{"id":26741,"date":"2014-06-14T17:20:20","date_gmt":"2014-06-14T17:20:20","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=26741"},"modified":"2014-06-14T17:20:20","modified_gmt":"2014-06-14T17:20:20","slug":"abitur-noten-werden-immer-besser-die-bildung-schlechter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=26741","title":{"rendered":"Abitur-Noten werden immer besser, die Bildung schlechter"},"content":{"rendered":"<p>Die Abi-Noten werden immer besser &#8211; weil die Politik dran dreht. Doch die Sch\u00fcler werden nicht gebildeter &#8211; im Gegenteil.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Silvano D\u2019Agostino ist sich so gut wie sicher, dass auf seinem Abiturzeugnis die Bestnote 1,0 stehen wird, wenn er in knapp zwei Wochen sein Zeugnis bekommt. Der Achtzehnj\u00e4hrige besucht die zw\u00f6lfte Klasse des Hermann-B\u00f6se-Gymnasiums in Bremen, und bisher hat er alle nur m\u00f6glichen Punkte erreicht. Getan hat er allerdings wenig f\u00fcr die Schule: Pro Abiklausur einen Nachmittag lang gelernt. Gereicht hat das locker. Im Herbst wird D\u2019Agostino nach Harvard gehen, er hat ein Stipendium bekommen.<\/p>\n<p>Vor den Sommerferien ist es wieder so weit. Dann bekommen rund 330 000 Abiturienten in ganz Deutschland ihre Zeugnisse. Seit Jahren sind es so viele, die Quote der Abiturienten liegt stabil bei um die 40 Prozent, w\u00e4hrend sie vor zwanzig Jahren noch bei 27 Prozent lag. Und damit nicht genug: Wie von Zauberhand werden diese Sch\u00fcler auch immer besser.<\/p>\n<p>Der Anteil derjenigen, die ein glattes Einserabitur gemacht haben, ist allein zwischen 2006 und 2012 bundesweit um vierzig Prozent gestiegen &#8211; auf 4600 Sch\u00fcler. Auch die Durchschnittsnote der Abiturienten hat sich in fast allen Bundesl\u00e4ndern verbessert (Ausnahmen: Baden-W\u00fcrttemberg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern). Spitzenreiter ist Berlin mit einer Steigerung der Durchschnittsnote von 2,68 auf 2,4 zwischen 2006 und 2012. (Die Entwicklung in allen Bundesl\u00e4ndern finden Sie in der Bilderstrecke)<\/p>\n<h2>Durchl\u00e4ssigkeit der Gesellschaft<\/h2>\n<p>Gibt es also heute mehr kluge junge Leute als fr\u00fcher? Oder bekommen blo\u00df immer mehr Sch\u00fcler ihr Abitur hinterhergeschmissen?<\/p>\n<p>Das Institut der deutschen Wirtschaft in K\u00f6ln hat darauf eine klare Antwort: \u201eWenn man ihren Bildungsstand in Pisa-Punkten misst, sind jetzt auch Studenten an den Hochschulen, die nicht so gut sind wie die Studenten von fr\u00fcher.\u201c Der Bildungsexperte Axel Pl\u00fcnnecke legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass dies nicht an der gr\u00f6\u00dferen Dummheit der Abiturienten liegt, sondern an einer nie zuvor dagewesenen Durchl\u00e4ssigkeit der Gesellschaft: \u201eEs kommen ganz neue Gruppen von Sch\u00fclern an die Hochschulen, die zum Beispiel vorher an beruflichen Schulen waren.\u201c<\/p>\n<p>In einer noch unver\u00f6ffentlichten neuen Studie beweist Pl\u00fcnnecke freilich auch: \u201eWenn man annehmen w\u00fcrde, dass nur die Besten eines Jahrgangs sp\u00e4ter studieren, so haben einige Studienanf\u00e4nger heute geringere Mathe-Leistungen bei Pisa als die Studienanf\u00e4nger fr\u00fcherer Jahre.\u201c Der Wert sinke zwischen 2003 und 2009 um 17 Punkte. \u201eDas ist eine Menge, ungef\u00e4hr der Lernfortschritt eines halben Schuljahrs.\u201c Bei der Lesekompetenz sinkt der Wert sogar um 27 Punkte.<\/p>\n<p>Wie passt das aber mit den vielen guten Abiturnoten zusammen? Ganz einfach: Bildungsforscher bem\u00e4ngeln, dass das Abitur immer leichter werde und damit eine schleichende Entwertung der Abiturzeugnisse einhergehe. Von einer Noteninflation, die nicht immer zum tats\u00e4chlichen Wissensstand der Abiturienten passe, spricht zum Beispiel Rainer B\u00f6lling, Autor der \u201eKleinen Geschichte des Abiturs\u201c.<\/p>\n<h2>Deutschland hinkt hinterher<\/h2>\n<p>Die sei politisch gewollt. Schlie\u00dflich hinke Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. W\u00e4hrend in Deutschland 40 Prozent Abitur machen, sind es in anderen hochentwickelten L\u00e4ndern gut 60 Prozent, in Frankreich sogar 80 Prozent. Da liegt der Gedanke nahe, die Anforderungen an das Abitur zu senken, um auch hierzulande die Abiturientenquote in die H\u00f6he zu treiben und deutsche Sch\u00fcler notenm\u00e4\u00dfig wettbewerbsf\u00e4hig zu machen.<\/p>\n<p>Dazu wurde an drei entscheidenden Stellschrauben gedreht, wie Ralf Treptow erkl\u00e4rt, der stellvertretende Vorsitzende der Bundesdirektorenkonferenz Gymnasien: Erstens wurde das Zentralabitur eingef\u00fchrt. \u201eDadurch sind die Noten besser geworden. Das konnte man gut beobachten, als es das Zentralabitur noch nicht in allen Bundesl\u00e4ndern gab. Da hinkten die Sch\u00fcler mit dezentralem Abi hinterher.\u201c Zweitens hat man in vielen L\u00e4ndern ein f\u00fcnftes Abiturpr\u00fcfungsfach eingef\u00fchrt, in dem eine \u201ebesondere Lernleistung\u201c gepr\u00fcft wird. \u201eIn diesem f\u00fcnften Fach gibt es signifikant bessere Noten\u201c, sagt Treptow. Drittens hat sich die Notendefinition ge\u00e4ndert: Die gleiche Leistung wird heute besser bewertet als fr\u00fcher. \u201eIm Schnitt sind dadurch alle Sch\u00fcler in Deutschland um ein Zehntel besser geworden.\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/abitur-noten-werden-immer-besser-die-bildung-schlechter-12990647.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/abitur-noten-werden-immer-besser-die-bildung-schlechter-12990647.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Abi-Noten werden immer besser &#8211; weil die Politik dran dreht. 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