewesen. Eine k\u00fcnstliche Befruchtung mit Eizellen-Spende ist nach dem Embryonenschutzgesetz verboten.<\/p>\n<h3>Ukrainische Kliniken und Praxen werben auf Deutsch<\/h3>\n<p class=\"p_5\">Im Internet finden sich demnach etliche deutschsprachige Seiten von ukrainische Kliniken und privaten Praxen, die Behandlungen aus dem Bereich der Reproduktionsmedizin anbieten. Die Ukraine gilt inzwischen sogar als Geheimtipp f\u00fcr deutsche Frauen, die auf diese Weise ein Kind bekommen m\u00f6chten, wenn sie dazu aus Alters- oder aus anderen Gr\u00fcnden nicht in der Lage sind. &#8222;Es gibt keine absolute Unfruchtbarkeit! Wir behandeln sogar die hoffnungslosesten F\u00e4lle, indem wir die effektivsten Methoden der Reproduktionsmedizin verwenden&#8220;, schreibt beispielsweise die Klinik Biotexcom in der Hauptstadt Kiew.<\/p>\n<p class=\"p_6\">Die Klinik wirbt unter anderem damit, dass sie auch zwei Frauen im Alter von 66 Jahren geholfen habe, ein Kind zu bekommen: Eine von ihnen sei eine pensionierte Pfarrerin aus der Schweiz, die mit Hilfe der Einrichtung Zwillinge auf die Welt gebracht habe. Auch eine 66-j\u00e4hrige Frau aus Frankfurt sei vor kurzem bei Biotexcom erfolgreich befruchtet worden, hie\u00df es. Etwa f\u00fcnf Jahre lang sei sie zuvor auf der Suche nach der passenden Klinik gewesen. In Moskau sei sie beispielsweise abgelehnt worden, weil sie alleinstehend war. Auch in vielen anderen L\u00e4ndern habe sie kein Gl\u00fcck gehabt, weil dort Eizellenspenden zwar erlaubt, aber anders als in der Ukraine mit einer Altersgrenze versehen seien.<\/p>\n<h3>9900 Euro f\u00fcr das Paket Eizellspende<\/h3>\n<p class=\"p_7\">Auch \u00fcber die Kosten gibt es konkrete Angaben, wie die Recherchen der Morgenpost ergeben haben: Das Paket Eizellspende kostet bei der Kiewer Klinik 9900 Euro \u2013 zumindest dann, wenn lediglich die Eizellspende und keine Samenspende erforderlich ist. Das Paket umfasst zwei Aufenthalte in der Ukraine: Der erste Besuch dauert ein bis zwei Tage und beinhaltet das Erstgespr\u00e4ch mit dem Arzt und alle medizinischen Untersuchungen. Der zweite Aufenthalt dauert zwischen f\u00fcnf und zehn Tagen. Hier erfolgt die Implantation der Embryonen, die zuvor in vitro gezeugt wurden. Die Auswahl der Eizellspenderin erfolgt dabei wie aus dem Katalog: Die Patientin kann etwa die K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe, das Gewicht, die Haar- und Augenfarbe der Spenderin ausw\u00e4hlen. Wenn die Behandlung erfolgreich ist \u2013 und die Patientin ihr Baby in der Ukraine zur Welt bringt \u2013 k\u00fcmmert sich die Klinik auch um die Ausstellung der Geburtsurkunde und die Ausfertigung des Passes f\u00fcr das Kind, damit es mit seinen Eltern aus dem Land ausreisen kann. Doch auch in der Ukraine sind nicht alle Kliniken bereit, Frauen in einem ungew\u00f6hnlich hohen Alter zu behandeln. Etwa bei der Klinik &#8222;Isida&#8220; liege die H\u00f6chstgrenze bei 51 Jahren, wie die Managerin auf Morgenpost-Anfrage mitteilte.<\/p>\n<h3>Frauen\u00e4rzte warnen vor Risiken<\/h3>\n<p class=\"p_8\">W\u00e4hrend die in Spandau lebende Annegret Raunigk gegen\u00fcber dem Sender RTL mehrfach betonte, sie f\u00fchle sich &#8222;fit und gesund&#8220; genug, eine Vierlingsschwangerschaft auszutragen, warnen deutsche Frauen\u00e4rzte vor gro\u00dfen gesundheitlichen Risiken. Vierlingsschwangerschaften seien &#8222;in jedem Alter mit erheblichen Risiken und Gefahren f\u00fcr Mutter und Kinder verbunden&#8220;, erkl\u00e4rte der Berufsverband der Frauen\u00e4rzte (BVF) am Dienstag in Berlin. So steige das bei einer \u00e4lteren Frau ohnehin schon erh\u00f6hte Thromboserisiko. Auch das Risiko f\u00fcr Bluthochdruck und Schwangerschaftsdiabetes sei bei Mehrlingsschwangerschaften \u2013 unabh\u00e4ngig vom Alter \u2013 erh\u00f6ht. Au\u00dferdem k\u00f6nnten durch die \u00dcberdehnung der Geb\u00e4rmutter schwere Blutungen entstehen. Den Babys drohe w\u00e4hrend der Schwangerschaft eine Unterversorgung und schlie\u00dflich eine Fr\u00fchgeburt mit andauernden gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigungen wie Seh- und H\u00f6rsch\u00e4den sowie Entwicklungsst\u00f6rungen. &#8222;Es ist ausgeschlossen, dass Vierlinge reif geboren werden&#8220;, erkl\u00e4rte der Berufsverband. Vierlingsschwangerschaften werden demnach im Durchschnitt bereits nach 31 Schwangerschaftswochen beendet. Auch die &#8222;Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder ihre Mutter noch nach ihrem 20. Lebensjahr haben, ist gering&#8220;.<\/p>\n<p class=\"p_9\">Nach Angaben der Frauen\u00e4rzte bedeute jede Schwangerschaft unabh\u00e4ngig vom Alter der Mutter eine erhebliche Belastung f\u00fcr K\u00f6rper und Kreislauf. Von einer Schwangerschaft wie im Fall der 65-J\u00e4hrigen, die mittels Samen- und Eizellspende und mit Hilfe einer Hormonbehandlung entstand, &#8222;kann deshalb nur abgeraten werden&#8220;. Solche Einw\u00e4nde gegen ihre sp\u00e4te Schwangerschaft wies Raunigk in der RTL-Sendung &#8222;Extra&#8220; jedoch zur\u00fcck. &#8222;Ich finde, das muss man f\u00fcr sich selber entscheiden&#8220;, sagte sie. Risiken gebe es schlie\u00dflich in jedem Alter. Eine sogenannte Reduktion, also ein selektiver Schwangerschaftsabbruch bei Mehrlingsschwangerschaften, sei f\u00fcr sie nie in Frage gekommen.<\/p>\n<p class=\"p_9\">\n<p>http:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/article139574578\/Die-schwangere-65-Jaehrige-und-das-Geschaeft-mit-den-Eizellen.html<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Annegret Raunigk reisen viele Frauen f\u00fcr eine k\u00fcnstliche Befruchtung in die Ukraine. Dort gibt es keine gesetzliche Altersgrenze. 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