{"id":33357,"date":"2015-02-04T10:18:27","date_gmt":"2015-02-04T10:18:27","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=33357"},"modified":"2015-02-04T10:18:27","modified_gmt":"2015-02-04T10:18:27","slug":"wall-street-banken-ringen-um-kulturwandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=33357","title":{"rendered":"Wall-Street-Banken ringen um Kulturwandel"},"content":{"rendered":"<p>Die amerikanischen Aufsichtsbeh\u00f6rden verlangen von den Banken drastische Ma\u00dfnahmen, die \u00fcber Geldbu\u00dfen hinausreichen k\u00f6nnten. Doch kultureller Wandel ist nur schwer zu messen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Milliardenstrafen gegen Banken reichen den amerikanischen Beh\u00f6rden nicht mehr. Der Pr\u00e4sident der regionalen Notenbank von New York, Willam Dudley, und andere Aufseher fordern sechs Jahre nach der Finanzkrise immer lauter einen kulturellen Wandel in der amerikanischen Finanzbranche. Zwar haben sich die gro\u00dfen Kreditinstitute und Investmentbanken vom Schock der Krise gesch\u00e4ftlich l\u00e4ngst wieder erholt. Das gilt auch f\u00fcr die B\u00f6rsenkurse. Aber gleichzeitig wurde die Liste der Fehltritte immer l\u00e4nger. Aufseher zogen die Finanzinstitute, darunter auch die Deutsche Bank, die an der Wall Street eine wichtige Rolle spielt, nicht nur wegen fragw\u00fcrdiger Hypothekengesch\u00e4fte zur Rechenschaft. Mit wechselnder Beteiligung kamen weitere Skandale dazu: Manipulation von Referenzzinsen, von Devisen und Strompreisen. Es gab F\u00e4lle von Insiderhandel, Geldw\u00e4sche und Missachtung von Wirtschaftssanktionen. Die H\u00f6he der Strafen bel\u00e4uft sich mittlerweile auf insgesamt mehr als 100 Milliarden Dollar. Viele Ermittlungen dauern an.<\/p>\n<p>Aufseher Dudley, der vor seinem Wechsel an die Spitze der New Yorker Fed lange f\u00fcr die Investmentbank Goldman Sachs t\u00e4tig gewesen war, h\u00e4lt den \u00f6ffentlichen Vertrauensverlust f\u00fcr so gravierend, dass er sogar die Stabilit\u00e4t des Finanzsystems bedroht sieht. Bei einer Anh\u00f6rung vor dem Bankenausschuss des Senats im November drohte er den gro\u00dfen Banken deswegen unverhohlen mit Zerschlagung: \u201eWenn das Fehlverhalten anh\u00e4lt, w\u00e4re es nicht unvern\u00fcnftig &#8211; und m\u00f6glicherweise sogar unvermeidlich &#8211; zu folgern, dass gro\u00dfe Firmen zu gro\u00df und komplex geworden sind, um wirksam geleitet werden zu k\u00f6nnen.\u201c Dudley hatte vor anderthalb Jahren die Debatte um die Kultur der Wall Street unter den Aufsehern angesto\u00dfen. \u201eEs gibt Belege f\u00fcr tiefverwurzeltes kulturelles und ethisches Versagen in vielen gro\u00dfen Finanzinstituten\u201c, sagte Dudley damals.<\/p>\n<p>Kultur und Kulturwandel sind nat\u00fcrlich vage und schwer zu definierende Begriffe, was es f\u00fcr die Banken schwierig macht, Fortschritte konkret zu messen. Angesichts des wachsenden Drucks scheint es aber zunehmend Anstrengungen zu geben, das Verhalten der Mitarbeiter zu verbessern und zu kontrollieren. Branchenprimus JP Morgan Chase ver\u00f6ffentlichte im Dezember auf Anfrage von Aktion\u00e4ren unter F\u00fchrung des Ordens Sisters of Charity of Saint Elisabeth einen 100 Seiten langen Bericht \u00fcber die Kultur der Bank &#8211; was JP Morgan als \u201eSchnittfl\u00e4che unserer Unternehmensstandards und des Handelns unserer Mitarbeiter\u201c beschreibt. Klar formulierte Richtlinien m\u00fcssten \u201ein die Wertorientierung jedes Mitarbeiters durch kontinuierliches Training eingebettet werden\u201c, hei\u00dft es in dem Report. Die Vorw\u00fcrfe gegen JP Morgan in den vergangenen Jahren reichten von fragw\u00fcrdigen Hypothekengesch\u00e4ften \u00fcber mangelnde Risikokontrolle bei Wertpapiergesch\u00e4ften bis zur dubiosen Rolle als Hausbank des Milliardenbetr\u00fcgers Bernie Madoff. Verst\u00f6\u00dfe gegen den hauseigenen Verhaltenskodex will die Bank \u00fcber die Kontrolle von Mitarbeiterbeschwerden verfolgen, die bei Managern oder einer besonderem Hotline eingehen. Ma\u00dfstab f\u00fcr Erfolg sei der R\u00fcckgang \u201ewidriger regulatorischer Ereignisse\u201c. In anderen Worten: weniger Klagen und Strafen.