{"id":26857,"date":"2014-07-19T23:15:14","date_gmt":"2014-07-19T23:15:14","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=26857"},"modified":"2014-07-19T23:15:14","modified_gmt":"2014-07-19T23:15:14","slug":"werbeverbot-fur-softdrinks-in-mexiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=26857","title":{"rendered":"Werbeverbot f\u00fcr Softdrinks in Mexiko"},"content":{"rendered":"<p>Mexiko setzt sich an die politische Spitze im Kampf gegen \u00dcbergewicht und Fettsucht. Wenn die meisten Kinder vor dem Fernseher oder im Kino sitzen, ist jetzt Werbung f\u00fcr Softdrinks verboten. Und der Feldzug gegen die Kalorienbomben geht weiter.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201eEs war h\u00f6chste Zeit, dass etwas passiert.\u201c Paulina Deschamps, Umweltforscherin aus Mexiko City und schon reichlich herumgekommen in der Welt, steht vor dem Plaza del Santo Domingo in Oaxaca und hat bis zu diesem Moment regelrechte Lobeshymnen gesprochen \u00fcber den kulturellen Rang der indigenen Gruppen, die in diesen Tagen f\u00fcr das ,,Guelaguetza\u201c-Festival aus dem ganzen Land angereist sind und durch die Hauptstadt des s\u00fcdlichen Bundesstaates ziehen. Angesprochen auf die offenkundigen lukullischen Leidenschaften vor allem der jungen Mexikaner f\u00fcr S\u00fc\u00dfes, Fettiges und Softdrinks jeder Art und in jedweder Gr\u00f6\u00dfe, wird sie zornig \u201eDas s\u00fc\u00dfe Zeug ist Gift f\u00fcr die Kinder.\u201c<\/p>\n<p>Nirgendwo in der Welt ist die Zahl der \u00dcbergewichtigen und Fettleibigen in den vergangenen zwei Jahrzehnten so stark gewachsen wie in Mexiko &#8211; der Anteil  an der Gesamtbev\u00f6lkerung ist zwischen 1980 und 2008 von einem Drittel auf zwei Drittel gestiegen. Nirgendwo werden auch so viel Cola und andere zuckerhaltige Erfrischungsgetr\u00e4nke konsumiert: 163 Liter im Schnitt pro Jahr.<\/p>\n<p><span class=\"MediaLink\"><span class=\"ArtikelBild290\">                <a href=\"\/aktuell\/wissen\/medizin\/werbeverbot-fuer-softdrinks-in-mexiko-13054994-b2.html\"  title=\"30279235\">                            <img title='Junge Stra\u00dfenverk\u00e4uferin in Oaxaca.' height='163' itemprop='contentUrl' alt='30279235' width='290' class='media' src='http:\/\/media0.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/wissen\/695577511\/1.3054962\/article_teaser_marginal\/junge-strassenverkaeuferin-in-oaxaca.jpg' \/><\/a>                                            <span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\" style=\"font-weight: normal- top: -10px-\" title=\"Junge Stra\u00dfenverk\u00e4uferin in Oaxaca.\">Junge Stra\u00dfenverk\u00e4uferin in Oaxaca.<\/span>                    <\/span><\/span><\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.karger.com\/Article\/FullText\/358738\">Rostocker Max-Planck-Institut f\u00fcr demographische Forschung<\/a> rechnet in einer neuen Studie vor, dass sich die Zahl der \u00dcbergewichtigen in Deutschland in den n\u00e4chsten f\u00fcnfzehn Jahren um 80 Prozent steigern k\u00f6nnte. Das ist nichts gegen Epidemie der Fetts\u00fcchtigen in Mexiko, die sich grausam schnell wie sonst nirgends in den medizinischen Statistiken niederschl\u00e4gt: Keines der anderen fast drei Dutzend OECD-Staaten hat eine so hohe Rate an Diabetikern in der Bev\u00f6lkerung wie der mittelamerikansiche Staat mit seinen mehr als 120 Millionen Einwohnern. <\/p>\n<p>Und weil die dicken Leiber immer j\u00fcnger werden, der Medienkonsum der Kinder und Jugend aber steigt, was die Krise noch weiter zu versch\u00e4rfen droht, hat die Regierung jetzt ihre vor einem Jahr begonnene Kampagne gegen den explodierenden Kalorienkonsum versch\u00e4rft. Damals hat man eine Steuer auf Getr\u00e4nke und Essen mit unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohem Zucker- und damit Energiegehalt erhoben. Ein Teil vom Fast Food und der s\u00fc\u00dfen Backwaren, die Mexikaner neben den deftigen Tortilla-Gerichten so lieben, sind damit teuerer geworden. Das reicht der Regierung aber noch lange nicht. Jetzt da man mit dem Anteil der \u00dcbergewichtigen und Fettleibigen bei 70 