{"id":33459,"date":"2015-02-13T22:11:28","date_gmt":"2015-02-13T22:11:28","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=33459"},"modified":"2015-02-13T22:11:28","modified_gmt":"2015-02-13T22:11:28","slug":"new-yorker-u-bahnen-kerl-mach-platz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=33459","title":{"rendered":"New Yorker U-Bahnen: Kerl, mach Platz!"},"content":{"rendered":"<p>In den ohnehin immer \u00fcberf\u00fcllten New Yorker U-Bahnen haben Mitreisende einen neuen St\u00f6renfried identifiziert: den breitbeinig sitzenden Mann, der mehr Platz als n\u00f6tig f\u00fcr sich beansprucht. Plakate sollen \u201emanspreading\u201c verhindern.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Feierabendverkehr in Manhattan. Dicht gedr\u00e4ngt stehen die Menschen in der U-Bahnlinie 6 Richtung Bronx. Zwischen ihnen klemmen Einkaufstaschen, Kinderwagen und Rucks\u00e4cke. Nur Brian Miller hat es sich auf einer der B\u00e4nke breitbeinig bequem gemacht. Fast zwei ganze Pl\u00e4tze nimmt der 31-J\u00e4hrige ein. \u201eSo sitze ich immer\u201c, sagt der Kellner. \u201eEs ist einfach gem\u00fctlich und ich denke da gar nicht gro\u00df dr\u00fcber nach.\u201c Eine \u00e4ltere Frau, die eng eingequetscht neben Miller sitzt, sch\u00fcttelt ungl\u00e4ubig den Kopf.<\/p>\n<p>\u201eManspreading\u201c (auf Deutsch etwa: \u201eM\u00e4nner, die sich ausbreiten\u201c) nennen die Amerikaner das extrem breitbeinige Sitzen von M\u00e4nnern in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln. In den meist \u00fcberf\u00fcllten Wagen der New Yorker U-Bahn, die von rund sechs Millionen Passagieren am Tag benutzt wird, sind insbesondere Frauen vom exzessiven \u201emanspreading\u201c zunehmend genervt. Viele glauben, dass die M\u00e4nner ihre Beine absichtlich als Zeichen von Macht und Dominanz ausbreiten.<\/p>\n<p>\u201eEs macht mich verr\u00fcckt\u201c, sagte die Schauspielerin Kelley Rae O\u2019Donnell der \u201eNew York Times\u201c. \u201eIch entdecke mich dabei, wie ich diese M\u00e4nner anstarre, weil es in dieser \u00fcberf\u00fcllten Stadt einfach so r\u00fccksichtslos ist.\u201c Besonders breitbeinig sitzende M\u00e4nner fotografiert O\u2019Donnell und ver\u00f6ffentlicht die Bilder beim <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Kellrod\">Kurznachrichtendienst Twitter<\/a>. Und sie spricht die M\u00e4nner an. \u201eAber da bekomme ich meistens nur ein Gemurmel oder komplette Ablehnung zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n<h2>Eingequetschte Strichm\u00e4nnchen<\/h2>\n<p>Seit kurzem hat O\u2019Donnell die New Yorker Verkehrsbeh\u00f6rde MTA auf ihrer Seite. Mit Plakaten in rund 2600 U-Bahn-Wagen geht die MTA gegen das \u201emanspreading\u201c vor. \u201eDude &#8230; Stop the Spread, Please\u201c steht darauf. Neben der Schrift ist ein rotes Strichm\u00e4nnchen zu sehen, das breitbeinig auf einer U-Bahn-Bank sitzt, w\u00e4hrend zwei graue Strichm\u00e4nnchen eingequetscht daneben stehen.<\/p>\n<p>Die Kampagne solle die New Yorker zu besseren Manieren beim U-Bahn-Fahren anregen, sagt MTA-Chefin Carmen Bianco. \u201eH\u00f6flichkeit ist immer wichtig, aber sie bekommt noch gr\u00f6\u00dfere Bedeutung mit der wachsenden Zahl der Passagiere.\u201c Auch die Verkehrsbeh\u00f6rden anderer US-St\u00e4dte wie Seattle und Philadelphia gehen inzwischen mit Plakaten gegen das \u201emanspreading\u201c an. Die Kampagnen l\u00f6sten im Internet einen derartigen Wirbel aus, dass das Wort \u201emanspreading\u201c es sogar in die Endauswahl der Amerikanischen Gesellschaft f\u00fcr Sprache zum Wort des Jahres 2014 schaffte.<\/p>\n<p>In New York st\u00f6\u00dft die Kampagne gerade bei Frauen auf breite Zustimmung. Viele M\u00e4nner wehren sich dagegen und werfen den Frauen vor, sich ebenfalls \u00fcberm\u00e4\u00dfig auszubreiten &#8211; ob mit Einkaufstaschen oder \u00fcbereinandergeschlagenen Beinen.<\/p>\n<h2>Bei weitem nicht das gr\u00f6\u00dfte Problem<\/h2>\n<p>M\u00e4nner wie Frauen sind sich allerdings einig, dass \u201emanspreading\u201c bei weitem nicht das gr\u00f6\u00dfte Problem in der New Yorker U-Bahn ist. \u201eIch habe wirklich einmal einen Mann beobachtet, der Gummihandschuhe angezogen, eine B\u00fcchse Sardinen ge\u00f6ffnet und sie dann in der U-Bahn gegessen hat\u201c, sagte Yana Ivanov der \u201eNew York Times\u201c. Erica Herd berichtete von einem Mann, der sich die Fingern\u00e4gel schnitt. \u201eSeine N\u00e4gel flogen wie Raketen durch die ganze U-Bahn. Die anderen Passagiere und ich haben uns gleichzeitig geb\u00fcckt und gelacht.\u201c<\/p>\n<p>Neben dem &#8211; insbesondere geruchsintensiven &#8211; Essen und der K\u00f6rperpflege beschwerten sich die Passagiere nach Angaben der MTA besonders \u00fcber laute Musik, das Blockieren von T\u00fcren und akrobatische \u00dcbungen an Haltestangen. Auch gegen all diese Unh\u00f6flichkeiten geht die Verkehrsbeh\u00f6rde deswegen seit kurzem mit Plakaten vor.<\/p>\n<p>Aber Plakate hin oder her &#8211; viele New Yorker pl\u00e4dieren daf\u00fcr, die Probleml\u00f6sung einfach selbst in die Hand zu nehmen. \u201eDas hier ist New York City &#8211; ein pulsierender Ort voller Pers\u00f6nlichkeiten und merkw\u00fcrdiger Menschen\u201c, sagte Neil aus Brooklyn der \u201eNew York Times\u201c. \u201eWenn jemand seine Beine ausbreitet, geh r\u00fcber, frage ihn \u201emacht es dir etwas aus?\u201c und dann setze dich daneben. Wenn derjenige sich zu sehr ausbreitet, dr\u00fcckst du ihm einfach deinen Ellbogen in die Seite.\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/new-yorker-u-bahnen-kerl-mach-platz-13426776.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/new-yorker-u-bahnen-kerl-mach-platz-13426776.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den ohnehin immer \u00fcberf\u00fcllten New Yorker U-Bahnen haben Mitreisende einen neuen St\u00f6renfried identifiziert: den breitbeinig sitzenden Mann, der mehr Platz als n\u00f6tig f\u00fcr sich beansprucht. 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