{"id":41166,"date":"2016-04-02T07:00:04","date_gmt":"2016-04-02T07:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=41166"},"modified":"2016-04-02T07:00:04","modified_gmt":"2016-04-02T07:00:04","slug":"kein-fluchtlingsheim-ins-nobelviertel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=41166","title":{"rendered":"Kein Fl\u00fcchtlingsheim ins Nobelviertel"},"content":{"rendered":"<div class=\"image_description\">Wer darf hier hinein? Die Avenue de Versailles im XVI. Arrondissement.<\/div>\n<p>Das 16. Arrondissement ist ein glamour\u00f6ses Pariser Viertel, das f\u00fcr Glanz und Wohlstand steht. Fu\u00dfballstars, Politiker und Unternehmer leben hier. Der geplante Bau eines Fl\u00fcchtlingsheims f\u00fchrt nun aber zu zahlreichen Protesten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das XVI. Arrondissement ist nicht irgendein Stadtviertel von Paris. Fast zwei Jahrzehnte wurde es von einem Spross der Champagner-Dynastie Taittinger verwaltet. Bis heute klingt \u201ele Seizieme\u201c nach Champagner und Reichtum. Der Eiffelturm ist nicht weit, und im Westen grenzt das Arrondissement an die gro\u00dfte Grunfl\u00e4che der Hauptstadt, den Stadtforst Bois de Boulogne. Der Fu\u00dfballstar vom Pariser Club PSG, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/sport\/thema\/zlatan-ibrahimovic\">Zlatan Ibrahimovic<\/a>, hat sich dort niedergelassen, Schlagers\u00e4ngerin C line Dion eine Villa gekauft. Auch Frankreichs Milliard\u00e4re sch\u00e4tzen die Lage, der Telekomzar Xavier Niel, Medienfurst Vincent Bollor  und der Rustungsunternehmer Arnaud Lagardere wohnen hier. Der durchschnittliche Immobilienpreis pro Quadratmeter liegt zwischen 8000 und 10.000 Euro. \u201eEs ist wie eine Stadt auf dem Land\u201c, schw\u00e4rmte Carla Bruni kurzlich im \u201eJournal du 16\u201c. Sie und ihr Mann Nicolas Sarkozy liebten ihr Wohnviertel, \u201edie L\u00e4den, die kleinen Gassen, die dorflichen Ger\u00e4usche, den Gemuseh\u00e4ndler am Ende der Stra\u00dfe, die gro\u00dfen B\u00e4ume in der Avenue Mozart\u201c. \u201eEs ist sehr angenehm, hier zu flanieren, ohne festes Ziel\u201c, sagte die fruhere Premiere Dame.<\/p>\n<p>Doch nun droht die sozialistische Burgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, die Idylle zu zerstoren. Das furchten zumindest die Mitglieder des Dachverbands zum Schutz des Pariser Stadtwaldes \u201eSauvons le Bois de Boulogne\u201c. 20 Vereine gehoren dem Dachverband an, und sie laufen seit Wochen Sturm gegen das Vorhaben der Burgermeisterin, im Bois de Boulogne eine Notunterkunft fur 200 Fluchtlinge und Obdachlose zu schaffen. Die Schutzbedurftigen, so der Plan der Burgermeisterin, sollen in holzverkleideten Wohncontainern am Rand des Stadtforstes beherbergt werden. Die ubergangslosung ist fur drei Jahre gedacht, bis die Stadt genugend andere Heime gebaut hat. Am Mittwochabend bewilligte die linke Mehrheit im Pariser Stadtrat einen Kredit uber vier Millionen Euro fur den Verein \u201eAurore\u201c. \u201eAurore\u201c soll die Notunterkunft verwalten, die Stadt ubernimmt die Garantie fur den Kredit. Doch der konservative Burgermeister des XVI., der Republikaner Claude Goasguen, droht mit einem Gerichtsprozess. Der Stadtwald sei geschutzt und durfe nicht bebaut werden, sagte Goasguen. \u201eDas Problem ist nicht das Fluchtlingslager, sondern der Ort, an dem es gebaut werden soll\u201c, sagte er. Mit genau diesem Argument versuchen die Mitglieder von \u201eSauvons le Bois de Boulogne\u201c ihren Widerstand gegen das ubergangslager zu begrunden. Sie haben mehr als 50.000 Unterschriften fur eine Petition \u201ezur Verteidigung des Bois de Boulogne\u201c gesammelt.