{"id":39556,"date":"2015-12-03T23:17:04","date_gmt":"2015-12-03T23:17:04","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=39556"},"modified":"2015-12-03T23:17:04","modified_gmt":"2015-12-03T23:17:04","slug":"gentechnik-gipfel-vortasten-zum-designer-baby","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=39556","title":{"rendered":"Gentechnik-Gipfel: Vortasten zum Designer-Baby?"},"content":{"rendered":"<p>Wer Hoffnung hatte, Forscher wollten gezielte Eingriffe ins menschliche Genom lassen, wei\u00df es nach dem Weltgipfel der Branche besser: Es gibt kein Zur\u00fcck. Nur eine Grenze will man &#8211; vorerst &#8211; nicht \u00fcbertreten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eigentlich war es schon am ersten Tag zu erkennen: Austauschen ja, dazu lernen sowieso, neue Ideen entwickeln &#8211; unbedingt- aber am Ende musste da etwas stehen, das den Fortschritt nicht l\u00e4hmt. Aus einem  Hochgeschwindigkeitszug springt keiner der Mitfahrer gerne raus, und die Notbremse wollte eben auch keiner ziehen. So ging der \u201eWeltgipfel der Genchirurigen\u201c, der mit gro\u00dfer Erwartung aufgeladene \u201eInternational Summit on Human Gene Editing\u201c in Washington, nach drei Tagen mit einem zweiseitigen <a href=\"http:\/\/www8.nationalacademies.org\/onpinews\/newsitem.aspx?RecordID=12032015a\">Statement <\/a>des zwolfkopfigen Organisationskomitees zu Ende, das vor allem durch zweierlei auff\u00e4llt:<\/p>\n<p>Erstens wurde im Abschlu\u00dfpapier der Begriff Moratorium komplett vermieden &#8211; so wie fast durchweg w\u00e4hrend der drei Konferenztage. Und zweitens hat man die Tur eben doch offen gelassen fur gentechnische Eingriffe an Embryonen und Keimzellen &#8211; wenn auch nur fur solche Zellen, die fur Forschungszwecke und damit keinesfalls fur die Herbeifuhrung einer Schwangerschaft gedacht sind. Sechs gute Grunde, technische, juristische wie moralische, wurden angegeben, die  (vorerst zumindest) dagegen sprechen, Keimzellen und Embryonen zu designen und so gezielte Genver\u00e4nderungen an die n\u00e4chste Generation weiter zu geben. \u201eAllerdings sollte die klinische Nutzung der Keimbahnver\u00e4nderung regelm\u00e4\u00dfig hinterfragt werden, da das Wissen und die Einstellungen der Gesellschaft sich dauern weiter entwickelt\u201c, hei\u00dft es in der Stellungnahme.<\/p>\n<p><span class=\"MediaLink\"><span class=\"ArtikelBild290        \"><a href=\"\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/gentechnik-gipfel-vortasten-zum-designer-baby-13947663\/genmaterial-im-agarosegel-13843679.html\"            title=\"Agarosegels mit der DNA eines Bakteriums\"><img data-src='http:\/\/media1.faz.net\/ppmedia\/medien\/bildergalerien\/501131389\/1.3843679\/article_teaser_marginal\/genmaterial-im-agarosegel.jpg' title='Genmaterial im Agarosegel.' data-process-retina='1' height='163' itemprop='contentUrl' onload='processRetinaDerivate(this)-' alt='Agarosegels mit der DNA eines Bakteriums' width='290' class='media' src='\/img\/leer.gif' \/><\/a><span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\" style=\"font-weight: normal- top: -10px-\"title=\"Genmaterial im Agarosegel.\">Genmaterial im Agarosegel.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>Der Gentechnik-Gipfel war von drei der bedeutendsten Nationalakademien einberufen worden: der amerikanischen, britischen und chinesischen Akademien. Damit sind auch schon drei der wichtigsten L\u00e4nder genannt, in denen inzwischen lebhaftes Interesse besteht, die neuen pr\u00e4zisen Gentechnikverfahren an menschlichen Zellen, auch vereinzelt an Keimzellen, zu testen. Innerhalb weniger Jahre sind die neuen genchirurgischen Werkzeuge praktisch Routine im Labor geworden. Insbesondere Cripr-Cas9, das im Wesentlichen von Jennifer Doudna und der Direktorin am Helmholtzzentrum fur Infektionsforschung in Braunschweig, Emmanuelle Charpentier entwickelt worden war,  aber ebenso die schon etwas \u00e4lteren Genscheren vom Typ \u201eZinkfinger-Nukleasen\u201c oder TALEN,  haben ein neues Nachdenken uber die Eingriffstiefe gentschnischer Arbeiten am menschlichen Erbgut  notig gemacht.<\/p>\n<p>So leicht, pr\u00e4zise und punktgenau das Genom zu manipulieren wie heute, war jedenfalls fur viele vor ein paar Jahren noch undenkbar. Allerdings: Noch sind die Techniken zu frisch, dass man unerwunschte Einwirkungen auf andere Teile des Genoms oder etwa Immunreaktionen ausschlie\u00dfen konnte. Da wird viel spekuliert.<\/p>\n<p><span class=\"MediaLink\"><span class=\"ArtikelBild290        \"><a href=\"\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/gentechnik-gipfel-vortasten-zum-designer-baby-13947663\/emmanuelle-charpentier-13821545.html\"            title=\"Emmanuelle Charpentier\"><img data-src='http:\/\/media1.