<\/p>\n<p>Die Bank Wells Fargo f\u00fchrt seit geraumer Zeit Umfragen unter Mitarbeitern durch, um den Grad der Zufriedenheit in der Belegschaft zu bestimmen. Wells Fargo geht davon aus, dass sich zufriedene Angestellte moralischer verhalten. Einen aufwendigeren Ansatz verfolgt das \u201eBetter Banking Project\u201c des Forschungsinstituts New America Foundation. Die Forscher arbeiten nach Medienberichten an einer Umfrage, mit der Banken Denkmuster von Angestellten identifizieren k\u00f6nnen, die in Zukunft \u00c4rger bereiten k\u00f6nnen. Zu den verbreiteten Mustern in der Branche geh\u00f6rt die Vorstellung, dass komplexe L\u00f6sungen ein Zeichen von Intelligenz seien. Die mit Hypotheken besicherten Krisenpapiere, deren Risiken untersch\u00e4tzt wurden, waren solch komplexe Produkte. Ein weiteres Denkmuster sei die Vorstellung, das \u201eGeld der beste Ma\u00dfstab f\u00fcr Erfolg\u201c sei. Auch die Bevorzugung eigener Interessen gegen\u00fcber denen der Kunden sowie kurzfristiges Denken gelten als problematisch. \u201eSolange sich diese Mentalit\u00e4t in der Branche nicht \u00e4ndert, wird Regulierung nicht ausreichen, um die Auswirkungen auf Verbraucher zu \u00e4ndern\u201c, schreibt Susan Ochs, die Gr\u00fcnderin der Initiative, in einer Studie.<\/p>\n<p class=\"WeitereBeitraege\"><span class=\"WBHead\">Mehr zum Thema<\/span><\/p>\n<ul class=\"WBListe\">\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/finanzen\/anleihen-zinsen\/besitzer-von-bundesanleihen-wollen-nicht-verkaufen-13406954.html\" title=\"Staatliche Wertpapiere: Die Anleihem\u00e4rkte trocknen allm\u00e4hlich aus\">Staatliche Wertpapiere: Die Anleihem\u00e4rkte trocknen allm\u00e4hlich aus<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch die Deutsche Bank hat sich den Kulturwandel auf die Fahnen geschrieben und gibt sich als Vorreiter. Die Bank hat nach Angaben von Ko-Vorstandschef J\u00fcrgen Fitschen die Mitarbeiterzahl in den internen Kontrollfunktionen deutlich aufgestockt. Sie setzt auf Weiterbildung, um Kulturwandel in den K\u00f6pfen zu verankern. \u201eWeltweit fanden 2014 \u00fcber eine halbe Million Schulungen zum Thema Compliance und Risikokultur statt &#8211; ein Drittel mehr als 2013\u201c, sagte Fitschen k\u00fcrzlich. Im Investmentbanking wurden Gesch\u00e4fte mit Kunden eingestellt, aus denen sich Reputationsrisiken ergeben k\u00f6nnten. Mitarbeiter, die den Kurs nicht mitgehen, werden verwarnt. Spitzenmanager m\u00fcssen Aktien, die als Bonus gezahlt werden, f\u00fcnf Jahre halten &#8211; l\u00e4nger als in der Branche \u00fcblich. \u201eEs gab deutliche Fortschritte\u201c, findet Fitschen. Es sei allerdings klar, dass ein tiefgreifender kultureller Wandel Jahre dauern werde.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/fonds-mehr\/wall-street-banken-ringen-um-kulturwandel-13406993.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/fonds-mehr\/wall-street-banken-ringen-um-kulturwandel-13406993.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die amerikanischen Aufsichtsbeh\u00f6rden verlangen von den Banken drastische Ma\u00dfnahmen, die \u00fcber Geldbu\u00dfen hinausreichen k\u00f6nnten. 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