{"id":33997,"date":"2015-02-14T16:24:28","date_gmt":"2015-02-14T16:24:28","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=33997"},"modified":"2015-02-14T16:24:28","modified_gmt":"2015-02-14T16:24:28","slug":"anna-jacobson-schwartz-ist-die-herrin-des-geldes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=33997","title":{"rendered":"Anna Jacobson Schwartz ist die Herrin des Geldes"},"content":{"rendered":"<p>Anna Schwartz hat erforscht, wie die Geldpolitik die Krisen der Weltwirtschaft beeinflusst. Von ihren Erkenntnissen zehren die Notenbanken bis heute.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im Rampenlicht stand Anna Schwartz erst gegen Ende ihres langen Lebens.<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftswissen\/die-weltverbesserer\/milton-friedman-war-liberal-auch-bei-drogen-und-prostitution-13089920.html\"> Milton Friedman<\/a>, mit dem sie \u00fcber Jahrzehnte zusammengearbeitet hatte, insbesondere an dem bahnbrechenden Werk \u201eMonetary History of the United States 1867-1960\u201c, war im Jahr 2006 gestorben. Gleichsam an seiner Stelle erhob nach Ausbruch der internationalen Finanzkrise 2008 seine damals schon 93-j\u00e4hrige Koautorin k\u00e4mpferisch die Stimme des Monetarismus, jener Str\u00f6mung in der \u00f6konomischen Geldtheorie, die den engen Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation betont und sich gegen\u00fcber einer diskretion\u00e4ren, also nicht an eine feste Regel gebundenen Geldpolitik skeptisch zeigt.<\/p>\n<p>Anna Schwartz engagierte sich nicht nur in Fachgespr\u00e4chen und auf wissenschaftlichen Tagungen, sondern auch in den Medien, die sie zuvor weitgehend gemieden hatte &#8211; im Team Friedman-Schwartz war er der Medienstar gewesen und sie die flei\u00dfige Biene im Hintergrund. \u201eAnna hat die ganze Arbeit gemacht, und ich bekam die Anerkennung daf\u00fcr\u201c, hat Friedman, der 1976 mit dem Nobel-Ged\u00e4chtnispreis f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurde, einmal selbstkritisch eingestanden.<\/p>\n<p>Nun aber, im Fr\u00fchjahr 2009, nahm sie an einer Sondertagung der Mont P\u00e8lerin Society in New York teil und nutzte die Gelegenheit, um das Wesen und die Ursachen der Krise auf den Punkt zu bringen: Es handele sich nicht um einen Liquidit\u00e4tsengpass, sondern vielmehr um eine Solvenzkrise, und den Boden daf\u00fcr bereitet h\u00e4tten eine zu expansive Geldpolitik, die massive F\u00f6rderung des Immobilieneigentums durch den Staat sowie die Verbreitung von noch nicht ausgereiften Finanzprodukten.<\/p>\n<h2>Kritik an Ben Bernanke<\/h2>\n<p>Wenige Monate sp\u00e4ter, als \u00fcber die Erneuerung des Mandats f\u00fcr Ben Bernanke als Chairman der Federal Reserve zu entscheiden war, schrieb Schwartz <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2009\/07\/26\/opinion\/26schwartz.html?_r=0\">in der New York Times<\/a>, dieser habe ernsthafte S\u00fcnden des Tuns wie auch des Unterlassens begangen und eine Wiederberufung somit nicht verdient. Er kenne offenbar nur Nullen und Billionen, spottete sie &#8211; die Nullen f\u00fcr den Zinssatz und die Billionen f\u00fcr die Bilanzsumme. Der niedrige Zinssatz jedoch beg\u00fcnstige unsinnige Investitionen, und die aufgebl\u00e4hte Bilanzsumme berge ein gro\u00dfes aufgestautes Inflationspotential.<\/p>\n<p>Der schwerste Fehler der Federal Reserve indes liege in ihrer Unberechenbarkeit, schrieb Schwartz: Die Marktteilnehmer seien im September 2008 davon \u00fcberrascht worden, dass Lehman Brothers nicht gerettet wurde, und auch im weiteren Verlauf habe die Notenbank keine nachvollziehbaren Kriterien f\u00fcr ihr Handeln kommuniziert, sondern den Eindruck hinterlassen, sie entscheide ad hoc. Die danach eingetretene Kreditklemme sei kein Ergebnis eines Liquidit\u00e4tsmangels, sondern fundamentaler Unsicherheit: Niemand wisse, wen es als N\u00e4chsten erwischen werde.<\/p>\n<p>Die sportliche, energiegeladene und teamworkbegabte Wissenschaftlerin, die bis zuletzt t\u00e4glich in ihrem B\u00fcro am National Bureau of Economic Research (NBER) gearbeitet hat, einer privatwirtschaftlichen Forschungseinrichtung, galt als eine der besten \u00d6konominnen der Welt. Sie war eine herausragende, h\u00f6chst penible Empirikerin, die statistische Daten nicht nur zu sammeln, sondern auch zu interpretieren wusste und die zudem innovative Konzepte und Methoden der empirischen Messung erfand: Sie war die Herrin der Zahlen. Sie hat sich neben der monet\u00e4ren Statistik mit der quantitativen Forschung zur Geldpolitik, zu verschiedenen W\u00e4hrungsregimes sowie zu den internationalen Ansteckungswegen von Inflation und Konjunkturzyklen befasst.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftswissen\/die-weltverbesserer\/anna-jacobson-schwartz-ist-die-herrin-des-geldes-13416012.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftswissen\/die-weltverbesserer\/anna-jacobson-schwartz-ist-die-herrin-des-geldes-13416012.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anna Schwartz hat erforscht, wie die Geldpolitik die Krisen der Weltwirtschaft beeinflusst. 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