<\/p>\n<p>Christophe Blanchard-Dignac steht dem Dachverband vor, und er betont im Gespr\u00e4ch, dass er sich schon \u201eseit Jahren\u201c dem Schutz des Stadtforstes verschrieben habe. Mit ausl\u00e4nderfeindlichen Ideen will er nicht in Verbindung gebracht werden. \u201eAber der Stadtforst ist ein Erholungsgebiet und nicht zum Wohnen gedacht\u201c, sagt Blanchard-Dignac. Vor dem Ruhestand leitete er die staatliche Lottogesellschaft \u201eFrancaise des Jeux\u201c, jetzt sieht er sich als Verteidiger \u201eder B\u00e4ume, der Spazierg\u00e4nger, Jogger und Radfahrer\u201c. \u201eStellen Sie sich vor, im Londoner Hyde Park wurde ein Fluchtlingsheim gebaut\u201c, emport er sich. Nur in Paris sei es denkbar, die wenigen Grunfl\u00e4chen fur \u201eideologisch motivierte\u201c Besiedlungsprojekte zu nutzen. Blanchard-Dignac spricht auch von Eltern, die fortan Angst haben mussten, wenn ihre Kinder ins nahe gelegene Schwimmbad Auteuil gingen.<\/p>\n<h2>\u201eUnsere Argumente werden einfach ignoriert\u201c<\/h2>\n<p>Mit den Unruhestiftern, die vor kurzem eine Ansiedler-Versammlung mit dem Rathaus storten, will er hingegen nichts gemein haben. Er mutma\u00dft sogar, dass die Ausf\u00e4lligkeiten bewusst vom Rathaus organisiert wurden, um die \u201eanst\u00e4ndigen Gegner\u201c zu kompromittieren. Bei der Versammlung in einem Saal der Universit\u00e4t Paris-Dauphine war die Pr\u00e4fektin von Paris, Sophie Brocas, als \u201eSchlampe\u201c und der Architekt der Wohncontainer-Siedlung als \u201eHurensohn\u201c und \u201eLugner\u201c beschimpft worden. Besucher der Versammlung fuhrten Schilder mit sich, auf denen \u201eDschungel nein\u201c oder \u201eKein neues Sangatte im 16.!\u201c stand. Damit spielten sie auf Fluchtlingslager in Calais an. Zu einer ernsthaften Debatte kam es nicht, der Tumult war so gro\u00df, dass der Saal ger\u00e4umt werden musste. \u201eUnsere Argumente werden einfach ignoriert\u201c, beklagt sich Blanchard-Dignac.<\/p>\n<p>Hidalgos Wohnbeauftragter, der Kommunist Ian Brossat, h\u00e4lt dem Dachverband hingegen \u201eirrationale Panikmache\u201c vor. Der Versuch, \u201edas Getto der Reichen\u201c zu verteidigen, werde scheitern, drohte Brossat. \u201eDie Bewohner des XVI. wollen sich nicht von Leuten umgeben sehen, die derzeit auf der Stra\u00dfe ubernachten mussen. Das ist sozialer Egoismus\u201c, sagte er w\u00e4hrend der Stadtratssitzung am Mittwochabend. \u201eIch sch\u00e4me mich fur mein Viertel\u201c, schrieb der fruhere Chefredakteur der Wochenzeitschrift \u201eParis Match\u201c, Alain Genestar.<\/p>\n<p>Er lebe seit 30 Jahren mit seiner Familie im XVI., aber sei zutiefst schockiert uber die \u201eherablassenden oder klar ausl\u00e4nderfeindlichen und rassistischen Argumente\u201c gegen das Lager. \u201eDiese Leute aus dem 16. reagieren mit so viel ubertreibung und Arroganz, weil sie einen einheitlichen sozialen Block bilden. Sie unterstutzen sich. Sie gehoren einem Clan feiner Leute an und halten sich fur wohlerzogen\u201c, schrieb Genestar. Aber ihnen fehle jegliche moralische Eleganz. \u201eIch tr\u00e4ume davon, dass wir Spruchb\u00e4nder fur die Fluchtlinge aufh\u00e4ngen: Willkommen im 16.\u201c, schloss Genestar.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/pariser-nobelviertel-kaempft-gegen-fluechtlingsheim-14153881.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/pariser-nobelviertel-kaempft-gegen-fluechtlingsheim-14153881.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer darf hier hinein? Die Avenue de Versailles im XVI. Arrondissement. Das 16. Arrondissement ist ein glamour\u00f6ses Pariser Viertel, das f\u00fcr Glanz und Wohlstand steht. Fu\u00dfballstars, Politiker und Unternehmer leben hier. 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