{"id":34860,"date":"2015-03-26T05:22:56","date_gmt":"2015-03-26T05:22:56","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=34860"},"modified":"2015-03-26T05:22:56","modified_gmt":"2015-03-26T05:22:56","slug":"risikowahrnehmung-wir-lassen-die-angst-entscheiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=34860","title":{"rendered":"Risikowahrnehmung: Wir lassen die Angst entscheiden"},"content":{"rendered":"<p>Nach Flugzeugabst\u00fcrzen steigen die Menschen um aufs Auto &#8211; und verursachen dadurch Staus und Unf\u00e4lle. Autofahrernationen wie die Deutschen sind besonders gef\u00e4hrdet. Risikoforscher hoffen, dass irrationale \u00c4ngste durch Kommunikationsstrategien aufzufangen sind.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Auch ohne schockierende Abst\u00fcrze wie den von Flug 4U9525 in S\u00fcdfrankreich machen die Deutschen sich beim Fliegen gro\u00dfe Sorgen: Mehr als zwanzig Prozent, zeigten Umfragen des Allensbach-Instituts, f\u00fchlen sich auf Fl\u00fcgen unbehaglich. Experten f\u00fcr Risikowahrnehmung erwarten, dass ein Flugzeugungl\u00fcck wie das der Germanwings-Maschine die \u00c4ngste der Deutschen noch einmal gravierend steigern wird. Die Erfahrung aus anderen Flugzeugabst\u00fcrzen zeigt, dass viele Menschen anschlie\u00dfend ihr Verhalten \u00e4ndern und etwa statt des Flugzeugs andere Verkehrsmittel w\u00e4hlen. Nach den Anschl\u00e4gen vom 11. September 2001 stieg die Bev\u00f6lkerung beispielsweise verst\u00e4rkt vom Flugzeug auf das vermeintlich sicherere Auto um. In den zw\u00f6lf Monaten nach dem 11. September 2001 gab es deshalb sch\u00e4tzungsweise 1600 mehr unfallbedingte Todesf\u00e4lle auf amerikanischen Stra\u00dfen, als statistisch zu erwarten gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Das galt allerdings nicht f\u00fcr alle Bundesstaaten gleich. Gerd Gigerenzer und Wolfgang Gaissmaier vom Berliner Harding-Zentrum f\u00fcr Risikokompetenz am Max-Planck-Institut f\u00fcr Bildungsforschung zeigten vor zwei Jahren in der Fachzeitschrift \u201ePsychological Science\u201c, dass der Autoverkehr insbesondere in der N\u00e4he von New York zugenommen hatte. Offenbar war die Angst besonders pr\u00e4sent f\u00fcr Menschen, die in der N\u00e4he des Anschlagsortes wohnten.<\/p>\n<p>Aber auch im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten stieg das Verkehrsaufkommen an. Die Autoren schlie\u00dfen, dass die Kultur und bestehende Verh\u00e4ltnisse solche angstgetriebenen Entscheidungen beeinflussen. Im Mittleren Westen etwa war die Infrastruktur besonders gut geeignet, Fliegen durch Autofahren zu ersetzen. Die Stra\u00dfen waren gut ausgebaut, und es waren viele Autos gemeldet.<\/p>\n<p><span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\">Lufthansa-Chef: \u201eUngl\u00fccksmaschine war ohne M\u00e4ngel\u201c<\/span><\/p>\n<h2>Autofahrernationen gef\u00e4hrdet?<\/h2>\n<p>Die Spanier hingegen sind nach den Zuganschl\u00e4gen in Madrid am 11. M\u00e4rz 2004 zwar weniger Zug gefahren, es gab jedoch keinen Anstieg an Autofahrten. Gigerenzer und Gaissmaier schreiben in ihrer Studie, dass Spanien eine weniger ausgepr\u00e4gte Kultur des Autofahrens hat, was sich auch in Zahlen ausdr\u00fccken l\u00e4sst: W\u00e4hrend es in den Vereinigten Staaten im Jahr 2001 auf jeweils tausend Einwohner bezogen etwa 800 registrierte Autos gab, waren es in Spanien im Jahr 2004 nur knapp 600 Autos.<\/p>\n<p>Die \u201eAutofahrernation\u201c Deutschland k\u00f6nnte also ebenso gef\u00e4hrdet sein wie manche Regionen Amerikas, in denen es eine starke Kultur des Autofahrens gibt. \u201eWenn die Menschen aber jetzt das Fliegen vermeiden, kommen sie vom Regen in die Traufe\u201c, sagt der Risikoforscher Gigerenzer. Presse und Politik sollten seiner Ansicht nach an die Bev\u00f6lkerung appellieren, sich vern\u00fcnftig zu verhalten und nicht das gr\u00f6\u00dfere Risiko der weiten Autofahrten auf sich zu nehmen, um Fl\u00fcge zu umgehen. \u201eMan muss sich vor Augen halten, dass bei dem Flugzeugungl\u00fcck 150 Menschen gestorben sind, aber auf Deutschlands Stra\u00dfen auch innerhalb von zwei Wochen 150 Menschen sterben.\u201c<\/p>\n<h2>\u201eSchockrisiken\u201c wirken stark<\/h2>\n<p>Dass es den Menschen in Deutschland jetzt schwer f\u00e4llt, das geringere Risiko von Fl\u00fcgen realistisch wahrzunehmen, liegt Gigerenzer zufolge an der enormen Wirkung von \u201eSchockrisiken\u201c. Als Schockrisiko bezeichnet man es, wenn viele Menschen gleichzeitig zu einem Zeitpunkt sterben, wie es bei Flugzeugkatastrophen der Fall ist. \u201eDann wird besondere Angst bei denjenigen ausgel\u00f6st, die davon erfahren\u201c, sagt Gigerenzer. Die starke Reaktion der Politiker, die zur Ungl\u00fccksstelle reisen, sei zwar angemessen, k\u00f6nne die \u00c4ngste der Menschen aber noch verst\u00e4rken.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/risikowahrnehmung-wir-lassen-die-angst-entscheiden-13505431.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/risikowahrnehmung-wir-lassen-die-angst-entscheiden-13505431.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Flugzeugabst\u00fcrzen steigen die Menschen um aufs Auto &#8211; und verursachen dadurch Staus und Unf\u00e4lle. Autofahrernationen wie die Deutschen sind besonders gef\u00e4hrdet. 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