{"id":26606,"date":"2014-07-01T09:52:08","date_gmt":"2014-07-01T09:52:08","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=26606"},"modified":"2014-07-01T09:52:08","modified_gmt":"2014-07-01T09:52:08","slug":"ehe-und-familie-das-leitbild-wirrwarr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=26606","title":{"rendered":"Ehe und Familie: Das Leitbild-Wirrwarr"},"content":{"rendered":"<p>Nicht allein fehlende Krippenpl\u00e4tze sind der Grund daf\u00fcr, dass die Geburtenzahl in Deutschland sinkt. Vielmehr macht das Durcheinander konkurrierender Familien-Leitbilder einer Studie zufolge insbesondere Frauen zu schaffen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Lange wurden in der familienpolitischen Debatte fehlende Betreuungspl\u00e4tze und zu wenig finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr junge Eltern f\u00fcr den Geburtenr\u00fcckgang in Deutschland verantwortlich gemacht. 2011 erreichte sie mit 663.000 Neugeborene den niedrigsten Stand der Nachkriegszeit. Doch inzwischen zeigt sich: Nicht nur der Dreiklang aus \u201eZeit, Geld und Infrastruktur\u201c, den Familienpolitiker in der Vergangenheit immer wieder intonierten, bestimmt \u00fcber die Bereitschaft zur Familiengr\u00fcndung. Es sind ebenso kulturelle \u00dcberzeugungen, die daf\u00fcr sorgen, ob ein junges Paar zur Familie wird oder nicht.<\/p>\n<p>Darauf weist eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung hin, die Wissenschaftler des Bundesinstituts f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsforschung in Wiesbaden verfasst haben. Die Leitbilder stehen demnach im Widerspruch zueinander, was insbesondere Frauen zu schaffen macht: So passt das Leitbild der \u201eguten Mutter\u201c, die ihr Kind optimal f\u00f6rdert und ihm viel Aufmerksamkeit widmet, nicht zum Leitbild des \u201eidealen Erwerbst\u00e4tigen\u201c, der den Beruf als Selbstverwirklichung ansieht und lange arbeitet.<\/p>\n<p>Die Aufgabe eigener Interessen, die Eltern sich zugunsten der Interessen ihres Kindes selber abverlangen und die von ihnen erwartet wird, konkurriert mit dem Trend Individualisierung und Hedonismus, der im jungen Erwachsenenalter vorherrscht. Das Leitbild der vor allem am Kindeswohl interessierten Mutter reibt sich mit dem der idealen Partnerschaft, in der es um exklusive Zeit zu zweit geht. Die hohen Anforderungen, die heute an Eltern und insbesondere an M\u00fctter gestellt w\u00fcrden, lasse viele vor der gro\u00dfen Verantwortung, ein Kind in die Welt zu setzen, zur\u00fcckschrecken.<\/p>\n<h2>\u201eMismatch\u201c auf dem Heiratsmarkt<\/h2>\n<p>Zugleich treffe die Verbreitung einer modernen Frauenrolle ohne Alleinverantwortung f\u00fcr Erziehung und Familienarbeit, daf\u00fcr aber mit st\u00e4rkerer Erwerbsbeteiligung, auf die \u201eBest\u00e4ndigkeit einer traditionellen M\u00e4nnerrolle\u201c, die den Vater weiterhin als den Familienern\u00e4hrer ansieht. Eine st\u00e4rkere Beteiligung an der Familienarbeit sieht diese Rolle nur in dem Ma\u00dfe vor, wie sie nicht mit Karriereeinbu\u00dfen einhergeht, wie die Forscher schreiben.<\/p>\n<p>Das f\u00fchre zu einem \u201eMismatch\u201c auf dem Partnermarkt: Gebildete Frauen suchten M\u00e4nner, die sich an der Familienarbeit und ihre Berufst\u00e4tigkeit notfalls reduzierten, w\u00e4hrend M\u00e4nner nach Frauen Ausschau hielten, die in der Familienarbeit ihre Hauptzust\u00e4ndigkeit s\u00e4hen. In der Praxis aber tr\u00e4fen sie auf Frauen, die diese Hauptzust\u00e4ndigkeit ablehnten. Die Suche nach dem passenden Partner bleibt da \u201enicht selten erfolglos\u201c.