{"id":36003,"date":"2015-05-13T20:10:46","date_gmt":"2015-05-13T20:10:46","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=36003"},"modified":"2015-05-13T20:10:46","modified_gmt":"2015-05-13T20:10:46","slug":"warme-worte-furs-weltklima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=36003","title":{"rendered":"Warme Worte f\u00fcrs Weltklima"},"content":{"rendered":"<p>Vor dem entscheidenden Klimagipfel in Paris steigt allm\u00e4hlich das Politikfieber bei den Forschern. Wie gelingt der Durchbruch? Und darf sich die Wissenschaft prostituieren? Die einge\u00fcbten Strategien wackeln.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ist das noch routinierte Selbstkritik oder schon ein Zeichen von Resignation? Nimmt man, ein halbes Jahr vor dem entscheidenden Klimagipfel der Vereinten Nationen in Paris, den offenbar sehr dringenden Wunsch der wissenschaftlichen Experten nach innerer Einkehr zum Ma\u00dfstab f\u00fcr die Aussichten eines klimapolitischen Durchbruchs &#8211; man kann um die von den Beratern erhoffte \u201egro\u00dfe Transformation\u201c durchaus bangen. Wie sollen wir jetzt also reden \u00fcber den Klimawandel: als technisches, moralisches, \u00f6konomisches oder als gro\u00dfes politisches Problem?, fragte der Kulturwissenschaftler Nico Stehr von der Zeppelin-Universit\u00e4t in Friedrichshafen auf dem Ladenburg-Dialog am Neckar, wo er mit Unterst\u00fctzung der \u201eDaimler und Benz Stiftung\u201c zwei Dutzend international erfahrene Politikberater um sich scharte.<\/p>\n<p>Dem Soziologen Stehr ist wie jedem langj\u00e4hrigen Beobachter der Klimapolitik selbstverst\u00e4ndlich klar, dass die gesellschaftlichen Dimensionen der globalen Erw\u00e4rmung weit \u00fcber das Politische hinausgehen. Wie aber, fragte er, vermittelt man \u201edie M\u00f6glichkeit einer neuen Umwelt, die v\u00f6llig au\u00dferhalb unserer \u00fcblichen Normen liegt\u201c? Vielleicht wie der amerikanische Au\u00dfenminister John Kerry vor einem Jahr, als er den Klimawandel als potentielle \u201eMassenvernichtungswaffe\u201c bezeichnete? Nicht nur einmal, als es um eine m\u00f6gliche \u201eDepolitisierung\u201c und damit um das Ziel einer breiteren, einer gleichsam laienvertr\u00e4glicheren Debatte ging, wurde in Ladenburg um eine erfolgversprechende Kommunikationsstrategie gerungen. Stehrs Vorschlag lautete: \u201evom Nachdenken und Regulieren der Ursachen zu einem Nachdenken und Regeln der Klimafolgen kommen\u201c.<\/p>\n<p><span class=\"MediaLink\"><span class=\"ArtikelBild290        \"><a href=\"\/aktuell\/wissen\/klima\/warme-worte-fuers-weltklima-13587933\/hans-von-storch-beobachtet-das-12589223.html\"            title=\"Hans von Storch - Der Klimaforscher,  Meteorologe und Leiter des Instituts f\u00fcr K\u00fcstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht stellt sich den Fragen von Winand von Petersdorff\"><img data-src='http:\/\/media1.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/wirtschaft\/2028569799\/1.2589223\/article_teaser_marginal\/hans-von-storch-beobachtet-das.jpg' title='Hans von Storch beobachtet das Klima und die Nord- und Ostsee' data-process-retina='1' height='163' itemprop='contentUrl' onload='processRetinaDerivate(this)-' alt='Hans von Storch - Der Klimaforscher,  Meteorologe und Leiter des Instituts f\u00fcr K\u00fcstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht stellt sich den Fragen von Winand von Petersdorff' width='290' class='media' src='\/img\/leer.gif' \/><\/a><span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\" style=\"font-weight: normal- top: -10px-\"title=\"Hans von Storch beobachtet das Klima und die Nord- und Ostsee\">Hans von Storch beobachtet das Klima und die Nord- und Ostsee<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>Leicht auszurechnen, was der Soziologe damit bewirken m\u00f6chte: die st\u00e4rkere Beteiligung der humanistischen F\u00e4cher, der Kultur- und Sozialwissenschaften. Sein Kollege Ortwin Renn von der Universit\u00e4t Stuttgart machte allerdings sehr plausibel, weshalb das schwierig werden d\u00fcrfte. Denn gro\u00dfe Teile der Politik und viele Menschen ahnen immer noch nur vage, was in Paris bei der Aushandlung eines neuen globalen Klimavertrags auf dem Spiel steht. \u201eUns fehlen noch immer die Narrative\u201c, sagte Renn. Gleich, ob man den Kampf gegen den Klimawandel als \u00f6konomische Chance, als \u00f6kologisches Endzeitszenario, als Gerechtigkeitskampf zwischen Nord und S\u00fcd oder am Ende als Schlusspunkt des kapitalistischen Systems erz\u00e4hlt, es sei \u201eimmer noch enorm schwierig, die Dinge so begreiflich zu machen, dass radikale Klimaschutzma\u00dfnahmen gen\u00fcgend attraktiv sind.