{"id":35440,"date":"2015-05-09T06:46:05","date_gmt":"2015-05-09T06:46:05","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=35440"},"modified":"2015-05-09T06:46:05","modified_gmt":"2015-05-09T06:46:05","slug":"pegida-in-antwerpen-die-spaltung-der-diamantenstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=35440","title":{"rendered":"Pegida in Antwerpen: Die Spaltung der Diamantenstadt"},"content":{"rendered":"<p>Antwerpen hat viele verschiedene Gesichter: Die einen sch\u00e4tzen die kulturelle Vielfalt der belgischen Metropole, f\u00fcr die anderen ist sie eine Hochburg der Rechtsextremisten. Jetzt spricht der B\u00fcrgermeister von einer \u201everkehrten Sorte von Zuwanderern\u201c und heizt damit die Ausl\u00e4nderdebatte an.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Direkt neben der \u201eEisenbahnkathedrale\u201c, wie die Antwerpener den Hauptbahnhof mit der \u00fcber 60 Meter hohen Kuppel und den Jugendstilelementen nennen, liegt das Diamantenviertel. Dass sich in der Hoveniersstraat hinter n\u00fcchternen Fassaden der gr\u00f6\u00dfte Handelsplatz f\u00fcr Edelsteine verbirgt, ist nicht zu erkennen. In der kurzen Gasse sind schwarzgekleidete orthodoxe Juden zu sehen, die neben zahlreichen Indern die meisten H\u00e4ndler stellen. Vor einer Synagoge stehen schwerbewaffnete Soldaten.<\/p>\n<p>Rund 20.000 der 510.000 Einwohner Antwerpens sind j\u00fcdischen Glaubens, es sind \u00fcberwiegend orthodoxe Chassiden. Seit den Anschl\u00e4gen auf die Redaktion der Satirezeitschrift \u201eCharlie Hebdo\u201c und auf einen j\u00fcdischen Supermarkt in Paris halten Fallschirmj\u00e4ger vor Synagogen und j\u00fcdischen Schulen in Antwerpen Wache.<\/p>\n<p>Aber im Stadtpark ist an diesem sonnigen Fr\u00fchlingstag von Beklemmung nichts zu sp\u00fcren. Drei Jungen mit j\u00fcdischer Kippa sausen mit Tretrollern auf und ab. Daneben spielen arabischst\u00e4mmige Kinder Fu\u00dfball. Ein etwas \u00e4lteres M\u00e4dchen mit Kopftuch schaut zu. Ein paar Schritte weiter hocken zwei junge schwarze M\u00e4nner \u2013 einer spielt Gitarre, eintr\u00e4chtig singen sie. Zwischendrin tummeln sich auch jene Jugendlichen, die in Belgien als \u201eAutochthone\u201c \u2013 Einheimische oder Alteingesessene \u2013 bezeichnet werden, die also keinen Migrationshintergrund haben.<\/p>\n<p>Aber was bedeutet das schon in einer Stadt, in der noch gerade 54,2 Prozent der Einwohner als \u201eautochthon\u201c gelten? Nur jeder f\u00fcnfte Einwohner hat einen ausl\u00e4ndischen Pass, jeder vierte ist ein eingeb\u00fcrgerter \u201eneuer Belgier\u201c. Nicht weniger als 16 Herkunftskategorien f\u00fchrt die Statistik auf. Die gr\u00f6\u00dfte Gruppe stellen die \u00fcberwiegend aus Marokko stammenden \u201eNordafrikaner\u201c (knapp 13 Prozent), w\u00e4hrend auf \u201eWestasiaten\u201c, zu denen die t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Bewohner z\u00e4hlen, knapp sieben Prozent entfallen.<\/p>\n<p><span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\">Feindbilder: Pegida und deren Gegner<\/span><\/p>\n<h2>Antwerpen gilt als Hochburg der Rechtsextremisten<\/h2>\n<p>In welche Kategorie die j\u00fcdischen Bewohner fallen, verr\u00e4t die Statistik nicht. Terry Davids hat andere Sorgen. Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der j\u00fcdischen Zeitschrift \u201eJoods Actueel\u201c sitzt in der Redaktion, die \u00fcber eine schmale Treppe in einem Reihenhaus in der N\u00e4he des Stadtparks zu erreichen ist. \u201eIch bin stolze Belgierin und Fl\u00e4min\u201c, sagt die energisch wirkende Frau. Ihr k\u00fcrzlich verstorbener Vater, langj\u00e4hriger Chefredakteur der Zeitschrift, war 1928 als S\u00e4ugling mit seinen Eltern aus Ungarn in die Stadt gekommen. 1942 war ihm die Flucht aus einem Zug gelungen, der in das Konzentrationslager Auschwitz fuhr. \u201eMein Vater hat stets f\u00fcr ein eintr\u00e4chtiges Nebeneinander von Juden, Christen und Andersgl\u00e4ubigen gearbeitet\u201c, erz\u00e4hlt Davids.<\/p>\n<p>Sie wolle hinwirken auf eine tolerante Gesellschaft, in der zwischen allen B\u00fcrgern gegenseitiger Respekt herrscht \u2013 unabh\u00e4ngig von Herkunft und Weltanschauung. Dass die Antwerpener Sozialisten nach 2012 nach gut neun Jahrzehnten auf den Oppositionsb\u00e4nken im Stadtparlament gelandet sind, bedauert Davids keineswegs. \u201eSie hatten kaum Gesp\u00fcr f\u00fcr die j\u00fcdischen Empfindsamkeiten\u201c. Mit einem Stimmenanteil von vor\u00fcbergehend bis zu einem Drittel f\u00fcr die fremdenfeindliche Partei Vlaams Belang gilt Antwerpen vielerorts als Hochburg der Rechtsextremen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/pegida-in-antwerpen-die-spaltung-der-diamantenstadt-13576515.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/pegida-in-antwerpen-die-spaltung-der-diamantenstadt-13576515.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antwerpen hat viele verschiedene Gesichter: Die einen sch\u00e4tzen die kulturelle Vielfalt der belgischen Metropole, f\u00fcr die anderen ist sie eine Hochburg der Rechtsextremisten. 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