<\/p>\n<p class=\"WeitereBeitraege\"><span class=\"WBHead\">Mehr zum Thema<\/span><\/p>\n<ul class=\"WBListe\">\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/familie-bevoelkerungsforscher-elternideal-schlecht-fuer-kindersegen-12237592.html\" title=\"Bev\u00f6lkerungsforscher: Elternideal schlecht f\u00fcr Kindersegen\">Bev\u00f6lkerungsforscher: Elternideal schlecht f\u00fcr Kindersegen<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/wirtschaft\/menschen-wirtschaft\/zwischen-familie-und-karriere-steckengeblieben-12943056.html\" title=\"Zwischen Familie und Karriere: Steckengeblieben\">Zwischen Familie und Karriere: Steckengeblieben<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/lebensentwuerfe-elternglueck-fuer-kinderlose-12791972.html\" title=\"Lebensentw\u00fcrfe: Elterngl\u00fcck f\u00fcr Kinderlose!\">Lebensentw\u00fcrfe: Elterngl\u00fcck f\u00fcr Kinderlose!<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/wirtschaft\/familienarbeitszeit-der-neue-kampf-um-die-35-stunden-12902618.html\" title=\"Kommentar: Der neue Kampf um die 35 Stunden\">Kommentar: Der neue Kampf um die 35 Stunden<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/abermals-rekordhalter-babyboomstadt-berlin-12788631.html\" title=\"Abermals Rekordhalter: Babyboomstadt Berlin \">Abermals Rekordhalter: Babyboomstadt Berlin <span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/deutschland-nur-noch-jeder-zweite-lebt-in-einer-familie-12183569.html\" title=\"Deutschland: Nur noch jeder Zweite lebt in einer Familie\">Deutschland: Nur noch jeder Zweite lebt in einer Familie<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/politik\/inland\/familienpolitik-kinderbetreuung-sorgt-fuer-nachwuchs-ehegattensplitting-verpufft-12781114.html\" title=\"Familienpolitik: Kinderbetreuung hebt Geburtenrate, Ehegattensplitting verpufft\">Familienpolitik: Kinderbetreuung hebt Geburtenrate, Ehegattensplitting verpufft<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/beruf-und-familie-ihr-wollt-kinder-dann-kriegt-sie-doch-12741057.html\" title=\" Beruf und Familie: Ihr wollt Kinder? Dann kriegt sie doch!\"> Beruf und Familie: Ihr wollt Kinder? Dann kriegt sie doch!<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Gerade Akademikerinnen sind von den konkurrierenden Leitbildern in besonderer Weise betroffen: 30 Prozent der zwischen 1965 und 1969 Geborenen bleiben kinderlos, wie das Bundesinstitut f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsforschung errechnete. Das traf nur auf 17 Prozent der Frauen ohne Berufsschluss zu. Auch hatten Akademikerinnen mit 1,28 die niedrigste durchschnittliche Kinderzahl, w\u00e4hrend Frauen mit niedrigeren Berufsabschl\u00fcssen statistisch auf 1,78 Kinder kamen. Zwischen West- und Ostdeutschland gibt es noch 25 Jahre nach der Wende gro\u00dfe Unterschiede: W\u00e4hrend im Osten die Ein-Kind-Familie vorherrschend ist, finden sich im Westen mehr Zwei-Kind-Familien und eine weit verbreitete, gesellschaftlich akzeptierte Kinderlosigkeit.