{"id":27809,"date":"2014-08-15T06:36:29","date_gmt":"2014-08-15T06:36:29","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=27809"},"modified":"2014-08-15T06:36:29","modified_gmt":"2014-08-15T06:36:29","slug":"lbbw-chefvolkswirt-im-parkettgesprach-der-euroraum-ist-anfallig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=27809","title":{"rendered":"LBBW-Chefvolkswirt im Parkettgespr\u00e4ch: \u201eDer Euroraum ist anf\u00e4llig\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Zwar h\u00e4lt Uwe Burkert, Chefvolkswirt bei der LBBW, die gegenw\u00e4rtig d\u00fcstere Stimmungslage an den Finanzm\u00e4rkten f\u00fcr \u00fcberzeichnet. Trotzdem sei der Euroraum momentan sehr fragil und die Anleger nerv\u00f6s.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dass nur geringe zus\u00e4tzliche Belastungen ausreichen, um den Euroraum in eine neue Abw\u00e4rtsspirale abst\u00fcrzen zu lassen, ist nach Ansicht von Uwe Burkert in den vergangenen Wochen wahrscheinlicher geworden. Doch der Chefvolkswirt der Landesbank Baden-W\u00fcrttemberg (LBBW) teilt die zeitweise d\u00fcstere Stimmungslage an den Finanzm\u00e4rkten nicht ganz, weil diese Gefahr seiner Ansicht nach ein St\u00fcck weit \u00fcberzeichnet wird. So h\u00e4lt er die Auswirkungen des Sanktionswettlaufs zwischen Russland und dem Westen f\u00fcr die Wirtschaft in Deutschland sowie im Euroraum f\u00fcr verkraftbar. Trotzdem stellt er fest: \u201eDie Risiken f\u00fcr die Konjunktur und die Chancen auf weitere Gewinne am Anleihemarkt wachsen.\u201c<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) best\u00e4tigen dies. In Deutschland schrumpfte die Wirtschaft, und in Frankreich stagnierte sie. \u201eDas konjunkturelle Negativszenario ist wahrscheinlicher\u201c, sagt Burkert. Dies habe schon die Abw\u00e4rtstrends am Aktienmarkt beschleunigt. Der Dax sank Freitag vor einer Woche sogar unter die Marke von 9000 Punkten. Anleger schichten ihre Mittel in die wieder als sicherer Hafen gesch\u00e4tzten Bundesanleihen um. Die Kursgewinne der Bundesanleihen sollten laut Burkert f\u00fcr weiter nachhaltig sinkende Renditen sorgen. Nach den entt\u00e4uschenden BIP-Zahlen sank die Rendite der zehnj\u00e4hrigen Bundesanleihe am Donnerstag erstmals unter die Marke von 1 Prozent. \u201eIn diesem Szenario d\u00fcrften weiter sinkende Eurolangfristzinsen indirekt auch anhaltenden Abw\u00e4rtsdruck auf die Anleiherenditen in den Vereinigten Staaten und in Gro\u00dfbritannien aus\u00fcben, selbst wenn die Perspektive einer Leitzinswende im kommenden Jahr f\u00fcr die angels\u00e4chsischen L\u00e4nder intakt bleibt\u201c, erwartet Burkert. Aus Sicht international agierender Investoren erh\u00f6hten die extrem niedrigen Renditen im Euroraum die relative Attraktivit\u00e4t von Anlagen im Dollar und im britischen Pfund.<\/p>\n<p>F\u00fcr Burkert ist die amerikanische Wirtschaft so stark und robust, dass sie der Notenbank Federal Reserve (Fed) keine andere Wahl l\u00e4sst, als die Leitzinswende fr\u00fcher einzuleiten als derzeit am Markt erwartet. Die j\u00fcngsten Arbeitsmarktdaten sind gemischt ausgefallen. Die schwachen Zahlen zum Lohnwachstum haben laut Burkert den Druck von den Verfechtern einer Niedrigzinspolitik in der Fed genommen, ihre Position zu \u00e4ndern. In dieser Woche deuten aber die Zahlen zu den offenen Stellen auf eine Stabilisierung des Arbeitsmarktes. Die 4,7 Millionen offenen Stellen im Juni sind der h\u00f6chste Stand seit 13 Jahren. Das verst\u00e4rkt die Erwartung einer geldpolitischen Straffung. Nach einer aktuellen Umfrage von Merrill Lynch, der Investmentbank der Bank of America, erwarten zwei Drittel der 224 befragten Fondsmanager eine Leitzinserh\u00f6hung in den Vereinigten Staaten noch im ersten Halbjahr 2015. In Gro\u00dfbritannien wird ein solcher Schritt der Bank von England zum Teil schon in diesem Jahr erwartet.<\/p>\n<h2>Angespannte geopolitische Lage verunsichert Unternehmen<\/h2>\n<p>Nach Ansicht von Burkert tragen auch die geopolitischen Risiken wie der Konflikt in der Ukraine dazu bei, dass das Ende der Fahnenstange bei den Anleiherenditen noch nicht erreicht sei. Doch mit Sorge blickt er auf die konjunkturelle Lage in den Eurol\u00e4ndern. \u201eDass die Grundverfassung der Wirtschaft im Euroraum angesichts der Belastungen aus Finanz- und Schuldenkrise deutlich schw\u00e4cher und anf\u00e4lliger ist als jene Amerikas, ist inzwischen fast schon Folklore.\u201c Jedoch n\u00e4hrten die j\u00fcngsten Konjunkturdaten die Bef\u00fcrchtung, dass selbst die vorsichtigen Zeichen der vergangenen Monate, die einen konjunkturellen Fr\u00fchling erwarten lie\u00dfen, eine zu optimistische Sicht der Dinge vermittelt haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Zahlen zur Industrieproduktion im Juni best\u00e4tigen Burkerts Sicht. Sie schrumpfte im Euroraum zum Vormonat um 0,3 Prozent. Schon im Mai war ein R\u00fcckgang von 1,1 Prozent verzeichnet worden. Den R\u00fcckgang der Wirtschaftsleistung Italiens im zweiten Quartal wertet Burkert \u201eschon fast als Fanal\u201c, zumal diese Entt\u00e4uschung auf eine ebensolche im Auftaktquartal folgt. Mit Italien befindet sich die drittgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Eurozone in der Rezession. Aber auch in den beiden wichtigsten L\u00e4ndern sieht es schlecht aus: Frankreichs Regierung musste ihre Wachstumsprognose f\u00fcr das laufende Jahr auf 0,5 Prozent halbieren. \u201eZu allem \u00dcberfluss verst\u00e4rkt sich auch noch der Strom wenig erfreulicher Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft und stellt damit die Zugkraft der bisherigen Konjunkturlokomotive in Frage\u201c, gibt Burkert zu bedenken. Als Ursache daf\u00fcr verweist er auf die Verunsicherung der Unternehmen durch die angespannte geopolitische Lage. Denn Investitionsvorhaben w\u00fcrden gepr\u00fcft oder aufgeschoben.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/aktien\/lbbw-chefvolkswirt-im-parkettgespraech-der-euroraum-ist-anfaellig-13098562.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/aktien\/lbbw-chefvolkswirt-im-parkettgespraech-der-euroraum-ist-anfaellig-13098562.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwar h\u00e4lt Uwe Burkert, Chefvolkswirt bei der LBBW, die gegenw\u00e4rtig d\u00fcstere Stimmungslage an den Finanzm\u00e4rkten f\u00fcr \u00fcberzeichnet. 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