{"id":39097,"date":"2015-10-28T09:42:15","date_gmt":"2015-10-28T09:42:15","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=39097"},"modified":"2015-10-28T09:42:15","modified_gmt":"2015-10-28T09:42:15","slug":"fleischverzehr-krebsrisiko-und-konsumrausch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=39097","title":{"rendered":"Fleischverzehr: Krebsrisiko und Konsumrausch"},"content":{"rendered":"<p>Wer das Krebsrisiko durch Fleisch nicht ernst nimmt, \u00fcbersieht leicht, worum es dar\u00fcber hinaus geht: um die Eind\u00e4mmung eines besinnungslosen Konsumrausches.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Fall wird schon wieder heruntergekocht. Gesund ist das bestimmt nicht. Obwohl, wer wei\u00df, vielleicht ist es ja erst mal gesunder, uber eine Krebsforschung zu spotteln, die den Planeten mit einem verklausulierten Bannspruch zum Fleisch- und Wurstkonsum uberzieht, als sich erschuttert in die Ecke zu verkriechen und von der Angst vor Darm- oder Magenkrebs zerfressen zu lassen. Bleiben wir also tapfer. Positiv Denken st\u00e4rkt das Immunsystem, und eine gesunde Abwehr schutzt vor Krebs. Das ist so wahrscheinlich wie das Amen in der <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"08b1bc01c0f272c68e93d9dee6ab0c8bb71b10a1\" href=\"\/aktuell\/gesellschaft\/thema\/kirche\">Kirche<\/a>. Wahrscheinlich? Ja, wahrscheinlich, denn was ist schon sicher? Dass gebratenes, gegrilltes, ger\u00e4uchertes oder sonst wie verarbeitetes Fleisch Krebs erzeugt? Ist es das, was Sie gehort, gelesen oder jedenfalls so interpretiert haben?<\/p>\n<p>Nun erst mal langsam. Wie immer, wenn an den R\u00e4ndern unseres Wissens Klarheit geschaffen werden soll, mussen wir uns auch in diesem Fall klarmachen, wie verschwommen generell die Informationen &#8211; sprich: Wissensinhalte &#8211; sind, die uns t\u00e4glich zum Thema Gesundheit erreichen. Die Debatte um Risiken ist n\u00e4mlich notwendigerweise von Unsch\u00e4rfen und einer beklemmenden Vorl\u00e4ufigkeit durchsetzt.<\/p>\n<p>Die Internationale Krebsagentur IARC tr\u00e4gt dafur allerdings die geringste Schuld. Die zwei Dutzend Krebsspezialisten aus Lyon haben im Prinzip nur zusammengetragen und sorgf\u00e4ltig ausgewertet, was vor knapp einem Jahr bereits eine wie auch immer motivierte Onkologengruppe als endgultig fur verkundbar gehalten hatte: die gesammelte empirische Evidenz n\u00e4mlich, die darauf hindeutet, dass ein Zuviel an Fleisch- und Wurstverzehr &#8211; und jetzt reden wir nicht uber das \u201ewei\u00dfe\u201c Fleisch von Geflugel oder gar Fisch, zu dem keinerlei Evidenzen in diese Richtung vorliegen &#8211; tats\u00e4chlich krebserregend ist. Niemand soll behaupten, davon nichts gewusst zu haben. In vielen Jahrzehnten sind da nicht nur ein paar trostlose Aufkl\u00e4rungsspruche und p\u00e4dagogisches Tischgebrabbel zusammengekommen, sondern immerhin auch mehr als achthundert brauchbare klinische Studien. Zusammengenommen gelangen sie, und das ist entscheidend, uber das ubliche Geruchteniveau hinaus, auf dem viele ungelegte wissenschaftliche Eier mit deren schwammigen Hinweisen uber angebliche Gef\u00e4hrlichkeit von Milch, Vitaminzus\u00e4tzen oder Birnen fur Schwangere, um nur die jungeren zu nennen, fur Jahre uberdauern.<\/p>\n<h2>Was wissen wir wirklich?