{"id":26624,"date":"2014-07-01T13:57:17","date_gmt":"2014-07-01T13:57:17","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=26624"},"modified":"2014-07-01T13:57:17","modified_gmt":"2014-07-01T13:57:17","slug":"whistleblower-konnen-mit-neuer-technik-enttarnt-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=26624","title":{"rendered":"Whistleblower k\u00f6nnen mit neuer Technik enttarnt werden"},"content":{"rendered":"<p>Schwankungen im Stromnetz geben Zeit und Ort jeder Tonaufnahme preis. Die Polizei macht sich diese Methode zunutze, um Erpresser und M\u00f6rder dingfest zu machen. Nachrichtendienste enttarnen damit Whistleblower.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Bei Tonaufnahmen werden immer Umgebungsger\u00e4usche mit aufgenommen. Und zu diesen Umgebungsger\u00e4uschen z\u00e4hlt ein f\u00fcr den Menschen nicht h\u00f6rbares Summen. Es wird durch das Stromnetz verursacht. Anhand dieses Summens k\u00f6nnen IT-Forensiker ermitteln, wann und wo die Tonaufnahme entstanden ist. Die Polizei macht sich diese Methode zunutze, um Erpresser und M\u00f6rder dingfest zu machen. Nachrichtendienste enttarnen damit Whistleblower.<\/p>\n<p>Es begann mit einem Mordfall und einem gleich zu Beginn der Ermittlungen feststehenden T\u00e4ter. Die Polizei fand eine Tonaufnahme auf dem Smartphone der toten Frau, die mit den Worten endete: \u201eIch bringe dich um\u201c. Als Sprecher ergab ein Stimmenvergleich den Nachbarn der Frau. F\u00fcr die Kriminalpolizisten war der Fall klar, die Indizienlage eindeutig. Doch den IT-Forensikern gen\u00fcgte das nicht. Sie fanden zun\u00e4chst heraus, dass die Tonaufnahme bereits einige Monate alt war. Das war Anlass f\u00fcr weitere Ermittlungen, und an deren Ende stand das Ergebnis, dass der Ehemann der M\u00f6rder war. Er hatte die Aufzeichnung aufwendig bearbeitet, um den Verdacht auf den Nachbarn zu lenken.<\/p>\n<h2>Frequenzschwankungen sind wie Fingerabdr\u00fccke<\/h2>\n<p>\u201eDer Schwankungsverlauf der elektrischen Netzfrequenz gab den Ausschlag f\u00fcr die L\u00f6sung dieses Kriminalfalls\u201c, erl\u00e4utert der Computerwissenschaftler und IT-Forensiker Niklas Fechner von der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t in M\u00fcnster. Dadurch konnte die Aufnahmezeit der Morddrohung genau bestimmt werden. Die elektrische Netzfrequenz \u00fcbertr\u00e4gt sich n\u00e4mlich durch ein Summen in jede Tonaufnahme. In Westeuropa ist diese Frequenz auf 50 Hertz festgelegt worden. \u201eDas Besondere dieser Frequenz ist aber, dass sie sich st\u00e4ndig geringf\u00fcgig ver\u00e4ndert\u201c, erl\u00e4utert Fechner. Bei einer Aufnahme von nur f\u00fcnf oder zehn Sekunden k\u00f6nnen die Forensiker die minimalen Schwankungen von 50,001 Hertz auf 49,9999 Hertz und wieder auf zum Beispiel 50,002 Hertz genau verfolgen. Diese einzigartigen Schwankungen sind wie ein Fingerabdruck.<\/p>\n<p>Um diesen Fingerabdruck zu erstellen, wird die Aufnahme auf den 50-Hertz-Bereich konzentriert, \u201eheruntergesampelt\u201c. Anschlie\u00dfend wird die Datei mit einem sogenannten Bandpassfilter bearbeitet, so dass nur das Summen der Netzfrequenz \u00fcbrig bleibt. \u201eDamit haben wir einen klaren Verlauf der Netzfrequenz vorliegen\u201c, berichtet Fechner. Dieser Frequenzverlauf wird mit den tats\u00e4chlichen Netzschwankungen in der Vergangenheit abgeglichen. Daf\u00fcr gibt es entsprechende Datenbanken, die von den Energieversorgern, aber auch zum Beispiel vom Bundeskriminalamt betrieben werden. Seit dem Jahr 2005 gibt es solche Frequenzdatenbanken auch in Deutschland, und sie stellen sek\u00fcndliche Abbildungen der Frequenz zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<h2>Vermummen und verzerren reicht nicht mehr<\/h2>\n<p>In dem geschilderten Mordfall lie\u00df sich die Aufnahmezeit genau bestimmen, und der Aufnahmeort l\u00e4sst sich \u00fcber einen Abgleich der regional unterschiedlichen Frequenzschwankungen ebenfalls eingrenzen. Das hat der Polizei schon in manchem Erpressungsfall entscheidende Hinweise geliefert.<\/p>\n<p>Aber nicht nur nach Erpressern und M\u00f6rdern fahnden die Sicherheitsbeh\u00f6rden. Die Nachrichtendienste wenden sie an, um Whistleblower zu enttarnen. Das stellt Journalisten vor neue Herausforderungen, um ihre Informanten zu sch\u00fctzen. Bisher zeigten zum Beispiel Fernsehjournalisten ihre Informanten vermummt und verh\u00fcllt auf dem Bildschirm, die Stimmen wurden verzerrt. Doch das reicht nicht mehr. Denn mit dem geschilderten Verfahren k\u00f6nnen Whistleblower unschwer enttarnt werden. Der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA hat in einem Fall sogar fl\u00e4chendeckend das Material von \u00dcberwachungskameras in den Bundesl\u00e4ndern Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-W\u00fcrttemberg ausgewertet, um einem Whistleblower auf die Spur zukommen. Nach f\u00fcnf Tagen war der Mann enttarnt.<\/p>\n<h2>Schauspieler stellen Interviews nach<\/h2>\n<p>\u201eIn solchen F\u00e4llen muss die Identit\u00e4t von mehreren tausend Menschen ermittelt werden\u201c, berichtet ein fr\u00fcherer Mitarbeiter des amerikanischen Geheimdienstes. F\u00fcr jede ermittelte Person wird ein Profil erstellt, mit dem abgekl\u00e4rt wird, ob sie an die fraglichen Informationen gekommen sein kann. Daf\u00fcr werden die ma\u00dfgeblich vom Bundeskriminalamt in den siebziger Jahren entwickelten Methoden der Rasterfahndung eingesetzt. F\u00fcr Journalisten bedeutet das: Whistleblower d\u00fcrfen nicht mehr vor eine Kamera, wenn ihre Identit\u00e4t geheim und gesch\u00fctzt bleiben soll. Interviewszenen m\u00fcssen von Schauspielern nachgestellt werden. Alles andere ist zu riskant.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/computer-internet\/whistleblower-koennen-mit-neuer-technik-enttarnt-werden-13017604.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/computer-internet\/whistleblower-koennen-mit-neuer-technik-enttarnt-werden-13017604.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwankungen im Stromnetz geben Zeit und Ort jeder Tonaufnahme preis. Die Polizei macht sich diese Methode zunutze, um Erpresser und M\u00f6rder dingfest zu machen. 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