{"id":38222,"date":"2015-09-26T12:00:42","date_gmt":"2015-09-26T12:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=38222"},"modified":"2015-09-26T12:00:42","modified_gmt":"2015-09-26T12:00:42","slug":"der-schatz-von-antikythera-bitte-einen-hermes-fur-den-garten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=38222","title":{"rendered":"Der Schatz von Antikythera: Bitte einen Hermes f\u00fcr den Garten"},"content":{"rendered":"<p>Vor zweitausend Jahren sank ein Frachtschiff im Mittelmeer. Vor hundert Jahren wurde es zuf\u00e4llig gefunden. Seine Ladung besteht zum gro\u00dfen Teil aus Kunstwerken. F\u00fcr wen waren sie bestimmt?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eigentlich ging es Dimitrios Kontos nur um Schw\u00e4mme. Der griechische Kapit\u00e4n, der dem seit etwa 2500 v. Chr. im Mittelmeer bezeugten Handwerk des Schwammtauchens nachging, war im Fr\u00fchling 1900 mit zwei Schiffen auf dem Weg von seinen Tauchgr\u00fcnden vor der tunesischen K\u00fcste zur\u00fcck zu seiner Heimat auf Symi. Ein Sturm zwang Kontos, bei der Insel Antikythera Schutz zu suchen, doch als das Wetter sich besserte, beschloss er, die Gelegenheit zu nutzen und auch den Meeresboden vor Antikythera nach Schw\u00e4mmen abzusuchen. Was einer seiner M\u00e4nner dort in etwa 50 Meter Tiefe fand, sollte das Leben von Kapit\u00e4n Kontos von Grund auf \u00e4ndern. Zugleich war es die Geburtsstunde einer neuen wissenschaftlichen Disziplin: der Unterwasserarch\u00e4ologie.<\/p>\n<p>Die Schwammtaucher hatten ein knapp zweitausend Jahre altes Wrack entdeckt, dessen Ladung aus den \u00fcblichen Kr\u00fcgen bestand, auch Glas und Geschirr kam zum Vorschein. Aber da waren auch zahlreiche Statuen aus Bronze und Marmor, teils makellos erhalten, zum Teil aber auch von Meerestieren angebohrt und geradezu zerfressen. Manche Teile hatten durch den Bewuchs derart ihre Form verloren, dass sie kaum von Felsbrocken zu unterscheiden waren, die sich im Lauf der Jahrtausende \u00fcber das Wrack geschoben hatten.<\/p>\n<h2>Ein neues Bild der Antike<\/h2>\n<p>Ein halbes Jahr lang behielten die Schwammtaucher ihr Wissen f\u00fcr sich, dann meldete Kontos bei der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde den Fund eines Wracks mit antiken Artefakten und bat um die Erlaubnis, gezielt nach dem Schatz tauchen und ihn f\u00fcr sein Land bergen zu d\u00fcrfen &#8211; gegen eine angemessene Belohnung. Die Kampagne begann, von der Regierung unterst\u00fctzt und \u00fcberwacht, im November 1900 und verlief unter schwierigen Bedingungen, die mit dem absch\u00fcssigen Gel\u00e4nde unter Wasser, dem fragilen Erhaltungszustand der Kunstwerke und vor allem mit der rauhen See zu tun hatten, mit sieben Tauchern bis in den folgenden Herbst.<\/p>\n<p><span class=\"MediaLink\"><span class=\"ArtikelBild290        \"><a href=\"\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/der-schatz-von-antikythera-bitte-einen-hermes-fuer-den-garten-13812850\/wo-der-frachter-seinen-weg-13811389.html\"            title=\"Karte \/ Antikythera \/ Mutma\u00dfliche Route des Frachtschiffs\"><img data-src='http:\/\/media1.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/968434986\/1.3811389\/article_teaser_marginal\/hq\/wo-der-frachter-seinen-weg.jpg' title='Wo der Frachter seinen Weg begann, ist umstritten. Die Insel Delos aber hat er auf der Fahrt nach Italien h\u00f6chstwahrscheinlich angelaufen, bevor er vor Antikythera sank.' data-process-retina='1' height='163' itemprop='contentUrl' onload='processRetinaDerivate(this)-' alt='Karte \/ Antikythera \/ Mutma\u00dfliche Route des Frachtschiffs' width='290' class='media' src='\/img\/leer.gif' \/><\/a><span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\" style=\"font-weight: normal- top: -10px-\"title=\"Wo der Frachter seinen Weg begann, ist umstritten. Die Insel Delos aber hat er auf der Fahrt nach Italien h\u00f6chstwahrscheinlich angelaufen, bevor er vor Antikythera sank.