{"id":26861,"date":"2014-07-19T06:00:00","date_gmt":"2014-07-19T06:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=26861"},"modified":"2014-07-19T06:00:00","modified_gmt":"2014-07-19T06:00:00","slug":"screening-auf-gebarmutterhalskrebs-wenn-ein-neuer-test-auf-ein-altes-gesundheitssystem-trifft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=26861","title":{"rendered":"Screening auf Geb\u00e4rmutterhalskrebs: Wenn ein neuer Test auf ein altes Gesundheitssystem trifft"},"content":{"rendered":"<p>Das Fr\u00fcherkennung f\u00fcr Geb\u00e4rmutterhalskrebs steht vor einer Reform. Frauen\u00e4rzte bef\u00fcrchten durch neue Tests ver\u00e4ngstigte Patientinnen &#8211; und eine gewaltige Beratungswelle, die auf sie zukommt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist nicht so, dass \u00fcber den Pap-Test beim Frauenarzt &#8211; auch bekannt als \u201eKrebs-Abstrich\u201c &#8211; immer Einigkeit geherrscht h\u00e4tte. Der j\u00e4hrliche Test auf Geb\u00e4rmutterhalskrebs (\u201ePap\u201c benannt nach dem griechischen Mediziner George Papanicolaou) ist seit langem eins der umstrittensten Themen in der deutschen Gyn\u00e4kologie, ja er sticht sogar in der gesamten Debatte um Vorsorgeuntersuchungen als ein beispiellos vermintes Gebiet hervor. Insbesondere das Untersuchungsintervall wird oft als zu kurz kritisiert, die h\u00e4ufigen Abstriche k\u00f6nnten zu massenhaften Diagnosen und damit auch zu \u00dcbertherapie f\u00fchren, hei\u00dft es oft. Einmal im Jahr k\u00f6nnen in Deutschland alle Frauen ab zwanzig Jahren diese Vorsorgeuntersuchung als Kassenleistung wahrnehmen, seit 1971. Daf\u00fcr werden Zellen aus dem Geb\u00e4rmutterhalskanal entnommen, gef\u00e4rbt und unter dem Mikroskop betrachtet. So k\u00f6nnen Zellver\u00e4nderungen unterschiedlichen Grades festgestellt werden, die auf eine Krebsentwicklung, ein Zervixkarzinom, hinweisen- sie werden von Humanen Papillomviren (HPV) ausgel\u00f6st, die beim Geschlechtsverkehr \u00fcbertragen werden.<\/p>\n<p>Weltweit sterben immer noch 275 000 Frauen j\u00e4hrlich an Geb\u00e4rmutterhalskrebs. In Deutschland konnte die Erkrankungsrate seit 1971 immerhin um achtzig Prozent gesenkt werden. Die Beurteilung des gef\u00e4rbten Abstrichs unter dem Mikroskop gilt aber als subjektiv, zudem hat die Therapie, die sogenannte Konisation, gef\u00e4hrliche Nebenwirkungen. Nach einer Konisation, bei der das erkrankte Gewebe kegelf\u00f6rmig entfernt wird, steigt das Risiko f\u00fcr eine Fr\u00fchgeburt bei einer nachfolgenden Schwangerschaft deutlich. Unn\u00f6tige Konisationen, die durch h\u00e4ufige Abstriche gef\u00f6rdert werden, gelten deshalb als unerw\u00fcnschte Nebenwirkung des engmaschigen Screenings.<\/p>\n<h2>Austritt aus der Kommission<\/h2>\n<p>Die Kritik an dem Verfahren schwelt seit langem. Doch jetzt ist der Konflikt gleich auf mehreren Ebenen eskaliert: Aus der Expertenkommission, die bei der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Gyn\u00e4kologie und Geburtshilfe angesiedelt ist und an einer neuen Leitlinie f\u00fcr das Screening arbeitet, sind im Mai die Vertreter von vier Verb\u00e4nden ausgetreten, darunter der Berufsverband der Frauen\u00e4rzte und die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Zytologie. Aus den Reihen der Mitglieder hei\u00dft es, die Kommission sei in zwei Lager gespalten gewesen: das \u201eZyto-Lager\u201c und das \u201eHPV-Lager\u201c. Letzteres tritt daf\u00fcr ein, einen molekularbiologischen Test zur Virusdiagnostik in das Screening aufzunehmen, wie es etwa in den Vereinigten Staaten inzwischen empfohlen und in den Niederlanden von 2016 an umgesetzt wird. Die meisten dieser Tests beruhen auf PCR-Verfahren. Das \u201eZyto-Lager\u201c, das den erprobten Pap-Test &#8211; also das zytologische Verfahren, die Zellbeurteilung &#8211; verficht, sah die Interessenkonflikte anderer Mitglieder kritisch, \u00fcber die eine Zusammenarbeit mit Herstellern von HPV-Tests bekannt ist.<\/p>\n<p>Noch mehr Brisanz erhielt die Debatte, als das Institut f\u00fcr Qualit\u00e4t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Juni einen \u201eRapid Report\u201c zum Thema ver\u00f6ffentlichte und damit eine Nutzenbewertung vornahm, auf die sich auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) st\u00fctzen wird, wenn er entscheidet, ob der HPV-Test zu einer Kassenleistung werden soll. Der G-BA ber\u00e4t derzeit intensiv \u00fcber das Screening. Momentan ist der HPV-Test noch eine individuelle Gesundheitsleistung, die f\u00fcr die Patientinnen mit etwa 40 bis 70 Euro zu Buche schl\u00e4gt.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/screening-auf-gebaermutterhalskrebs-wenn-ein-neuer-test-auf-ein-altes-gesundheitssystem-trifft-13045861.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/screening-auf-gebaermutterhalskrebs-wenn-ein-neuer-test-auf-ein-altes-gesundheitssystem-trifft-13045861.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Fr\u00fcherkennung f\u00fcr Geb\u00e4rmutterhalskrebs steht vor einer Reform. 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