{"id":26739,"date":"2014-07-12T14:47:20","date_gmt":"2014-07-12T14:47:20","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=26739"},"modified":"2014-07-12T14:47:20","modified_gmt":"2014-07-12T14:47:20","slug":"inklusion-initiative-zur-erhaltung-der-forderschule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=26739","title":{"rendered":"Inklusion: Initiative zur Erhaltung der F\u00f6rderschule"},"content":{"rendered":"<p>Im Sauerland f\u00fchrt eine Mutter eine Kampagne zur Erhaltung von F\u00f6rderschulen. Sie meint, dass ihr lernbehinderter Sohn dort besser aufgehoben ist &#8211; und wei\u00df schon fast 12.000 Unterst\u00fctzer hinter sich.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Buchstaben! Diese Kombinationen aus Kurven und Linien wollten sich f\u00fcr Max einfach nicht sinnvoll f\u00fcgen. Max\u2019 Lernbl\u00e4tter und Diktate aus der Endphase seines ersten Grundschuljahrs sind Zeugnisse gro\u00dfer Pein. \u201eDie kleine Hexe\u201c, diktierte seine Lehrerin vor einem Jahr. Und: \u201eLexi ist eine kleine Hexe.\u201c Max schrieb \u201eisae\u201c, \u201eisae\u201c und \u201eees\u201c. Die Lehrerin diktierte: \u201eDienstag\u201c und \u201eSonntag\u201c. Max schrieb \u201eisad\u201c und \u201eSd\u201c.<\/p>\n<p>Die Lehrerin k\u00fcmmerte sich ganz besonders um Max, ging die Texte separat mit ihm durch, schrieb unter die Diktate Aufmunterungen: \u201ePrima, Max! Lass dich nicht entmutigen. Wortfragmente sind erkennbar.\u201c Aber Tina Brune, Max\u2019 Mutter, fand, dass es keinen Sinn hat, sich die Sache weiter sch\u00f6nzureden. Ein Jahr der Qual sei genug. Gegen den Willen der Grundschule schickte sie ihren Sohn f\u00fcr acht Wochen zur Probe auf die Vier-T\u00e4ler-Schule in Plettenberg, eine Schule f\u00fcr Kinder mit Lernbehinderung.<\/p>\n<h2>Nach ein paar Wochen kam er nicht mehr mit<\/h2>\n<p>Max war kaum auf der Welt, da begannen die Sorgen. Mit zehn Tagen bekam er die Windpocken, sp\u00e4ter wurden ein Dopaminmangel und eine schwere Form der Epilepsie festgestellt. Max besuchte einen Kindergarten f\u00fcr Sprachbehinderte, weil er lange nicht sprechen wollte. Tina Brune beantragte F\u00f6rderbedarf f\u00fcr ihren Sohn. Aber dann sprach Max pl\u00f6tzlich \u2013 \u201eFeuerwehr\u201c und \u201eMama\u201c waren seine ersten Worte. Mit viereinhalb Jahren. Gutachter kamen zu dem Ergebnis, dass kein F\u00f6rderbedarf bestehe. Der erste Schultag im Sp\u00e4tsommer 2012 sei ein einziges Drama f\u00fcr ihren seh- und h\u00f6rbehinderten Jungen gewesen, erinnert sich Tina Brune.<\/p>\n<p>Die vielen Menschen, die vielen Kinder. \u201eMax hat sich an mich geklammert und gebr\u00fcllt. Alle haben ihn bel\u00e4chelt.\u201c Nach ein paar Wochen schon kam Max nicht mehr mit im Unterricht. Immer \u00f6fter sagte er zu Hause: \u201eIch bin so dumm!\u201c Max ist wie ausgewechselt, seit er auf die Vier-T\u00e4ler-Schule geht. In seiner Klasse sind nur acht weitere Kinder. Manchmal unterrichten Lehrer sogar in Doppelbesetzung, um ihre Sch\u00fcler maximal zu f\u00f6rdern. Max hat sein eigenes Tempo. Alle drei Monate lernt er zwei Buchstaben. Damit er die neuen Buchstaben f\u00fchlen kann, schneidet er sie aus Sandpapier aus.<\/p>\n<h2>\u201eEndlich Erfolgserlebnisse\u201c<\/h2>\n<p>Oder er lernt mit Eselsbr\u00fccken: Das H sieht aus wie eine Himmelbr\u00fccke. Das B verbindet er mit dem Geschmack von Bananen oder Basilikum. \u201eMama, ich lerne hier, es dauert nur\u201c, sagte Max schon nach kurzer Zeit. Nun ist Max\u2019 erstes Schuljahr an der F\u00f6rderschule beinahe vorbei. Der achteinhalb Jahre alte Junge beherrscht nun vierzehn Buchstaben und kann im Zahlenbereich bis 20 sicher rechnen. \u201eF\u00fcr Max ist die Vier-T\u00e4ler-Schule die Rettung. Er hat endlich Erfolgserlebnisse\u201c, sagt seine Mutter.<\/p>\n<p>Doch Tina Brune hat Angst, dass ihr Junge wieder zur\u00fcck muss auf die Regelschule. Im August tritt in Nordrhein-Westfalen ein novelliertes Schulgesetz in Kraft. Es sieht vor, dass Sch\u00fcler mit und ohne Behinderung in der Regel in allgemeinen Schulen unterrichtet werden. Nach Einsch\u00e4tzung der rot-gr\u00fcnen Landesregierung kann die Inklusionsquote bis 2017 von derzeit 25 auf 50 Prozent gesteigert werden. Tats\u00e4chlich bef\u00fcrworten viele Eltern von Kindern mit Behinderung das gemeinsame Lernen.<\/p>\n<p>Doch es gibt auch Eltern, die gegen zu viel Inklusion sind, weil sie f\u00fcrchten, dass ihre Kinder an Regelschulen untergehen. \u201eMax soll nicht wieder als Regelfall behandelt und t\u00e4glich besch\u00e4mt werden, weil er nicht mitkommt und an seinen Fehlern gemessen wird\u201c, sagt Tina Brune. \u201eDas ist keine Inklusion, das ist Exklusion, das macht Kinderseelen kaputt.\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/inklusion-initiative-zur-erhaltung-der-foerderschule-13034593.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/inklusion-initiative-zur-erhaltung-der-foerderschule-13034593.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sauerland f\u00fchrt eine Mutter eine Kampagne zur Erhaltung von F\u00f6rderschulen. 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