<\/h2>\n<p>Um die Unsicherheit beim Thema Fleisch und Wurst zumindest fur den Moment auf ein Minimum zu verringern, sei hier also auf das nun verifizierte Wissen verwiesen: Verarbeitetes oder konserviertes \u201erotes\u201c Fleisch (also von Rind, Kalb, Schwein, Lamm, Hammel, Ziege und Pferd) gehort in der WHO-Skala der hochsten von funf moglichen Krebsrisiko-Einstufungen, der Kategorie 1, an. Das hei\u00dft: Es ist definitiv krebserregend. In derselben Kategorie finden sich Tabakkonsum, Asbest und Alkohol. Aber hier nun beginnt, \u201edefinitiv\u201c hin oder her, die Unsch\u00e4rfe. Denn man holt sich nicht mit dem ersten Schnitzel den Krebs in den Leib. Die Einstufung bedeutet lediglich: Es existiert eine klare Evidenz, dass diese Lebensmittel Krebs auslosen konnen. Bei rohem rotem Fleisch ist die Evidenz aus den Studien dagegen \u201enicht ausreichend\u201c, ergo kommt das als \u201ewahrscheinlich krebserregend\u201c in Kategorie 2, auf eine Stufe mit zum Beispiel Schichtarbeit.<\/p>\n<p>Noch wichtiger allerdings ist ein Hinweis, der nach der Veroffentlichung der WHO-Krebsagentur meist geflissentlich ubergangen wurde: Evidenz sagt nichts uber das tats\u00e4chliche Krebsrisiko. Will hei\u00dfen: Wenn ich wei\u00df, dass verarbeitetes Fleisch sicher Krebs auslosen kann, wei\u00df ich noch lange nicht, wie gro\u00df das Risiko &#8211; das statistische, geschweige denn das individuelle Risiko &#8211; ist, mit meinen besonderen Verzehrgewohnheiten an Fleischesserkrebs zu erkranken. Risiken sind immer unscharf, oft auch unbestimmbar. Die Krebsforscher versuchen es trotzdem: Pro Funfzig-Gramm-Portion von verd\u00e4chtigtem behandeltem Fleisch (oder Wurst) erhohe sich das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, statistisch gesehen, um achtzehn Prozent.<\/p>\n<p><span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\">Wurst und Fleisch sollen krebserregend sein<\/span><\/p>\n<h2>Neuausrichtung der Konsumgewohnheiten<\/h2>\n<p>Das klingt exakter, als es tats\u00e4chlich ist. Unsch\u00e4rfe auch hier. Denn tats\u00e4chlich handelt es sich um ein relatives Risiko. Das generelle Darmkrebsrisiko betrifft 56 von tausend Personen, bei exzessiven Fleischessern sind es statistisch zehn mehr: 66 Krebsdiagnosen auf tausend Personen. Absolut gesehen, ist das Krebsrisiko durch Fleisch jedenfalls sehr viel geringer als das etwa von Tabak- oder Alkoholkonsum: Jedes Jahr wird derzeit weltweit mit einer Million Todesopfern durch Rauchen gerechnet, mit 600 000 durch Alkoholgenuss, 200 000 durch Luftverschmutzung, aber hochstens mit 34 000 durch den Verzehr besagter Fleischwaren. Noch mehr Relativierung gef\u00e4llig? Vier Funftel der Lungenkrebsf\u00e4lle werden durch Rauchen verursacht, lediglich ein Funftel der Darmtumoren werden auf Fleisch und Wurst zuruckgefuhrt.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/fleischverzehr-krebsrisiko-und-konsumrausch-13879403.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/fleischverzehr-krebsrisiko-und-konsumrausch-13879403.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer das Krebsrisiko durch Fleisch nicht ernst nimmt, \u00fcbersieht leicht, worum es dar\u00fcber hinaus geht: um die Eind\u00e4mmung eines besinnungslosen Konsumrausches.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[532,429],"tags":[],"class_list":["post-39097","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-mensch-gene","category-wissen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39097","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39097"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39097\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39097"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39097"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39097"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}