{"id":40672,"date":"2016-03-03T10:49:50","date_gmt":"2016-03-03T10:49:50","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=40672"},"modified":"2016-03-03T10:49:50","modified_gmt":"2016-03-03T10:49:50","slug":"vorurteile-schubladen-in-unseren-kopfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=40672","title":{"rendered":"Vorurteile: Schubladen in unseren K\u00f6pfen"},"content":{"rendered":"<p>Warum wir Menschen \u201euns\u201c von \u201eden anderen\u201c unterscheiden, erforschen Sozialpsychologen seit Jahrzehnten. Und sie finden Antworten darauf, wie sich feindselige Gruppen vers\u00f6hnen lassen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Schwaben sind geizig und Berliner unhoflich, das wei\u00df jedes Kind. Genauso stimmt naturlich, dass Frauen zu viel quasseln und M\u00e4nner lieber schweigen, weil sie nicht uber ihre Gefuhle reden konnen. Au\u00dferdem haben Araber grunds\u00e4tzlich ein Problem mit Frauen.<\/p>\n<p>Wenn der Hamburger Sozialpsychologe Hans-Peter Erb solche S\u00e4tze hort, wei\u00df er sofort, womit er es zu tun hat: mit klassischen Vorurteilen. Jeder habe Vorurteile, Erb findet das zun\u00e4chst einmal sehr menschlich. Die Frage sei, wie es dazu komme: \u201eWir kategorisieren ganz automatisch und teilen die Welt in Gruppen ein\u201c, erkl\u00e4rt der Forscher von der Helmut-Schmidt-Universit\u00e4t Hamburg. Jedem Menschen werde dabei eine eigene Schublade zugewiesen. Der eine habe schwarze Augen, ein anderer gro\u00dfe Ohren. Und schon wurden aus den Eigenschaften einpr\u00e4gsame Stereotype, die vereinfacht Personen oder eine Gruppe charakterisieren. Das alles geschehe rasend schnell, in Bruchteilen einer Sekunde, und in einer Art Autopilotverfahren, wie Erb es beschreibt. Und naturlich ist das keineswegs sinnlos: Die Schubladen helfen uns, die Welt zu ordnen und die ubersicht zu behalten.<\/p>\n<h2>Sparsame Schwaben werden zu Geizh\u00e4lsen<\/h2>\n<p>Die Kategorisierung erfulle jedoch noch einen zweiten Zweck: Sie teile die Menschen in \u201ewir\u201c und \u201edie da\u201c, sagt Erb. Schlie\u00dflich habe sich die F\u00e4higkeit, zwischen \u201eder hier ist ein Verbundeter\u201c und \u201eder da will mir eine Keule uber den Kopf hauen\u201c zu unterscheiden, als uberlebenswichtig erwiesen. Wer dabei in der sogenannten Eigengruppe landet, wird besonders gesch\u00e4tzt und bevorzugt behandelt, das zeigen zahlreiche Studien. Das Mitglied einer Fremdgruppe hingegen wird entsprechend unfreundlicher eingestuft. Aber w\u00e4hrend der Einordnung passieren Fehler. Einige Schwaben landen vielleicht vorschnell in der Geiz-Schublade, obwohl sie ausgesprochen gro\u00dfzugig sind. Oder das Stereotyp erweist sich komplett als Irrtum, weil Frauen, wenn man es genauer untersucht, keineswegs mehr reden als M\u00e4nner. Warum Kategorien gef\u00e4hrlich sein konnen: Den Schubladen wird oft ein zus\u00e4tzliches Etikett angeheftet, eine positive oder negative Wertung. Und schon werden sparsame Schwaben zu Geizh\u00e4lsen, Frauen zu geschw\u00e4tzigen Klatschbasen und aus dem &#8211; womoglich falschen &#8211; Stereotyp ein Vorurteil. Hinzu kommen die Ressentiments, die eine Gesellschaft ihren Mitgliedern fast automatisch mit auf den Weg gibt. Beispiel Migration: Polen werden aus Sicht der Deutschen mit Autodieben gleichgesetzt, Italiener mit Mafiosi und Kosovaren mit Einbrechern. \u201eDas liegt daran, dass das Bild von Einwanderern in Deutschland seit langem mit einem Gefuhl von Bedrohung verknupft ist\u201c, sagt Ulrich Wagner, Sozialpsychologe an der Universit\u00e4t Marburg.<\/p>\n<p>Wie solche Bilder entstehen konnen, hat der turkisch-amerikanische Psychologe Muzafer Sherif Mitte des 20. Jahrhunderts recht drastisch demonstriert. Sherif war ein Pionier der Konfliktforschung, dabei besch\u00e4ftigte ihn eine Frage besonders: Kann man friedliche Jungen in erbitterte Feinde verwandeln? Um das herauszufinden, lud er im Sommer 1954 zweiundzwanzig sich vollig fremde Elfj\u00e4hrige in ein Ferienlager im Robbers Cave State Park und trennte sie dort in zwei Gruppen auf. Sie waren die \u201eEagles\u201c (Adler) und die \u201eRattlers\u201c (Klapperschlangen). Sherif wies beiden Gruppen eigene Schlaf- und Badepl\u00e4tze zu, &#8211; hielt sie auf Distanz und steckte die Jungs in Hemden mit verschiedenen Emblemen. So entstanden eingeschworene Gemeinschaften mit eigenen Hierarchien und typischen Verhaltensmustern. Dann lie\u00df er sie gegeneinander antreten.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/vorurteile-schubladen-in-unseren-koepfen-14094558.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/vorurteile-schubladen-in-unseren-koepfen-14094558.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum wir Menschen \u201euns\u201c von \u201eden anderen\u201c unterscheiden, erforschen Sozialpsychologen seit Jahrzehnten. 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