{"id":29539,"date":"2014-10-05T06:04:37","date_gmt":"2014-10-05T06:04:37","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=29539"},"modified":"2014-10-05T06:04:37","modified_gmt":"2014-10-05T06:04:37","slug":"mode-in-zeiten-des-kriegs-wild-am-sonntag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=29539","title":{"rendered":"Mode in Zeiten des Kriegs: Wild am Sonntag"},"content":{"rendered":"<p>Und elegant in Feldgrau: Eine Ausstellung in Berlin zeigt, wie die Mode sich trotz und wegen der Schrecken des Ersten Weltkriegs emanzipieren konnte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wer denkt hier an Krieg? Die beiden Frauen auf dem Bild mit Chauffeur im Hintergrund wohl gewiss nicht. Gelassen stehen sie da im Berliner Tiergarten des Jahres 1914 und erinnern allenfalls an Ernst Ludwig Kirchners Gro\u00dfstadtekstasen dieser Zeit. Mag sein, dass die k\u00fchnen Federb\u00fcsche am ziemlich schr\u00e4gen Hut und der weite Schwung des Capemantels eine angedeutete Reminiszenz ans Milit\u00e4r sein sollen, mit einer Prise frivoler Ironie. Die Frauen tragen Sonntagsstaat, aber die Rockl\u00e4ngen sind schon k\u00fcrzer als bodenstreifend.<\/p>\n<p>Bald wird man von \u201edeutscher Mode\u201c lesen, wo vormals N\u00e4he zur Pariser Haute Couture betont worden war. \u201eWeg von Paris\u201c ist nun eine durchaus ernstgemeinte Kampagne mit patriotisch klirrenden Untert\u00f6nen. Auch die Modefarben, die sich in diesen Jahren durchsetzen sollen, atmen den Zeitgeist: Feldgrau und Bombenbraun, viel Gedecktes, Zur\u00fcckhaltendes, nichts Leuchtendes, Lautes. Nur die Farbe Schwarz kommt in dieser Zeit dazu. Erstmals ist sie Eleganz an sich und nicht mehr ausschlie\u00dflich als Zeichen der Trauer gemeint. So d\u00fcster die Mode der Zeit auch ist: Sie soll gute Stimmung machen. Wer tr\u00e4umt, h\u00e4lt leichter durch.<\/p>\n<h2>Graut\u00f6ne und Wollsocken<\/h2>\n<p>In ihrem forschen Artikel \u201eDer Krieg und die Mode\u201c, erschienen im September 1914 in der \u201eEleganten Welt\u201c, erkl\u00e4rt die Autorin Margarethe von Suttner das damalige aktuelle Jahr zum \u201eBefreiungsjahr, in dem wir auf modischem Gebiete selbst\u00e4ndig wurden\u201c. Das ist nachzulesen im reich illustrierten vorz\u00fcglichen Katalog zur Berliner Ausstellung \u201eKrieg und Kleider &#8211; Modegrafik zur Zeit des Ersten Weltkriegs\u201c. 1914 und die folgenden Jahre, die man nach dem Jubil\u00e4umsrausch der vergangenen Monate vor allem mit Graut\u00f6nen, selbstgestrickten Wollsocken f\u00fcr die Frontp\u00e4ckchen und der ersten gro\u00dfen Katastrophe des 20. Jahrhunderts verbindet, befreiten die modeinteressierten Frauen tats\u00e4chlich von allerlei Lasten und Tabus.<\/p>\n<p>Das ist die Botschaft dieser Berliner Schau. Schon anderthalb Jahre sp\u00e4ter, zum Ende des Jahres 1915 und zu Beginn von 1916, war die neue, wildere Richtung der Mode un\u00fcbersehbar. Die R\u00f6cke waren k\u00fcrzer geworden, merklich sogar, und schwingender, die Silhouetten hatten sich ver\u00e4ndert, die H\u00fcte wurden kleiner und verwegener. Endlich freie Bewegung f\u00fcr die nun viel besch\u00e4ftigte Frau. Das Jahr 1914 war also, so gesehen, wirklich ein Befreiungsjahr f\u00fcr die Frau.<\/p>\n<p><span class=\"MediaLink\"><span class=\"ArtikelBild290\">                <a href=\"\/aktuell\/stil\/mode-design\/mode-in-zeiten-des-kriegs-wild-am-sonntag-13151309-b2.html\"  title=\"31146318\">                            <img title='1915 in Berlin: Die R\u00f6cke sind schon k\u00fcrzer' height='163' itemprop='contentUrl' alt='31146318' width='290' class='media' src='http:\/\/media1.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/2629714097\/1.3174197\/article_teaser_marginal\/1915-in-berlin-die-roecke-sind-schon-kuerzer.jpg' \/><\/a>                                            <span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\" style=\"font-weight: normal- top: -10px-\" title=\"1915 in Berlin: Die R\u00f6cke sind schon k\u00fcrzer\">1915 in Berlin: Die R\u00f6cke sind schon k\u00fcrzer<\/span>                    <\/span><\/span><\/p>\n<p>Die Kunsthistorikerin Adelheid Rasche hat sich mit ihrer Ausstellung an eine vermeintliche Leerstelle gewagt. Doch habe sie dabei \u201eeine erstaunliche Vitalit\u00e4t und Modernit\u00e4t\u201c gefunden, schreibt sie im Katalog. Es sei viel \u00fcber die Goldenen Zwanziger, den Jugendstil oder die Reformkleid-Bewegung geschrieben worden, aber kaum etwas zu 1914 bis 1918. Ihre These, dass alles, was im Krieg als \u201epraktisch\u201c entwickelt und salonf\u00e4hig wurde, sich in den zwanziger Jahren als Mode endg\u00fcltig durchsetzt, ist bestechend klar und kann in dieser gut strukturierten Ausstellung demn\u00e4chst in der Berliner Kunstbibliothek \u00fcberpr\u00fcft und im Katalog nachgelesen werden.