{"id":41390,"date":"2016-04-04T10:43:53","date_gmt":"2016-04-04T10:43:53","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=41390"},"modified":"2016-04-04T10:43:53","modified_gmt":"2016-04-04T10:43:53","slug":"ein-mosaik-der-mediterranen-kulturen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=41390","title":{"rendered":"Ein Mosaik der mediterranen Kulturen"},"content":{"rendered":"<div class=\"image_description\">\u201eGainsbourg loved Mechouia\u201c: Mit seiner Frau dichtet Sofiane Ben Chaabane K\u00fcnstlern und Intellektuellen allerlei tunesische Vorlieben an.<\/div>\n<p>Die tunesische Mode steht beispielhaft f\u00fcr die Chancen in einem Land der Umbr\u00fcche \u2013 und f\u00fcr dessen Probleme. Ein Besuch in Tunis.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Hemingway liebte Couscous, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/andy-warhol\">Andy Warhol<\/a> ebenfalls. Frida Kahlo bevorzugte Hummus, und Simone de Beauvoir hatte eine Schw\u00e4che fur Baklava. Diese Vorlieben gro\u00dfer Intellektueller und Kunstler fur tunesische Kulinarik durften zwar in keinem Geschichtsbuch verburgt sein, aber als Stickereien und Prints sind sie das Markenzeichen von Lyoum, einem Modelabel mit Sitz in Tunis.<\/p>\n<p>2011 grundeten die Franzosin Claire Ben Chaabane und ihr tunesischer Mann Sofiane Ben Chaabane ihre Firma. Deren tunesisch-arabischer Name bedeutet ubersetzt \u201eheute\u201c und ist Programm: Die Designs von Lyoum sind zeitgem\u00e4\u00df, global und zugleich voller Referenzen an die tunesische Kultur.<\/p>\n<p>Naturliche Materialien und Farben dominieren in dem hellen Showroom mit den wei\u00df getunchten W\u00e4nden und der gro\u00dfen Fensterfront in La Marsa, einem Vorort von Tunis. Wer Neonfarben und Glitzerpailletten sucht, ist hier falsch. Zum Interview erscheint Sofiane Ben Chaabane selbstverst\u00e4ndlich in einem seiner eigenen Entwurfe: \u201eGainsbourg loved Mechouia\u201c steht auf seinem wei\u00dfen Sweatshirt aus grobgewebter Baumwolle.<\/p>\n<p>Inspiriert vom 100-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Tunis-Reise von August Macke, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/paul-klee\">Paul Klee<\/a> und Louis Mouillet, uberlegten er und seine Frau 2014, was die Maler in dem kleinen Mittelmeerland jenseits von Motiven und Farbenpracht entdeckten &#8211; und was sie wohl gerne a\u00dfen. \u201eDie Kuche eines Landes eroffnet schlie\u00dflich dessen Kultur\u201c, erkl\u00e4rt der 36-J\u00e4hrige.<\/p>\n<h2>Musiklegenden im Fokus<\/h2>\n<p>Von den Spekulationen uber Macke und Co war der Weg zu Gedankenspielen uber andere Kunstler und Intellektuelle nicht weit. Und so kam Hemingway zu seinem Couscous, Klimt zu Kebab und das Designer-Paar zu seinem Markenzeichen. \u201eThey Loved Tunisian Food\u201c nannten sie ihre erste Kollektion fur Erwachsene, die ihnen den textilen Durchbruch verschaffte. Schon nach zwei Wochen war die erste Charge ausverkauft. Seit die Entwurfe online zu haben sind, w\u00e4chst der Kundenstamm auch in Europa.<\/p>\n<p>Claire l\u00e4sst sich entschuldigen, sie steckt mitten in den letzten Vorbereitungen der Fruhlingskollektion. \u201eCouscous Pop\u201c hei\u00dft sie und soll schon in wenigen Tagen in den Boutiquen h\u00e4ngen. Diesmal stehen Musiklegenden im Fokus: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/john-lennon\">John Lennon<\/a> etwa, Kurt Cobain, aber auch die \u00e4gypterin Umm Kulthum. Und noch etwas stellt Sofiane gleich zu Beginn klar: \u201eWir sind keine gelernten Modedesigner.\u201c<\/p>\n<p>Das Paar lernte sich w\u00e4hrend des Studiums an einer Pariser Grande Ecole kennen, sp\u00e4ter arbeiteten beide im Marketing: er bei Saatchi &#038; Saatchi, sie beim franzosischen Textilgiganten Vivarte.<\/p>\n<p>2011 erlebten sie die Revolution in seiner Heimat Tunesien aus der Ferne mit und zogerten nicht lange: \u201eWir wollten einen Beitrag zum Neuanfang leisten\u201c, erz\u00e4hlt Ben Chaabane. Der Umzug nach Tunis war beschlossene Sache.<\/p>\n<h2>Umbruche als Inspiration<\/h2>\n<p>Nach so langer Zeit in Frankreich sei es fur ihn eher ein Aufbruch ins Ungewisse gewesen als eine Ruckkehr, genau wie fur seine Frau. \u201eDie arabischen Umbruche waren ja eine globale Erfahrung und Inspiration.\u201c Tats\u00e4chlich war 2011 fast die ganze Welt per Smartphone live dabei, als Pr\u00e4sident <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/ben-ali\">Ben Ali<\/a> aus dem Amt gejagt wurde.<\/p>\n<p>Die beiden brachen ihre Zelte in Paris ab, gingen mit ihren zwei Kindern nach Tunis und grundeten dort ihre Firma. Wenn Ben Chaabane das erz\u00e4hlt, klingt es ganz selbstverst\u00e4ndlich, ausgerechnet im postrevolution\u00e4ren, politisch und wirtschaftlich fragilen Tunesien einen beruflichen Neuanfang zu wagen. Und das auch noch in einer Branche, in der man weder viel Erfahrung noch Kontakte vor Ort hat.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/stil\/mode-design\/tunesische-mode-ein-mosaik-der-mediterranen-kulturen-14121186.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/stil\/mode-design\/tunesische-mode-ein-mosaik-der-mediterranen-kulturen-14121186.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGainsbourg loved Mechouia\u201c: Mit seiner Frau dichtet Sofiane Ben Chaabane K\u00fcnstlern und Intellektuellen allerlei tunesische Vorlieben an. Die tunesische Mode steht beispielhaft f\u00fcr die Chancen in einem Land der Umbr\u00fcche \u2013 und f\u00fcr dessen Probleme. 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