\">Wo der Frachter seinen Weg begann, ist umstritten. Die Insel Delos aber hat er auf der Fahrt nach Italien h\u00f6chstwahrscheinlich angelaufen, bevor er vor Antikythera sank.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>Geheim war die Sache nun l\u00e4ngst nicht mehr, die Zeitungen berichteten vom Fortgang der Arbeiten, und als Kontos sp\u00e4ter von seinem Lohn entt\u00e4uscht war, wies der inzwischen durch einen Tauchunfall gel\u00e4hmte Seemann die Regierung darauf hin, dass er hochdotierte Angebote aus dem Ausland ausgeschlagen h\u00e4tte, den genauen Fundort zu nennen &#8211; offenbar hatte die Entdeckung des Wracks und die Bergung der Artefakte Aufsehen weit \u00fcber die Grenzen Griechenlands hinaus erregt.<\/p>\n<p>Das gilt erst recht f\u00fcr die Auswertung der Funde. Denn war eine derartige F\u00fclle von neu aufgetauchten Kunstwerken &#8211; die 1976 durch eine weitere Kampagne des ber\u00fchmten Tauchers Jacques-Yves Cousteau noch einmal vergr\u00f6\u00dfert wurde &#8211; schon per se eine Sensation, so ver\u00e4nderte die Entdeckung und Deutung der Fragmente des sogenannten Antikythera-Mechanismus das bis dahin bestehende Bild von der antiken Mechanik geradezu fundamental.<\/p>\n<h2>Der Schatz kommt nach Basel<\/h2>\n<p>Doch trotz der intensiven wissenschaftlichen Besch\u00e4ftigung mit dem Wrack und seiner Ladung sind elementare Fragen noch immer nicht eindeutig gekl\u00e4rt oder auch prinzipiell nicht mehr zu kl\u00e4ren: Wo kam das Schiff her, in wessen Auftrag war es unterwegs, wo wollte es hin? Wann ist es untergegangen und warum? Wer war an Bord? Und handelt es sich bei den Tr\u00fcmmern und Waren, die auf dem Meeresgrund vor Antikythera gefunden wurden, \u00fcberhaupt um die Hinterlassenschaften eines einzigen Schiffs?<\/p>\n<p>Eine Ausstellung, die sonst im Arch\u00e4ologischen Nationalmuseum in Athen zu sehen ist und jetzt in leicht ge\u00e4nderter Form ins Antikenmuseum Basel kommt, tr\u00e4gt eindrucksvoll zusammen, was alles im Lauf der Tauchkampagnen ans Licht gekommen ist, und der zugeh\u00f6rige umfangreiche Katalog zieht die Summe ihrer Erforschung. Das beginnt mit Fragmenten des untergegangenen Schiffs, das mit einer gesch\u00e4tzten L\u00e4nge von 30 Metern, einer Breite von 10 Metern und einer Ladekapazit\u00e4t von 300 Tonnen zu den gr\u00f6\u00dferen, vielleicht auch zu den gr\u00f6\u00dften seiner Zeit geh\u00f6rt haben d\u00fcrfte. Erhalten hat sich etwa ein Balken, in dem immer noch die N\u00e4gel stecken, mit denen einst d\u00fcnne Bleipl\u00e4ttchen angebracht worden sind, die den aus einzelnen Planken gefertigten Schiffsrumpf vor eindringendem Wasser sch\u00fctzen sollten. Einige gro\u00dfe Dachziegel stammen wom\u00f6glich von einem Aufbau an Deck, der die Mannschaft und wohl auch Passagiere vor Hitze, Sturm und Regen beh\u00fctete.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/der-schatz-von-antikythera-bitte-einen-hermes-fuer-den-garten-13812850.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/der-schatz-von-antikythera-bitte-einen-hermes-fuer-den-garten-13812850.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zweitausend Jahren sank ein Frachtschiff im Mittelmeer. Vor hundert Jahren wurde es zuf\u00e4llig gefunden. Seine Ladung besteht zum gro\u00dfen Teil aus Kunstwerken. 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