<\/p>\n<h2>Skepsis gegen\u00fcber Fremdbetreuung<\/h2>\n<p>Die \u201eIdeologie der guten Mutter\u201c, so schreiben die Bev\u00f6lkerungsforscher, sorge gerade in Deutschland f\u00fcr eine erhebliche Skepsis gegen\u00fcber Fremdbetreuung: Denn sie beinhalte die \u00dcberzeugung, dass die Mutter stets f\u00fcr das Kind verf\u00fcgbar sein solle. Externe Betreuung in Anspruch zu nehmen bedeute in dieser Lesart, dass die Mutter eigene Bed\u00fcrfnisse \u00fcber die des Kindes stelle. Ohne Betreuung  aber ist an Berufst\u00e4tigkeit nicht zu denken. Das Leitbild der \u201everantworteten Elternschaft\u201c, das heute vorherrsche, verlange au\u00dferdem ein hohes Ma\u00df an F\u00f6rderung des Kindes &#8211; seiner sportlichen oder musischen Talente wie seiner schulischen Leistungen. Bei Ber\u00fccksichtigung dieses Leitbilds ist selbst bei \u00e4lteren Kindern nur eine Teilzeitt\u00e4tigkeit der Mutter m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die Forscher sehen Elternschaft heute durch das \u201ePflichtbewusstsein, das Streben nach Perfektion und \u00fcbersteigerte Qualit\u00e4tsanspr\u00fcche\u201c belastet &#8211; so sehr, dass Eltern dadurch an die \u201eGrenzen ihrer Leistungsf\u00e4higkeit\u201c gerieten und in ihrer eigenen Lebensgestaltung stark eingeschr\u00e4nkt seien. Diese Entwicklung m\u00fcsse \u201erevidiert\u201c werden, denn ein Mangel an \u201eElternwohl\u201c schade auch den Kindern. \u00dcberdies fordern sie dazu auf, wieder st\u00e4rker in den Blick zu nehmen, dass Kinder oft robuster und selbst\u00e4ndiger seien, als Erwachsene glaubten. Die Idee der Schutzbed\u00fcrftigkeit und Verletzlichkeit von  Kindern, die die Skepsis gegen\u00fcber externer Betreuung begr\u00fcnde, solle hinterfragt werden.<\/p>\n<h2>Gegen das Ehegattensplitting<\/h2>\n<p>Der Politik empfehlen die Forscher, keine \u201eLeitbilder\u201c vorzugeben, sondern die Vielfalt des Familienlebens zu akzeptieren und die Voraussetzungen f\u00fcr Wahlfreiheit in der Lebensf\u00fchrung zu schaffen &#8211; etwa durch eine ausreichende Zahl von Betreuungspl\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Offen kritisieren sie &#8211; und das ist erstaunlich genug f\u00fcr eine Ver\u00f6ffentlichung einer CDU-nahen Stiftung- das Ehegattensplitting: Denn es  orientiere sich nicht am Vorhandensein von Kindern, sondern f\u00f6rdere auch eine kinderlose Alleinverdienerehe.  Eine Patchworkfamilie aus zwei unverheirateten Eltern mit mehreren Kindern hingegen profitiert davon nicht. Zu Recht spricht die Studie an, dass gesetzliche Regelungen derzeit sehr unterschiedliche Leitbilder f\u00f6rdern: W\u00e4hrend das Unterhaltsrecht die finanzielle Eigenverantwortung der Frau verlangt, unterst\u00fctzt das Steuerrech durch das Splitting die Mitversorgung durch den besser verdienenden Partner. W\u00e4hrend das Ende des Elterngeldes nach zw\u00f6lf bzw. 14 Monaten zum fr\u00fchen Wiedereinstieg in den Beruf animiert, erm\u00f6glicht die kostenlose Mitversicherung in der Krankenversicherung des Ehepartners das Daheimbleiben. Doch auch das bedeutet Wahlfreiheit.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/ehe-und-familie-das-leitbild-wirrwarr-13020518.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/ehe-und-familie-das-leitbild-wirrwarr-13020518.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht allein fehlende Krippenpl\u00e4tze sind der Grund daf\u00fcr, dass die Geburtenzahl in Deutschland sinkt. 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