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/wissen\/3516650140\/1.3821545\/article_teaser_marginal\/hq\/emmanuelle-charpentier.jpg' data-process-retina='1' height='163' itemprop='contentUrl' onload='processRetinaDerivate(this)-' alt='Emmanuelle Charpentier' width='290' class='media' src='\/img\/leer.gif' \/><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p>Vor ein paar Monaten, nachdem chinesische Wissenschaftler uber ihre Experimente berichteten, ganz gezielt Gene von In-vitro-Embryonen ver\u00e4ndert zu haben, waren es die Akademien, die die Welt alarmierten. Ein Moratiorum &#8211; eine Experimentierpause fur Arbeiten an Embryonen und Keimbahnzellen &#8211; wurde verlangt und unter den entscheidenden Forschungslaboren vereinbart. Doch schon da war klar, dass man keineswegs auf irgendein Forschungsverbot abzielt &#8211; ein Konsens fur eine l\u00e4ngere Forschungspause war illusorisch, eine Selbstverpflichtung zum Manipulationsverzicht undenkbar. Zumal die meisten Forscher mit schlichten Korperzellen, etwa Blutzellen und Stammzellen, arbeiten.<\/p>\n<p>Nobelpreistr\u00e4ger David Baltimore von der Caltech in Pasadena, neben Genpionier Paul Berg, Eric Lander und dem deutschen Genforscher der ersten Stunde, Ernst-Ludwig Winnacker, ehemals Leiter des Munchener Genzentrums und DFG-Pr\u00e4sident,  im Organisationskomitee, wollten schon um gesellschaftlichen \u00e4ngsten zu begegnen, mit der Einberufung der Genom-Editoren-Elite zum  Washingtoner Gipfel fur mehr Klarheit sorgen. \u201eDie Temperatur der gesellschaftlichen Einstellung erfuhlen\u201c, meinte Baltimore. Deswegen hatte man auch keineswegs nur  Genforscher, sondern auch Ethiker, Juristen und Soziologen eingeladen.<\/p>\n<p><span class=\"MediaLink\"><span class=\"ArtikelBild290        \"><a href=\"\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/gentechnik-gipfel-vortasten-zum-designer-baby-13947663\/johanna-wanka-zu-risiken-und-13711680.html\"            title=\"Human genetic material is stored at a laboratory in Munich\"><img data-src='http:\/\/media0.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/feuilleton\/forschung-und-lehre\/4121217180\/1.3711680\/article_teaser_marginal\/johanna-wanka-zu-risiken-und-chancen-der-forschung.jpg' title='Genmaterial, das in einem M\u00fcnchner Labor gelagert wird.' data-process-retina='1' height='163' itemprop='contentUrl' onload='processRetinaDerivate(this)-' alt='Human genetic material is stored at a laboratory in Munich' width='290' class='media' src='\/img\/leer.gif' \/><\/a><span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\" style=\"font-weight: normal- top: -10px-\"title=\"Genmaterial, das in einem M\u00fcnchner Labor gelagert wird.\">Genmaterial, das in einem M\u00fcnchner Labor gelagert wird.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>Nach dem Ergebnis freilich waren viele, die die Debatte direkt in Washngton oder live im Internet verfolgt haben, ernuchtert. Was die Gesellschaft will, lie\u00df sich kaum auf den Punkt bringen, den einen, einenden Wunsch der Forscher, die fast alle mit medizinischen Motiven nach Washington gekommen waren, fndet man hingegen leicht im Abschlu\u00dfdokument wieder: Um Himmels willen nur keinen gesellschaftlichen Aktionismus, vor allem keine gesetzlichen Schnellschu\u00dfe, die die Forschung einschr\u00e4nken konnten.<\/p>\n<p>So war es nur logisch, dass das Papier mit geradezu appellativen Formulierungen abschlie\u00dft, die jede uberreaktion zu Lasten der medizinischen Grundlagenforschung ausschlie\u00dft. Man moge, so steht da sinngem\u00e4\u00df, die Bereitschaft der Genforscher doch sehen, \u201edas Genom als gemeinsames Erbe der Menschheit\u201c anzuerkennen, und auf l\u00e4ngere Sicht sollten bitte schon die Gelehrtenakademien auf internationale harmonisierte Regeln fur den akzeptablen Umgang mit Keimbahnzellen hinarbeiten. Nimmt man die Erfahrung mit dem avisierten Klonverbot unter dem Dach der Vereinten Nationen vor einigen Jahren, ist fast damit zu rechnen, dass auch dieser Vorsto\u00df ins Leere l\u00e4uft &#8211; so schon er auch formuliert sein mag.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/gentechnik-gipfel-vortasten-zum-designer-baby-13947663.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/gentechnik-gipfel-vortasten-zum-designer-baby-13947663.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer Hoffnung hatte, Forscher wollten gezielte Eingriffe ins menschliche Genom lassen, wei\u00df es nach dem Weltgipfel der Branche besser: Es gibt kein Zur\u00fcck. 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