{"id":30347,"date":"2014-11-01T12:21:58","date_gmt":"2014-11-01T12:21:58","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=30347"},"modified":"2014-11-01T12:21:58","modified_gmt":"2014-11-01T12:21:58","slug":"neue-eu-kommission-die-huter-der-vertrage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=30347","title":{"rendered":"Neue EU-Kommission: Die H\u00fcter der Vertr\u00e4ge"},"content":{"rendered":"<p>Die neuen EU-Kommissare nehmen ihre Arbeit auf. Manche von ihnen hat Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker ganz bewusst nach dem Prinzip \u201eBock zum G\u00e4rtner\u201c ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Sollten die rund 33.000 Mitarbeiter der Europ\u00e4ischen Kommission an diesem Samstagmorgen in ihr elektronisches Postfach schauen, werden sie darin eine Nachricht ihres neuen Chefs vorfinden. Ihr k\u00f6nnen sie entnehmen, dass sich Jean-Claude Juncker, dessen 28 Mitglieder z\u00e4hlende Kommission seit Mitternacht offiziell im Amt ist, sich auf die Zusammenarbeit mit ihnen freut. Und auch f\u00fcr die \u00fcbrigen mehr als 500 Millionen B\u00fcrger hielt Juncker bereits k\u00fcrzlich im Europ\u00e4ischen Parlament eine frohe Kunde bereit: \u201eIch will eine politische Kommission, die dem Gemeinwohl und den B\u00fcrgern Europas zu Diensten steht.\u201c<\/p>\n<p>Einen dicken Brocken haben Europas Staats- und Regierungschefs in der vergangenen Woche mit ihrer Verst\u00e4ndigung \u00fcber die Verringerung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis 2020 gegen\u00fcber dem Stand von 1990 aus Junckers Weg ger\u00e4umt. Auf der Agenda des Pr\u00e4sidenten stehen indes zun\u00e4chst andere Themen. Sein Prestigeprojekt ist ein Investitionsprogramm von 300 Milliarden Euro, an dem seine Kommission in den kommenden Wochen \u201eTag und Nacht\u201c feilen will. Es soll vor Weihnachten vorliegen \u2013 so die \u201efeste Zusage\u201c des im Dezember 60 Jahre alt werdenden Luxemburgers.<\/p>\n<p>Von seinem politischen Mentor Jacques Santer, der 1995 bis 1999 Kommissionspr\u00e4sident und sein Vorg\u00e4nger im Amt des luxemburgischen Ministerpr\u00e4sidenten war, wei\u00df Juncker, dass sich in der EU-Zentrale die Dinge nicht von heute auf morgen ver\u00e4ndern lassen. \u201eWeniger ist mehr\u201c lautete vor knapp zwanzig Jahren Santers Devise. Auch sein Landsmann Juncker setzt auf weniger Regelungen aus Br\u00fcssel und mehr Spielraum f\u00fcr die Mitgliedstaaten.<\/p>\n<p>            <span class=\"MediaLink\" itemprop=\"image\" itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageObject\"><span class=\"ArtikelBild290 galerie clearfix\"><a href=\"\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/neue-eu-kommission-die-hueter-der-vertraege-13241525-b2.html\" title=\"Die H\u00fcter der Vertr\u00e4ge\">                    <img title='Die H\u00fcter der Vertr\u00e4ge' height='163' itemprop='contentUrl' alt='Die H\u00fcter der Vertr\u00e4ge' width='290' class='media' src='http:\/\/media0.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/politik\/2954155473\/1.3242310\/article_teaser_marginal\/der-alte-und-der-neue-kommissionspraesident-manuel-barroso-links-uebergibt-das-amt-an-jean-claude-juncker.jpg' \/>                <\/a><span class=\"rightCol\"><span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\" title=\"Der alte und der neue Kommissionspr\u00e4sident: Manuel Barroso (links) \u00fcbergibt das Amt an Jean-Claude Juncker\">Der alte und der neue Kommissionspr\u00e4sident: Manuel Barroso (links) \u00fcbergibt das Amt an Jean-Claude Juncker<\/span>                                        <a title=\"Bilderstrecke \u00f6ffnen\" href=\"\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/neue-eu-kommission-die-hueter-der-vertraege-13241525-b2.html\" onclick=\"openArticleTab('images', 1, 