{"id":38908,"date":"2015-10-28T06:32:52","date_gmt":"2015-10-28T06:32:52","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=38908"},"modified":"2015-10-28T06:32:52","modified_gmt":"2015-10-28T06:32:52","slug":"hirnforschung-weh-tut-es-nur-weil-es-weh-tun-soll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=38908","title":{"rendered":"Hirnforschung: Weh tut es nur, weil es weh tun soll"},"content":{"rendered":"<p>Schmerzen entstehen nicht im Gehirn, aber ohne unser Hirn w\u00e4ren sie nicht existent. Mehr noch: Das Gehirn ist der gro\u00dfe Schmerzmanipulator. Aber sobald wir das Gehirn und seine Netzwerke besser kennen, k\u00f6nnen wir Schmerzen auch gezielt ausschalten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ein Leben ohne Schmerz! Erspart bleiben wurden einem die unangenehmen Stunden nach einer Zahnoperation oder bei einer Mittelohrentzundung. Was sich verlockend anhort, ist aber bei genauerer Betrachtung eine ernsthafte Gefahr. Schmerz ist ein Signal, das dem Organismus einen drohenden Gewebeschaden signalisiert, wie bei einem zu hoch abgebrannten Streichholz, das bereits einen Schmerz an der Hand verursacht, noch bevor wir uns wirklich verbrennen. Wir wissen aus unserer allt\u00e4glichen Erfahrung, dass nicht nur Hitze, sondern auch extreme K\u00e4lte, mechanische Verletzungen oder Ver\u00e4tzungen zu Schmerz fuhren.<\/p>\n<p>Aus Sicht der Neurowissenschaften ist diese \u201emultimodale\u201c Reizverarbeitung keineswegs trivial &#8211; andere Sinneszellen reagieren n\u00e4mlich hochspezifisch auf nur einen ad\u00e4quaten Reiz. Wir sehen nur Licht und horen nur Schall. uberhaupt genie\u00dft das Schmerzsignal gegenuber anderen Reizen aus der Umwelt eine hohe Priorit\u00e4t und zwingt uns zu schnellem Handeln. Wir versuchen unwillkurlich, dem potentiell sch\u00e4digenden Reiz zu entgehen, um die Integrit\u00e4t des Korpers zu erhalten und Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, die solche Situationen in Zukunft verhindern. Deshalb werden Situationen und Reize, die zu einem Schmerzerlebnis gefuhrt haben, besonders gut im Ged\u00e4chtnis gespeichert. Diese Regelkette funktioniert naturlich nur bei intakter Schmerzwahrnehmung, und sie ist lebenswichtig. Menschen, die durch eine Genmutation keinen Schmerz empfinden, erleiden schon in fruhester Kindheit sehr schwerwiegende Verletzungen, die sie bereits fruh zu Pflegef\u00e4llen machen. Wer keinen Schmerz empfindet, wird krank.<\/p>\n<h2>Sinnloser Schmerz<\/h2>\n<p>Der akute Schmerz, bei einem drohenden Schaden, ist also, biologisch betrachtet, gut und sinnvoll. Ganz anders sieht es bei chronischen Schmerzen aus, fur die es oft gar keinen Ausloser mehr gibt oder im eigentlichen Sinne nie gab. Hier kann man zwar noch eine Signalwirkung des Schmerzes postulieren, diese hat aber kaum einen sinnvollen Einfluss auf das Verhalten und fuhrt zu vielen qu\u00e4lenden Begleiterscheinungen. Jetzt wird die hohe Priorit\u00e4t, die dem Schmerz bei der Verarbeitung aller Sinnesreize zukommt, zum Problem: Der chronische Schmerz steht bei den Betroffenen h\u00e4ufig im Mittelpunkt des Lebens.<\/p>\n<p>In Deutschland leiden ungef\u00e4hr acht Millionen Menschen an verschiedensten Formen von chronischen Schmerzen. Die Leiden sind meist multifaktoriell bedingt. Das macht sie komplex, erlaubt aber auch, sie auf ganz verschiedenen Ebenen zu beeinflussen. Zum Verst\u00e4ndnis und zur Therapie chronischer Schmerzen gehoren neurobiologische, psychologische und soziale Faktoren. Darum sollte eine umfassende Schmerztherapie interdisziplin\u00e4r sein und Psychologen, An\u00e4sthesisten, Neurologen, Orthop\u00e4den und wenn notig andere Spezialisten einbeziehen. Es ist nur folgerichtig, dass der chronische, nicht durch akute Gewebesch\u00e4den verursachte Schmerz mittlerweile nicht mehr nur als Symptom, sondern als eigenst\u00e4ndige Erkrankung gesehen wird. Die moderne Medizin hat gelernt, diese Patienten endlich ernst zu nehmen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/hirnforschung-weh-tut-es-nur-weil-es-weh-tun-soll-13853229.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/hirnforschung-weh-tut-es-nur-weil-es-weh-tun-soll-13853229.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schmerzen entstehen nicht im Gehirn, aber ohne unser Hirn w\u00e4ren sie nicht existent. Mehr noch: Das Gehirn ist der gro\u00dfe Schmerzmanipulator. 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