{"id":28706,"date":"2014-09-10T21:12:59","date_gmt":"2014-09-10T21:12:59","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=28706"},"modified":"2014-09-10T21:12:59","modified_gmt":"2014-09-10T21:12:59","slug":"benzodiazepine-unter-demenz-verdacht-vergesslich-durch-beruhigungsmittel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=28706","title":{"rendered":"Benzodiazepine unter Demenz-Verdacht: Vergesslich durch  Beruhigungsmittel?"},"content":{"rendered":"<p>Sie werden millionenfach gegen Angst und innere Unruhe genommen: Benzodiazepine wie etwa Valium und Tavor. Jetzt haben Forscher pl\u00f6tzlich einen Zusammenhang zu Alzheimer entdeckt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vor 50 Jahren verschafften ihnen die Rolling Stones als \u201emother\u2019s little helper\u201c zweifelhaften Ruhm, der Lack ist l\u00e4ngst ab, die Verordnungszahlen gingen deutlich zur\u00fcck, aber vielleicht steht der eigentliche Eklat erst noch bevor: Die Rede ist von Benzodiazepinen, die in den sechziger und siebziger Jahren vor allem von Haus\u00e4rzten wie Zuckerpillen insbesondere an Frauen als Beruhigungs- und Schlafmittel gro\u00dfz\u00fcgig verteilt wurden. Bekannte Vertreter sind etwa Diazepam (Valium\u00ae), Lorazepam (Tavor\u00ae) oder Oxazepam (Adumbran\u00ae). Jetzt melden sich Forscher aus Frankreich und Kanada zu Wort, die einen \u00fcberdeutlichen Zusammenhang zwischen der l\u00e4ngerfristigen Einnahme von Benzodiazepinen und dem Auftreten einer Alzheimer-Demenz herstellen. Wie das Team um Bernard B\u00e9gaud von der Universit\u00e4t Bordeaux und ihre Kollegen von der Universit\u00e4t in Montreal jetzt in der OnlineAusgabe des \u201eBritish Medical Journal\u201c schreiben, erh\u00f6hen Benzodiazepine das Risiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken, im Mittel um 51 Prozent. (doi: 10.1136\/bmj.g5205).<\/p>\n<p class=\"WeitereBeitraege\"><span class=\"WBHead\">Mehr zum Thema<\/span><\/p>\n<ul class=\"WBListe\">\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/tabletten-abhaengigkeit-das-zeug-verliert-nicht-die-lust-an-dir-12273907.html\" title=\"Tabletten-Abh\u00e4ngigkeit: Das Zeug verliert nicht die Lust an dir\">Tabletten-Abh\u00e4ngigkeit: Das Zeug verliert nicht die Lust an dir<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/wissen\/medizin\/jeder-fuenfte-student-nimmt-pillen-hirndoping-boomt-an-universitaeten-12045969.html\" title=\"Jeder f\u00fcnfte Student nimmt Pillen: Hirndoping boomt an Universit\u00e4ten\">Jeder f\u00fcnfte Student nimmt Pillen: Hirndoping boomt an Universit\u00e4ten<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Forscher analysierten f\u00fcr das Jahrzehnt von Anfang des Jahres 2000 bis Ende des Jahres 2009 die Daten von rund 9000 Personen, die \u00e4lter als 66 Jahre waren und von denen sowohl Diagnosen als auch Informationen \u00fcber ihre Medikation in einer kanadischen Datenbank f\u00fcr die Provinz Quebec fast l\u00fcckenlos vorhanden sind. Es zeigte sich, dass diejenigen, die nicht l\u00e4nger als drei Monate eine Tagesdosis erhielten, kein h\u00f6heres Demenzrisiko aufwiesen als jene, die keine Medikamente dieser Substanzgruppe einnahmen. Betrug die Einnahmedauer zwischen drei und sechs Monaten, erh\u00f6hte sich das Risiko f\u00fcr eine Alzheimer-Erkrankung um 32 Prozent, waren es mehr als sechs Monate, lag die Risikoerh\u00f6hung bei 84 Prozent.