{"id":39558,"date":"2015-12-02T09:29:49","date_gmt":"2015-12-02T09:29:49","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=39558"},"modified":"2015-12-02T09:29:49","modified_gmt":"2015-12-02T09:29:49","slug":"empirische-asthetik-oh-tannenbaum-im-schallschutzraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=39558","title":{"rendered":"Empirische \u00c4sthetik: Oh Tannenbaum im Schallschutzraum"},"content":{"rendered":"<p>Wie funktioniert ein Sommerhit? Und warum k\u00f6nnen wir auch das sch\u00f6nste Weihnachtslied irgendwann nicht mehr ertragen? Antworten sucht die empirische \u00c4sthetik.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist wieder so weit. Kaum ist das Radio eingeschaltet, schallt uns schon bald \u201eLast Christmas\u201c entgegen, ein Hit des britischen Popduos \u201eWham!\u201c aus dem Jahr 1984. Wechseln wir den Sender, ert\u00f6nt Frank Sinatras \u201eLet it snow\u201c, in der Grundschule singt die Klasse \u201eSchneefl\u00f6ckchen, Wei\u00dfr\u00f6ckchen\u201c, und der Kirchenchor \u00fcbt f\u00fcr die Adventsgottesdienste.<\/p>\n<p>Weihnachten ohne Musik ist schwer vorstellbar. Auch den Rest des Jahres besuchen wir Konzerte, lassen beim Autofahren das Radio dudeln und erz\u00e4hlen von Songs, die wir beim Streamen entdeckt haben. L\u00e4ngst nicht immer ist es dieselbe Sorte Musik, die gef\u00e4llt, vor allem im Vergleich unterschiedlicher Kulturkreise. Aber was ist es \u00fcberhaupt, das wir in einem St\u00fcck als sch\u00f6n wahrnehmen? Warum ist das so? Und wieso werden wir selbst des besten Liedes irgendwann \u00fcberdr\u00fcssig?<\/p>\n<h2>Musik unter der Gummihaube<\/h2>\n<p>Hirnforscher k\u00f6nnen einige dieser Fragen bereits beantworten. Die Studienteilnehmerin Elena Felker sitzt in einem schallisolierten Raum im erst k\u00fcrzlich er\u00f6ffneten Max-Planck-Institut f\u00fcr empirische \u00c4sthetik (MPIEA) in Frankfurt: vier Quadratmeter Grundfl\u00e4che, die W\u00e4nde blassgelb, die Rolll\u00e4den des einzigen Fensters heruntergezogen. Die Musik, die sie jetzt aus zwei Lautsprechern h\u00f6rt, hat sie nicht selbst ausgesucht, es sind auch keine vollst\u00e4ndigen Lieder, sondern lediglich vierzig bis f\u00fcnfzig Sekunden lange Ausschnitte. Auf Rock folgt Klassik, auf einen Popsong amerikanischer Jazz. Im Nachbarraum beobachtet Diana Omigie, Neuropsychologin am MPIEA, auf einem Monitor, wie sich die Spannung an Felkers Sch\u00e4deldecke ver\u00e4ndert. Mit einer Gummihaube sind 32 Elektroden am Kopf der Probandin befestigt. Ein Brustg\u00fcrtel misst ihre Atemfrequenz, eine Elektrode an ihrem Ringfinger den Puls, zwei weitere den Widerstand ihrer Haut und registrieren daf\u00fcr jedes Schwei\u00dftr\u00f6pfchen. Auf diese Weise will Omigie rekonstruieren, welche Hirnbereiche ihrer Probanden zu welchem Zeitpunkt des Liedes besonders aktiv waren, und herausfinden, was in unseren K\u00f6pfen vor sich geht, wenn wir Lieder h\u00f6ren, die wir m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist die gemessene Hirnaktivit\u00e4t erst der Schlusspunkt eines l\u00e4ngeren Rezeptionsprozesses. Musik ist zun\u00e4chst Schall, der sich wellenf\u00f6rmig in der Luft ausbreitet. Treffen die Schallwellen auf das Trommelfell im Mittelohr, versetzen sie die d\u00fcnne Membran in Schwingungen, die \u00fcber die Geh\u00f6rkn\u00f6chelchen Hammer, Amboss und Steigb\u00fcgel an das Innenohr weitergeleitet werden. Dort findet die Umwandlung in ein Nervensignal statt. In der H\u00f6rschnecke, der sogenannten Cochlea, reagieren Haarzellen frequenzabh\u00e4ngig auf die eingehenden Schwingungen. Die Informationen werden von Nervenfasern bis in den Hirnstamm geleitet. Hier entsteht die eigentliche Musik. Das Gehirn prozessiert die Informationen \u00fcber Tempi und Tonh\u00f6hen und setzt sie dadurch erst zu einer Melodie zusammen &#8211; und produziert schlie\u00dflich die physikalisch messbaren Reaktionen unsere K\u00f6rpers auf die Musik.<\/p>\n<h2>Was haben Essen, Sex und Musik gemeinsam?<\/h2>\n<p>\u201eWenn wir ein Lied h\u00f6ren, das wir m\u00f6gen, beschleunigt sich unser Puls und wir atmen schneller\u201c, sagt Omigie. Im Gehirn besonders aktiv sind die H\u00f6rrinde, die akustische Reize verarbeitet, sowie der pr\u00e4frontale Kortex, der Ged\u00e4chtnisinhalte mit sensorischen Signalen verbindet. Auch in einigen weiter innen gelegenen Hirnregionen, die mit dem EEG nicht erreicht werden k\u00f6nnen, erh\u00f6ht sich die Aktivit\u00e4t beim Musikh\u00f6ren.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/empirische-aesthetik-oh-tannenbaum-im-schallschutzraum-13937864.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/empirische-aesthetik-oh-tannenbaum-im-schallschutzraum-13937864.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie funktioniert ein Sommerhit? Und warum k\u00f6nnen wir auch das sch\u00f6nste Weihnachtslied irgendwann nicht mehr ertragen? 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