'article')-return false-\"><span class=\"AML\">Bilderstrecke<span class=\"AMLArrow\"> <\/span><\/span><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>Die zentrale Neuerung besteht im organisatorischen Zuschnitt der Kommission. Juncker meinte scherzhaft, er selbst sei der \u201egro\u00dfe Verlierer\u201c dieser Neuordnung, weil er f\u00fcr vieles gar nicht selbst zust\u00e4ndig sei. Neben seinem ersten Stellvertreter, dem weltm\u00e4nnisch auftretenden niederl\u00e4ndischen Sozialdemokraten Frans Timmermans, umgibt sich der Kommissionspr\u00e4sident mit weiteren sechs Stellvertretern, darunter drei ehemalige Regierungschefs. Diese Vizepr\u00e4sidenten haben, im Gegensatz zu den f\u00fcr einzelne Fachressorts zust\u00e4ndigen Kommissaren, eine koordinierende Aufgabe \u2013 wobei selten klar ist, wer im Einzelfall was und wen koordiniert.<\/p>\n<p>So k\u00fcmmert sich der fr\u00fchere estnische Regierungschef Andrus Ansip um den \u201eDigitalen Binnenmarkt\u201c, der bisherige Energiekommissar G\u00fcnther Oettinger verantwortet dagegen das Ressort \u201eDigitale Wirtschaft und Gesellschaft\u201c. \u00c4hnlich unscharf ist die Abgrenzung zwischen dem slowakischen Vizepr\u00e4sidenten Maro\u0161 \u0160ef\u010dovi\u010d (Energieunion) und dem spanischen Fachkommissar Miguel Arias Ca\u00f1ete (Klimaschutz und Energie).<\/p>\n<p>\u00dcberschneidungen in der Zust\u00e4ndigkeit nimmt Juncker bewusst in Kauf \u2013 nicht zuletzt, weil er inhaltliche Konflikte schon ausgetragen sehen will, bevor sie auf der Tagesordnung des Kommissarskollegiums auftauchen. Besonders deutlich wird das in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Dem m\u00e4chtigen franz\u00f6sischen Wirtschafts- und W\u00e4hrungskommissar Pierre Moscovici sind mit dem Letten Valdis Dombrovskis (Euro und sozialer Dialog) und dem Finnen Jyrki Katainen (Besch\u00e4ftigung, Wachstum, Investitionen, Wettbewerbsf\u00e4higkeit) gleich zwei Vizepr\u00e4sidenten und ehemalige Regierungschefs \u00fcber- oder beigeordnet. W\u00e4hrend der fr\u00fchere Pariser Finanzminister als Anh\u00e4nger einer schuldenfinanzierten Haushaltspolitik gilt, haben Dombrovskis und Katainen in ihren Heimatl\u00e4ndern die Staatsfinanzen mit harter Sparpolitik saniert. Jeden Vorschlag, den Moscovici k\u00fcnftig in der EU-Haushaltsaufsicht macht \u2013 nicht zuletzt im anstehenden Umgang mit seinem Heimatland \u2013, muss er mit den Vizepr\u00e4sidenten vorher abstimmen. Niemand wei\u00df, welche Konflikte zwischen diesen Kommissionsmitgliedern ausgetragen werden \u2013 und wie sie ausgehen.<\/p>\n<h2>Ziel: Aufbruchstimmung verbreiten<\/h2>\n<p>Katainen hat auch die Federf\u00fchrung f\u00fcr das 300-Milliarden-Euro-Programm. Mit dessen Ank\u00fcndigung im Juni verfolgte der Luxemburger offenbar das Ziel, wirtschaftliche Aufbruchstimmung zu verbreiten und eine erkleckliche Summe f\u00fcr die Wachstumsf\u00f6rderung in das EU-Schaufenster zu stellen. Das Ziel erweist sich freilich als kaum erreichbar, weil die EU-Staaten daf\u00fcr keine neuen Schulden machen d\u00fcrfen. Die \u00f6fters praktizierte Methode, vorhandenes und nicht ausgegebenes Geld umzuschichten, hat Grenzen, ebenso wie neue Kreditprogramme der Europ\u00e4ischen Investitionsbank. Die vielfach beschworenen privaten Investoren lassen sich auch nicht herbeizaubern. Da in etlichen Staaten ohnehin Zweifel an der Dringlichkeit des Programms bestehen, steht der Erfolg von Junckers Prestigeprojekt in den Sternen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/neue-eu-kommission-die-hueter-der-vertraege-13241525.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/neue-eu-kommission-die-hueter-der-vertraege-13241525.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neuen EU-Kommissare nehmen ihre Arbeit auf. 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