<\/p>\n<p>Eine solche Langzeitverschreibung ist keine Seltenheit, manche Patienten erhalten sie zehn Jahre und l\u00e4nger. Da Benzodiazepine rezeptpflichtig sind, steht dahinter letztlich immer ein Arzt. Patienten, die regelm\u00e4\u00dfig ihr Benzodiazepinrezept einl\u00f6sen, sind in Apotheken keine Unbekannten. Wie unl\u00e4ngst in der \u201ePharmazeutischen Zeitung\u201c berichtet wurde, k\u00f6nnen Apotheker durchaus etwas dagegen tun, um nicht l\u00e4nger Erf\u00fcllungsgehilfen bei dieser Form des Medikamentenmissbrauchs zu sein (Online-Ausgabe, Bd. 21). Dort wird ein Modellprojekt des Bundesgesundheitsministeriums vorgestellt, wie der Apotheker eine Entzugsbehandlung initiieren, den Patienten und den Arzt daf\u00fcr gewinnen und dann gemeinsam mit ihnen umsetzen kann. Die Dauerverschreibung ist \u00fcberhaupt nur deshalb m\u00f6glich, weil der Abh\u00e4ngige lange mit der gleichen Dosis auskommt. Der Substanzmissbrauch hat selten auffallend schwerwiegende Nebenwirkungen, was diese Medikamente von Anfang an f\u00fcr eine risikoarme Verordnung im Praxisalltag attraktiv machte. Wie sich jetzt am Beispiel der Demenz zeigt, sind wom\u00f6glich die Sch\u00e4den einer Dauertherapie l\u00e4ngst nicht absehbar.<\/p>\n<h2>Noch kein Beweis<\/h2>\n<p>Gewarnt vor einer sorglosen Verschreibung von Benzodiazepinen wird schon lange, der Verbrauch ist auch seit Jahren r\u00fcckl\u00e4ufig. Dennoch sind laut \u201eJahrbuch Sucht\u201c von 2013 hierzulande immer noch 1,2 Millionen Menschen Benzodiazepin-abh\u00e4ngig. Zum Vergleich: Der j\u00fcngste Drogenbericht der Bundesregierung beziffert die Zahl der Alkohol-Abh\u00e4ngigen auf nur wenig mehr, n\u00e4mlich 1,3 Millionen, und sch\u00e4tzt, dass illegale Drogen in problematischem Ausma\u00df von rund 250 000 Menschen konsumiert werden. Die aktuelle Studie aus Kanada best\u00e4tigt, was die Forscher vor zwei Jahren innerhalb der franz\u00f6sischen Bev\u00f6lkerung beobachtet haben. Zwar l\u00e4sst sich aus der blo\u00dfen H\u00e4ufung von Demenzen nach Benzodiazepineinnahme nicht zwingend folgern, dass die Medikamente die Ausl\u00f6ser sind. Es k\u00f6nnte sein, dass \u00c4ngste, Schlafst\u00f6rungen und psychische Probleme, gegen die diese Mittel verschrieben werden, quasi Vorl\u00e4ufer einer Demenz sind. Allerdings ist ebenso bekannt, dass Benzodiazepine massive Ged\u00e4chtnisst\u00f6rungen hervorrufen k\u00f6nnen, selbst bei kurzzeitigem Gebrauch. Sie beeintr\u00e4chtigen das Denken, stumpfen ab und schw\u00e4chen die Konzentration, die Sturzgefahr ist massiv erh\u00f6ht. Die Patienten machen mehr Fehler, f\u00fchlen sich h\u00e4ufiger \u00fcberfordert und ziehen sich sozial zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Ein Benzodiazepinentzug stellt indes eine enorme Herausforderung dar und ist bei lediglich ambulanter Betreuung oft wenig erfolgversprechend. Angeh\u00f6rige und einweisende \u00c4rzte erleben nicht selten, wie ungern psychiatrische Kliniken Benzodiazepinabh\u00e4ngige aufnehmen, was verst\u00e4ndlich macht, dass Pl\u00e4tze f\u00fcr einen station\u00e4ren Entzug ebenfalls schwer zu finden sind. Mit einigen Wochen ist es zudem nicht getan, das Reduzieren der Dosis funktioniert &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; nur in kleinen Schritten. Der Patient steht ohne ausreichenden Wirkspiegel quasi st\u00e4ndig unter einer inneren Unruhe und Hochspannung, die f\u00fcr sein Gegen\u00fcber geradezu k\u00f6rperlich zu greifen ist. Diese Medikamente selbst \u00fcber Jahre gegen jede Vernunft weiter zu verschreiben, ist f\u00fcr einen Arzt erkennbar das kleinere \u00dcbel.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/benzodiazepine-unter-demenz-verdacht-vergesslich-durch-beruhigungsmittel-13142414.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/benzodiazepine-unter-demenz-verdacht-vergesslich-durch-beruhigungsmittel-13142414.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie werden millionenfach gegen Angst und innere Unruhe genommen: Benzodiazepine wie etwa Valium und Tavor. 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