{"id":35999,"date":"2015-05-24T07:00:00","date_gmt":"2015-05-24T07:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=35999"},"modified":"2015-05-24T07:00:00","modified_gmt":"2015-05-24T07:00:00","slug":"pflanzen-fur-kenner-von-wegen-lila-veilchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=35999","title":{"rendered":"Pflanzen f\u00fcr Kenner: Von wegen lila Veilchen"},"content":{"rendered":"<p>Die Gattung Viola steht symbolisch f\u00fcr eine Farbe, die sie meist gar nicht hat. Das ist nicht das einzige Missverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&#8222;>Selbst ambitionierte G\u00e4rtner kennen meist nur drei: das Duftveilchen, das Hornveilchen und das Stiefm\u00fctterchen. Dabei ist die Gattung <em>Viola <\/em>aus der Familie der Veilchengew\u00e4chse \u00e4u\u00dferst umfangreich. Sie umfasst rund f\u00fcnfhundert Arten, die \u00fcberall dort vorkommen, wo ein gem\u00e4\u00dfigtes Klima herrscht. Es gibt ein- bis zweij\u00e4hrige Vertreter, aber auch ausdauernde Kr\u00e4uter oder Halbstr\u00e4ucher unter ihnen. Einige davon sind weit verbreitet, andere \u00e4u\u00dferst selten und nur regional vertreten- die Art <em>Viola athois<\/em> beispielsweise soll nur auf dem heiligen Berg Athos auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki vorkommen.<\/p>\n<p>Ist in der Literatur oder in alten Kr\u00e4uterb\u00fcchern vom Veilchen die Rede, ist meist das sogenannte Duft- (oder M\u00e4rz-)-Veilchen <em>Viola odorata<\/em> gemeint. Es stammt aus dem Mittelmeerraum, hat sich bei uns aber schon im Mittelalter angesiedelt und w\u00e4chst, wo man es l\u00e4sst, gern im Halbschatten auf nicht zu trockenen B\u00f6den. Es breitet sich durch Rhizome aus und bringt im Fr\u00fchjahr, aber manchmal auch noch im Herbst die bekannten Bl\u00fcten hervor, die zwittrig und selbstbefruchtend sind. Daneben bildet die Pflanze auch sogenannte kleistogame Sommerbl\u00fcten, die unscheinbar sind und sich gar nicht erst \u00f6ffnen, was jede Fremdbest\u00e4ubung verhindert. Ameisen sorgen f\u00fcr die weitere Verbreitung des Samens.<\/p>\n<p>Alle \u00fcbrigen heimischen Veilchenarten, wie das Rauhaarige Veilchen <em>V. hirta<\/em> oder das H\u00fcgel-Veilchen <em>V. collina<\/em>, duften weniger stark oder gar nicht. Der Volksmund hat sie unter dem Namen \u201eHundsveilchen\u201c zusammengefasst. Untereinander bilden Veilchenarten zahllose Bastarde, die sich im Einzelnen schwer auseinanderhalten lassen.<\/p>\n<h2>Verzwickte Namen<\/h2>\n<p>Das Garten-Stiefm\u00fctterchen, das ebenfalls zu den Veilchen z\u00e4hlt, blickt auf eine lange Entstehungsgeschichte zur\u00fcck. Die wichtigste Ausgangsart war wohl das Wilde Stiefm\u00fctterchen <em>V. tricolor<\/em>, das bevorzugt auf D\u00fcnen und Magerwiesen w\u00e4chst. Eine besonders gro\u00dfbl\u00fctige Unterart (botanisch exakt <em>V. tricolor<\/em> subsp. <em>subalpina<\/em> Gaud.) kam schon fr\u00fch in die G\u00e4rten und wurde \u201eFreisamkraut\u201c genannt, weil es angeblich gegen Kr\u00e4mpfe und Hautausschl\u00e4ge (\u201eFreisam\u201c) half. Der Botaniker Tabernaemontanus erw\u00e4hnt die Pflanze um 1590 herum als \u201eDreyfaltigkeitsblume\u201c, weil sie gleichzeitig blau, gelb und wei\u00df bl\u00fche. In sp\u00e4teren Abhandlungen tauchen Formen auf, die nahelegen, dass auch Abk\u00f6mmlinge des Gro\u00dfbl\u00fctigen Acker-Stiefm\u00fctterchens (<em>V. arvensis<\/em> Murray subsp. <em>megalantha <\/em>Nauenb.) kultiviert wurden. In der Schweiz kam das rein gelb bl\u00fchende Sudeten-Stiefm\u00fctterchen hinzu (<em>V. lutea<\/em> Huds.).<\/p>\n<p>Um 1810 herum begann man in England in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab mit der Zucht von Hybriden, bei der zus\u00e4tzlich das Altai-Stiefm\u00fctterchen (<em>V. altaica<\/em> Ker-Gawl.) eingekreuzt wurde. Bald war die Sache so un\u00fcbersichtlich, dass der schwedische Botaniker Veit Brecher Wittrock vorschlug, die ganze Sippschaft <em>Violae <\/em>\u00d7 <em>hortenses grandiflorae <\/em>zu nennen, um anzudeuten, dass viele wilde Eltern am Werk gewesen waren. Zumal man sich auf dem Kontinent daran gemacht hatte, die englischen Stiefm\u00fctterchen noch zu verbessern. Franz\u00f6sische Gartenbaubetriebe experimentierten unter anderem mit dem Langsporn-Veilchen (<em>V. calcarata<\/em>) und dem Olympischen Veilchen. In Deutschland war es der \u201eStiefm\u00fctterchen-Vater\u201c Robert Hesse, der in Quedlinburg die Grundlage f\u00fcr die Sorte \u2019Pirnaer Winterbl\u00fchende\u2018 legte. Noch mehr Vielfalt brachten in den 1920er Jahren die Br\u00fcder Roggli, die in Hilterfingen am Thuner See die ber\u00fchmten \u2019Schweizer Riesen\u2018 z\u00fcchteten.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/natur\/pflanzen-fuer-kenner-von-wegen-lila-veilchen-13584560.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/natur\/pflanzen-fuer-kenner-von-wegen-lila-veilchen-13584560.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gattung Viola steht symbolisch f\u00fcr eine Farbe, die sie meist gar nicht hat. 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