Prozent und damit fast auf der H\u00f6he des gro\u00dfen Nachbarn Vereinigte Staaten von Amerika angekommen ist, und zudem noch die Kinderrate schon bei mehr als 30 Prozent liegt, wird der Kampf nochmal versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Paulina h\u00e4lt es f\u00fcr eine Notbremse. Seit diesem Monat hat man ein sch\u00e4rferes Werbeverbot f\u00fcr kalorienhaltige Erfrischungsgetr\u00e4nke als jede andere Nation eingef\u00fchrt: Werktags zwischen 14:30 Uhr und 19:30 Uhr und an Wochenenden zwischen 7:30 Uhr morgens bis 19:30 Uhr abends darf f\u00fcr die Kaloriendrinks weder im Fernsehen noch in Kinos geworben werden. Es sind die Zeiten, in denen viele Familien geschlossen, vor allem aber die Kinder, vor der Glotze sitzen. Andere L\u00e4nder, auch europ\u00e4ische wie Gro\u00dfbritannien und Norwegen, haben derart schon in die  Kinderprogramme eingegriffen. Mit dem radikalen Werbeverbot im \u00f6ffentlichen Fernsehen und Kinoprogramm setzt sich Mexiko jetzt allerdings klar an die Spitze der Antikalorienkonsum-Bewegung.<\/p>\n<p><span class=\"MediaLink\"><span class=\"ArtikelBild290\">                <a href=\"\/aktuell\/wissen\/medizin\/werbeverbot-fuer-softdrinks-in-mexiko-13054994-b3.html\"  title=\"30279238\">                            <img title='Hochkalorisches Fritiertes in XXL-Portionen - die jungen Mexikaner sind genussfreudig.' height='163' itemprop='contentUrl' alt='30279238' width='290' class='media' src='http:\/\/media1.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/wissen\/4152837365\/1.3054963\/article_teaser_marginal\/hochkalorisches-fritiertes-in-xxl-portionen-die-jungen-mexikaner-sind-genussfreudig.jpg' \/><\/a>                                            <span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\" style=\"font-weight: normal- top: -10px-\" title=\"Hochkalorisches Fritiertes in XXL-Portionen - die jungen Mexikaner sind genussfreudig.\">Hochkalorisches Fritiertes in XXL-Portionen &#8211; die jungen Mexikaner sind genussfreudig.<\/span>                    <\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201eWir Mexikaner wissen, dass es nicht anders geht\u201c, sagt Pauline, die in ihrem erwachsenen Leben keine Softdrinks anger\u00fchrt haben will. Die Umfragen vor dem Verbot h\u00e4tten gezeigt, dass die Mehrheit ihres Volkes hinter der Ma\u00dfnahme steht. Wie rabiat sie sich f\u00fcr die Medien und Kinos auswirkt, steht auf einem anderen Blatt: Knapp 40 Prozent der Werbung, so wurde in einem Gutachten vor der Parlamentsentscheidung ermittelt, werden durch andere Kunden ersetzt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die  Mexikaner ber\u00fchrt das mehrheitlich offenbar kaum. Die Amerikanisierung, die durch den freien Handel und den gemeinsamen Wirtschaftsraum Nafta in ihren Augen beschleunigt wurde, wird vielen Einheimischen schon unheimlich. \u201eDie Kultur des Landes ver\u00e4ndert sich radikal\u201c, sagt Pauline. Einerseits wachsen der Bildungsstandard und die Wirtschaftskraft in vielen Regionen, insbesondere den st\u00e4dtischen, andererseits aber \u00fcbernimmt man auch die Schattenseiten der nordamerikansichen \u00dcberflussgesellschaft. Es sind keineswegs nur amerikansiche Firmen, die hier profitieren und die nun Federn lassen sollen. Mexikanische Softdrinkhersteller haben in den vergangenen Jahren ebenso an Ums\u00e4tzen zugelegt. Der Widerstand jedoch w\u00e4chst. In der vergangenen Woche gab es schon Stimmen aus der Regierung, die sich daf\u00fcr ausgesprochen haben, das Werbeverbot auch auf kalorienhaltige Speisen &#8211; Fast Food und \u201es\u00fc\u00dfes Brot\u201c &#8211; auszudehnen. Pauline: \u201eWir rechnen eigentlich alle damit, dass das so kommt.\u201c <\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/werbeverbot-fuer-softdrinks-in-mexiko-13054994.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/werbeverbot-fuer-softdrinks-in-mexiko-13054994.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mexiko setzt sich an die politische Spitze im Kampf gegen \u00dcbergewicht und Fettsucht. 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