<\/p>\n<p>Beweise sind, um nur Beispiele zu nennen: die selbstbewussten Stra\u00dfenkost\u00fcme, die Kittel- und Mantelkleider, der Verzicht (zuerst aus Sparzw\u00e4ngen) auf pl\u00fcschigen Zierrat, das nicht auftrumpfende elegante Schwarz. Die Stoffe wurden leichter, zuerst nur aus Mangel. Aber dann blieben sie der Mode erhalten, genauso wie die Seide oder der Seidensamt, die damals ihren Siegeszug als Alltagsstoff antraten, weil es sie im Unterschied zur fronttauglichen Wolle lange noch ohne Bezugsschein gab.<\/p>\n<p class=\"WeitereBeitraege\"><span class=\"WBHead\">Mehr zum Thema<\/span><\/p>\n<ul class=\"WBListe\">\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/politik\/der-erste-weltkrieg\/\" title=\"Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts\">Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/politik\/der-erste-weltkrieg\/erster-weltkrieg-sekt-und-traenen-13074692.html\" title=\"Erster Weltkrieg: Sekt und Tr\u00e4nen \">Erster Weltkrieg: Sekt und Tr\u00e4nen <span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/stil\/mode-design\/mode\/designer-abc\/heinz-oestergaard-im-portrait-designer-abc-der-faz-1250968.html\" title=\"Designer-ABC: Heinz Oestergaard\">Designer-ABC: Heinz Oestergaard<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>In der Ausstellung kann man die Entwicklungen der drei gro\u00dfen Modemetropolen Paris, Berlin und Wien w\u00e4hrend der Kriegsjahre vergleichen und erkennt trotz aller Unterschiede einen internationalen Stil. Un\u00fcbersehbar auch der Einfluss der modernen europ\u00e4ischen Kunst, mit dieser und jener Hommage an den asiatischen und orientalischen Stil auf die hier versammelte exzellente Modegrafik. Es sind K\u00fcnstlermappen darunter, eigentlich unbezahlbar heute, weil sie selten in Museen zu finden sind und noch seltener auf dem Kunstmarkt.<\/p>\n<p>In der Kunstbibliothek sind erste Modefotografien ausgestellt und einige mattfarbene Bl\u00e4tter von Georges Lepape. Erstmals zu sehen auch die originellen Modeskizzen der Annie Offterdinger f\u00fcr das leider nur kurzlebige extravagante Berliner Modehaus Alfred-Marie. Es ist ein Schatz f\u00fcr sich, den die K\u00fcnstlerin der Kunstbibliothek stiftete. Auch die Modegrafik wurde aus Kriegsgr\u00fcnden zunehmend zu einer Dom\u00e4ne der Frauen. Parallel zu den Schrecken und Verw\u00fcstungen in Europa hat sich also, das ist die Erkenntnis dieser Schau, die zivile Mode dieser Jahre erstaunlich emanzipiert.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/stil\/mode-design\/mode-in-zeiten-des-kriegs-wild-am-sonntag-13151309.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/stil\/mode-design\/mode-in-zeiten-des-kriegs-wild-am-sonntag-13151309.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und elegant in Feldgrau: Eine Ausstellung in Berlin zeigt, wie die Mode sich trotz und wegen der Schrecken des Ersten Weltkriegs emanzipieren konnte.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":50086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[380,4328],"tags":[292,4555,386],"class_list":["post-29539","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-mode-design","category-stil","tag-berlin","tag-ernst-ludwig-kirchner","tag-paris"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29539","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29539"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29539\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29539"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29539"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29539"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}