\u201c Renns L\u00f6sungsvorschlag einer \u201eWeltstiftung\u201c, die den globalen Kohlendioxidhahn zudreht, f\u00e4llt vor Paris freilich in eine heikle Kategorie: politisch derzeit unerf\u00fcllbar.<\/p>\n<p>Andererseits sind Utopien offenbar das, was in der Ratgeberkultur der Klimapolitik momentan am besten geht. Oliver Geden, der Klimaexperte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Kultur hat in einem Essay in der Zeitschrift \u201eNature\u201c bemerkenswert ausf\u00fchrlich gegen die Utopisten in der Klimazunft ausgeteilt. Paris steht nach seinem Daf\u00fcrhalten unter keinem guten Stern. Das Verhalten der Wissenschaft trage immer st\u00e4rker dazu bei, dass zum Ziel erkl\u00e4rt wird, \u201ewas politisch m\u00f6glich ist, und nicht, was aus Sicht des Umweltschutzes w\u00fcnschenswert w\u00e4re\u201c. Mit anderen Worten: Die Forschung l\u00e4sst sich von Politikern und \u00d6konomen an der Nase herumf\u00fchren. Und der Schl\u00fcsselbegriff daf\u00fcr kommt aus der Forschung selbst: das Zwei-Grad-Ziel. Es enth\u00e4lt die inzwischen geradezu utopische Hoffnung, die globale Erw\u00e4rmung auf zwei Grad bis zum Jahrhundertende zu begrenzen. Vor acht Jahren habe der Weltklimarat IPCC mitgeteilt, dass der Gipfel der Treibhausgasemissionen um das Jahr 2015 erreicht sein m\u00fcsse, um dieses Ziel zu erreichen. Inzwischen ist der Rat in seinem f\u00fcnften Sachstandsbericht mit neuen Modellen f\u00fcr die Emissionswende im Jahr 2030 angekommen &#8211; und die Klima\u00f6konomen, so klagt Geden, rechneten sich dank h\u00f6chst fragw\u00fcrdiger \u201enegativer Emissionen\u201c (Kohlendioxid etwa im Untergrund entsorgen) die Zukunft immer weiter sch\u00f6n. Einer zaudernden Politik wird so in die H\u00e4nde gespielt. Gleichzeitig werde, so Geden, \u201edie Integrit\u00e4t der Wissenschaft aufs Spiel gesetzt\u201c.<\/p>\n<p>Der Klimaberater als ein \u201epolitischer Unternehmer\u201c? Ein provozierendes, selbstzerst\u00f6rerisches Szenario f\u00fcrwahr. Eines, das allerdings nur einmal mehr das angespannte Verh\u00e4ltnis von Politik und Wissenschaft in der existentiellen Frage des Klimaschutzes spiegelt. Der Druck auf die Klimadiplomatie soll steigen. F\u00fcr einen Weltklimavertrag, darin waren sich in Ladenburg alle einig, k\u00f6nnte der politische Wille reichen, f\u00fcr eine echte, nachhaltige L\u00f6sung des Problems m\u00f6glicherweise nicht mehr. Die Ungeduld w\u00e4chst.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/klima\/warme-worte-fuers-weltklima-13587933.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/klima\/warme-worte-fuers-weltklima-13587933.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor dem entscheidenden Klimagipfel in Paris steigt allm\u00e4hlich das Politikfieber bei den Forschern. Wie gelingt der Durchbruch? Und darf sich die Wissenschaft prostituieren? Die einge\u00fcbten Strategien wackeln.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[452,429],"tags":[1486,556,386,536,1431],"class_list":["post-36003","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-klima","category-wissen","tag-daimler","tag-john-kerry","tag-paris","tag-un","tag-un-klimakonferenz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36003","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36003"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36003\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36003"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36003"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36003"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}