{"id":38477,"date":"2015-09-28T08:22:31","date_gmt":"2015-09-28T08:22:31","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=38477"},"modified":"2015-09-28T08:22:31","modified_gmt":"2015-09-28T08:22:31","slug":"das-ratsel-des-antikythera-mechanismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=38477","title":{"rendered":"Das R\u00e4tsel des \u201eAntikythera-Mechanismus\u201c"},"content":{"rendered":"<p>In einem Schiffswrack voller griechischer Kunstsch\u00e4tze fand sich auch ein antiker Analogrechner, der seiner Zeit um mehr als tausend Jahre voraus war. Was wissen wir \u00fcber den \u201eAntikythera-Mechanismus\u201c?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Mehr Zahnr\u00e4der!\u201c Ein seltsamer Trinkspruch, werden sich die G\u00e4ste eines Athener Hotels gedacht haben, wo einige Ausl\u00e4nder im September 2005 sich Abend f\u00fcr Abend in dieser Weise zuprosteten. Doch die Gruppe um den britischen Mathematiker und Dokumentarfilmer Tony Freeth feierte nur ihr Tagwerk. Im Akkord durchleuchteten sie damals im Athener Nationalmuseum die Bruchst\u00fccke eines Klumpens korrodierter Bronze aus dem Antikythera-Fund (siehe \u201eBitte einen Hermes &#8230;\u201c) mit einem eigens aus England herbeigeschafften, acht Tonnen schweren R\u00f6ntgentomographen. Und das war es, was ihre hochaufgel\u00f6sten Bilder haupts\u00e4chlich zeigten: Zahnr\u00e4der.<\/p>\n<p>Nun kannten die Griechen das Prinzip der \u00dcbertragung von Drehbewegungen durch Zahnr\u00e4der sp\u00e4testens im 4. Jahrhundert v. Chr. Doch das waren vorwiegend grobe Konstruktionen, wie sie vielleicht in M\u00fchlen zum Einsatz kamen. Der Antikythera-Mechanismus dagegen hatte &#8211; nach seinem plattgedr\u00fcckten Rest zu schlie\u00dfen &#8211; gerade einmal die Abmessungen eines gro\u00dfen Buches. Und in ihm griffen metallerne Z\u00e4hne von lediglich anderthalb Millimeter L\u00e4nge ineinander.<\/p>\n<p><span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\">Rekonstruktion des Antikythera-Mechanismus<\/span><\/p>\n<p>Zu welchem Zwecke allerdings, das war im September 2005 erst ungef\u00e4hr klar. Zwar hatte der Altphilologe Albert Rehm bereits 1905 erkannt, dass es sich um ein astronomisches Rechenger\u00e4t handeln muss. Und ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter analysierte der britische Wissenschaftshistoriker Derek de Solla Price (1922 bis 1983) die ersten R\u00f6ntgenaufnahmen von einigen der \u00fcber zwanzig Fragmente, in die der Klumpen inzwischen zerfallen war. Er erkannte, dass das R\u00e4derwerk einst in einem flachen Holzkasten montiert war, von einer seitlichen Kurbel in Bewegung gesetzt wurde und mehrere Zeiger auf beiden Seiten des Apparates ansteuerte.<\/p>\n<p>Auf der Vorderseite fand Price eine kreisf\u00f6rmige doppelte Skala, auf der Reste griechischer Namen von Monaten und Tierkreiszeichen zu erkennen waren sowie zwei Zeiger, die offenbar das Datum und die Position des Mondes im Jahreslauf anzeigten. Aus der Anzahl der Z\u00e4hne einiger Zahnr\u00e4der leitete Price ab, dass der Erbauer des Mechanismus offenbar die Beobachtung der Babylonier in Mechanik umgesetzt hatte, dass 19 Jahre fast genau 235 sogenannten synodischen Monduml\u00e4ufen entsprechen, also Zeitspannen von einem Vollmond zum n\u00e4chsten. Astronomen nennen dies den Metonischen Zyklus.<\/p>\n<h2>Eine Himmelstheorie in Bronze &#8230;<\/h2>\n<p>Nun l\u00e4uft der Mond aber nicht gleichf\u00f6rmig \u00fcber den Himmel. Die alten Griechen konnten zwar nicht wissen, warum das so ist &#8211; dass Gestirne im Allgemeinen auf Ellipsen laufen, erkannte erst Johannes Kepler im 17. Jahrhundert -, doch beobachten konnten sie es. Die Position des Mondes vor den Tierkreiszeichen im Jahreslauf h\u00e4tte der Erbauer des Antikythera-Mechanismus aber unm\u00f6glich korrekt angeben k\u00f6nnen, wenn sein Getriebe nur aus verschieden gro\u00dfen Zahnr\u00e4dern auf festen Achsen bestanden h\u00e4tte. Daher vermutete Price, wie schon Rehm vor ihm, dass es in dem Apparat auch Zahnr\u00e4der geben m\u00fcsse, deren Achsen auf anderen R\u00e4dern sitzen, sogenannte Epizykelgetriebe. Bereits Apollonios von Perge (gestorben um 190 v. Chr.) hatte sich die beobachtete Bewegung der Gestirne durch kosmische Epizyklen erkl\u00e4rt, also Kreisbahnen, deren Zentren auf anderen Kreisbahnen verlaufen. Diese Theorie war die allgemein anerkannte, bis Keplers Ellipsen eine bessere lieferten. Sollte der Erfinder des Antikythera-Apparates also die Himmelstheorie des Apollonios in bronzene Feinmechanik \u00fcbertragen haben?<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/das-raetsel-des-antikythera-mechanismus-13812852.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/das-raetsel-des-antikythera-mechanismus-13812852.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Schiffswrack voller griechischer Kunstsch\u00e4tze fand sich auch ein antiker Analogrechner, der seiner Zeit um mehr als tausend Jahre voraus war. 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